Novo Nordisk hat als erster die US-Zulassung für seine neue Abnehmpille erhalten. Die Konkurrenzprodukte von Eli Lilly und zwei Herausforderern werden noch getestet - zeigten aber zuletzt auch gute Ergebnisse. 

Die nächste Runde am Markt für Abnehmtherapien ist eingeläutet. Kurz vor dem Jahreswechsel hat Novo Nordisk die US-Zulassung für seine Abnehmpille erhalten. Bereits im Januar könnte sie auf dem global wichtigsten Markt, den USA, erhältlich sein. In Europa wurde die Zulassung zwar beantragt, Experten rechnen ­jedoch erst Ende des Jahres mit einer Vertriebsgenehmigung.

Ein 100-Milliarden-Dollar-Markt

Fettleibigkeit bleibt auch 2026 eines der aktuellsten Themen in der Biopharma-­Branche. Der adressierbare Markt ist riesig. Die Experten von Goldman Sachs rechnen mit einem Marktpotenzial von rund 100 Milliarden US-Dollar bis 2030. Andere Studien gehen gar noch von ­einem deutlich größeren Marktpotenzial aus. Zum einen steigt die Zahl der für Abnehmmedikamente infrage kommenden Personen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat GLP-1-Medikamente Ende 2025 ihrer Liste der Essential Medicines hinzugefügt und dabei Adipositas als chronische Erkrankung anerkannt sowie diese Behandlungen empfohlen. Die Liste dient über 150 Ländern als Grundlage für Beschaffung, Versorgung und Erstattung, was die globale Bekämpfung von Adipositas und Diabetes stärken soll. Die World Obesity Federation prognostiziert, dass bis 2030 weltweit über eine Milliarde Menschen an Adipositas leiden werden.

Wachstum versprechen sich die Pharmaunternehmen auch durch Abnehmtabletten. Sie könnten dazu beitragen, neue Patientengruppen zu erreichen. Dazu könnten Menschen gehören, die Angst vor Nadeln haben, oder Patienten, die von den bestehenden Injektionen profitieren könnten, diese aber nicht anwenden.

In den USA handelte US-Präsident Donald Trump vor einigen Wochen Preisabschläge für die Abnehmspritzen von Novo Nordisk und Eli Lilly aus. In China senkten die Unternehmen zum Jahreswechsel die Preise. Durch geringere Kosten könnten neue Kunden erschlossen werden.

Der jüngste Übernahmekampf zwischen Novo Nordisk und Pfizer um den US-Biotechspezialisten Metsera zeigte, wie hoch die Markterwartungen für Abnehmtherapien sind. Dabei hat Metsera bisher nur zwei experimentelle Medikamente in Phase I. Dennoch beabsichtigt Pfizer, bis zu zehn Milliarden Dollar für das defizitäre Unternehmen zu bezahlen. Bisher ist der Markt in der Hand von Novo Nordisk und Eli Lilly. Unternehmen wie Ascletis und Structure Therapeutics wollen das Duopol knacken.

Der Pionier legt wieder vor

Novo Nordisk war der erste Konzern, der mit Wegovy eine Abnehmspritze für die breite Anwendung bei Adipositas auf den Markt brachte. Sie sorgte für einen Umsatzboom und die Aktie schoss an die Spitze der wertvollsten notierten Unternehmen in Europa. Seit dem Kurshoch vom Sommer 2024 hat das Papier rund zwei Drittel seines Werts verloren. Der US-Pharmariese Eli Lilly kam mit einem Konkurrenzprodukt auf den Markt und gewann zunehmend Marktanteile. Zudem drückten illegale Nachahmerprodukte, die über das Internet vertrieben werden, auf die Margen. So kappten die Dänen bereits im Sommer die Prognose für das Gesamtjahr 2025. Die von US-Präsident Trump eingeführten Strafzölle und eingeforderten Preisabschläge setzten die Aktie zusätzlich unter Druck.

