Der Wochenbericht "Commitments of Traders" zeigt regelmäßig auf, welche Transaktionen kommerzielle Branchenangehöriger (Commercials), Großspekulanten (Non-Commercials) und Kleinspekulanten (Non-Reportables) gegenüber der Vorwoche getätigt haben. Im vergangenen Jahr gab es bei großen und kleinen Terminspekulanten heftige Stimmungsschwankungen zu vermelden, wobei sich das allgemeine Interesse an Gold-Futures, ablesbar an der Anzahl offener Kontrakte (Open Interest), signifikant erhöht hat. Sie kletterte innerhalb von zwölf Monaten von 373.982 auf 401.880 Kontrakte (+7,5 Prozent), lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Marktstimmung zu.

Heftige Verwerfungen waren im Jahresverlauf unter großen und kleinen Terminspekulanten registriert worden. Deren kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) ist nämlich bis Ende Januar zunächst von 113.134 auf 206.160 Kontrakte regelrecht explodiert, um in den folgenden Monaten - unterbrochen von temporären Rebounds - wieder massiv einzubrechen. In der Woche zum 29. Dezember schrumpfte der Optimismus auf 15.335 Futures. Dies stellte auf Jahressicht ein Minus von 86,4 Prozent dar.

Massiven Verkaufsdruck generierten vor allem Großspekulanten (Non