Auf dem aktuellen Niveau erscheint das Papier jedoch attraktiv bewertet. Mit der bereits für die USA zugelassenen Abnehmpille haben sich die Dänen erneut einen zeitlichen Vorsprung vor dem größten Konkurrenten Eli Lilly gesichert. Novo Nordisk plant den Markteintritt in den USA Anfang Januar 2026. Dem Unternehmen zufolge soll die Starterdosis für 149 Dollar pro Monat mit Sparangeboten erhältlich sein. Die Herstellungskosten von Pillen sind deutlich niedriger als bei Spritzen. Die Pille beschert dem Pharmariesen somit deutlich höhere Margen.

Neuen Schwung versprechen sich die Dänen auch von CagriSema. Der Zulassungsantrag wurde im Dezember gestellt. CagriSema ist ein dualer Agonist, der die Wirkung von GLP-1 und eines weiteren Hormons namens Amylin nachahmt. Phase-III-Tests zeigten deutlich bessere Ergebnisse als Wegovy. Eine Zulassung wird für Ende 2026/Anfang 2027 erwartet.

Die Zahlen für die ersten neun Monate 2025 zeigten zwar einen deutlichen Gewinnrückgang, der Umsatz legte jedoch leicht zu. Ein vergleichbares Bild erwartet David Evans, Analyst bei Kepler ­Cheuvreux, auch für das Gesamtjahr. Für 2026 rechnet Evans mit Daten auf Vorjahresniveau. Die größte Schwäche von Novo Nordisk ist die hohe Abhängigkeit von Abnehmpräparaten. Angesichts einer aktuell weiterhin starken Marktposition und neuen Produkten in der Pipeline erscheint das Papier mit einem KGV von 14,7 und einer Dividendenrendite von 3,4 Prozent moderat bewertet.


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BO Data/small charts; Bild: MicrovOne/iStock

Der Konkurrent will nachziehen

Die Abnehmspritze vom US-Pharmariesen Eli Lilly, Mounjaro, reguliert, ähnlich wie Wegovy, das Sättigungsgefühl und zügelt den Appetit. Auf diese Weise purzeln den Herstellern zufolge die Pfunde. In den zurückliegenden Monaten haben die Amerikaner den Dänen Marktanteile abgenommen. Dabei profitiert Eli Lilly davon, das effektivere Produkt zu haben. Studien zeigen, dass der Wirkstoff von Eli Lilly, Tirzepatide, zu größeren Gewichtsverlusten führt als das vergleichbare Produkt von Novo Nordisk. Die US-Zulassung für die Abnehmpille hat Eli Lilly beantragt. Das Unternehmen rechnet mit einer Zulassung im ersten Halbjahr 2026.

Eli Lilly hat jedoch weitere Blockbuster. Jardiance, das zur Behandlung von Diabe­tes/Herzinsuffizienz eingesetzt wird, spielt jährlich zweistellige Milliardenumsätze ein. Mit Verzenio hat Eli Lilly einen Onkologie-Blockbuster. Taltz wird zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen wie Schuppenflechte eingesetzt. Mit Inluriyo hat Eli Lilly 2025 die US-Zulassung für ein weiteres Medikament zur Behandlung von Brustkrebs erhalten. Eine Reihe weiterer Produkte aus den Bereichen Onkologie, Immunologie sowie Abnehmmedikamente sind in der Entwicklung.

In den ersten neun Monaten 2025 stieg der Umsatz aufgrund der starken Nachfrage nach Mounjaro um 54 Prozent. Der Gewinn pro Aktie hat sich fast versechsfacht. Der Konzern investiert stark in den Ausbau der Produktionskapazitäten für die Abnehmpräparate und neue Produkte.

Beflügelt von guten Zahlen und starken Produkten legte die Aktie seit Anfang August um rund zwei Drittel zu. Mit ­einen KGV von 32,8 ist die Aktie zwar kein Schnäppchen, ebenso wie Novo Nordisk verfügt Eli Lilly jedoch über eine überaus starke Position in einem wachsenden Marktsegment.

Zwei Herausforderer

Ascletis ist ein chinesisches Biotechnologieunternehmen mit Hauptsitz in Hangzhou. Der Konzern fokussiert sich auf die Entwicklung von Therapien in den Bereichen Infektionskrankheiten, Onkologie und Stoffwechselerkrankungen. So hat Ascletis mit Ganovo und Ravidasvir Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C in China auf dem Markt. 

Zuletzt fokussierte sich das Unternehmen auf die Entwicklung der Abnehmpille ASC30. Eine Phase-IIa-Studie zeigte bereits sehr gute Ergebnisse. Über einen Zeitraum von 13 Wochen erreichte ASC30 eine Gewichtsreduktion von 7,7 Prozent — ein Wert, der sogar leicht über den Resultaten vergleichbarer etablierter Produkte (6,9 Prozent) zum gleichen Zeitpunkt liegt. Für 2026 plant das Unternehmen ein End-of-Phase-II-Meeting mit den Behörden und strebt den Einstieg in die Phase III an. Parallel sucht Ascletis aktiv nach einem Partner für die späte Entwicklungsphase und die Kommerzialisierung von ASC30. Meldungen zu möglichen Lizenzvereinbarungen würden dem Papier deutlichen Aufwind geben. 

Deals wie Pfizers Akquisition von YaoPharma für 150 Millionen Dollar und Novo Nordisks Zwei-Milliarden-Dollar-Abkommen mit United Laboratories unterstreichen die internationale Anerkennung des Fortschritts von China bei oralen GLP-1-Präparaten. Aufwärtspotenzial bis zwei Euro hat das Papier. Der Nachrichtenfluss bei Ascletis ist jedoch durchwachsen. Zudem könnten schwache Studienergebnisse die Aktie unter Druck setzen. Damit eignet sich die Aktie nur für risikofreudige Anleger.

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BO Data/small charts; Bild: MicrovOne/iStock

Der Konkurrent mit dem neuen Wirkstoff

Ein weiterer Herausforderer ist der US-Biotechnologiekonzern Structure Therapeutics. Das Unternehmen meldete im Dezember gute Studienergebnisse zu seiner Abnehmpille Aleniglipron und sorgte damit für einen kräftigen Kurssprung. Meldungen zufolge zeigte Aleniglipron sogar bessere Ergebnisse als die ­geplante Abnehmpille von Eli Lilly, ­Orforglipron. Nach Auswertung der Ergebnisse plant Structure Therapeutics, Mitte 2026 mit der dritten Phase der klinischen Studie zu beginnen.

Beim US-Biotechnologiekonzern weiteten sich die Verluste im dritten Quartal 2025 zwar auf 65,7 Millionen Dollar deutlich aus — Hintergrund waren erhöhte Ausgaben für Forschung und Entwicklung —, angesichts der bevorstehenden zusätzlichen Studien rechnet das Management für das vierte Quartal 2025 sowie das Geschäftsjahr 2026 weiterhin mit hohen Forschungsausgaben. Zum Ende September 2025 verfügte das Unternehmen jedoch nach eigenen Angaben über liquide Mittel in Höhe von knapp 800 Millionen Dollar.

Die Mehrheit der Analysten zeigt sich daher trotz des jüngsten Kurssprungs und der Verluste mittelfristig zuversichtlich für die Aktie. Der durchschnittliche Zielkurs der Experten liegt bei 99,43 Dollar und damit 47,5 Prozent oberhalb des ­aktuellen Aktienkurses.

Im Gegensatz zu Ascletis veröffentlicht Structure Therapeutics regelmäßig Geschäftszahlen und wird von einer Reihe von Analysten beobachtet. Wie die Übernahme von Metsera durch Pfizer zeigt, wollen die großen Pharmariesen in den Markt für Abnehmmedikamente und sind bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen. Bei guten Studienergebnissen könnte Structure Therapeutics auf der Einkaufsliste eines Pharmariesen auftauchen.

Allerdings ist die Produktpipeline sehr dünn und der Fokus primär auf Aleniglipron ausgerichtet. Schwache Studien­ergebnisse könnten das Papier unter Druck setzen. Dies gilt auch für den Fall, dass sich die Forschung und Entwicklung zu lange hinzieht und die Finanzmittel knapp werden. 

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.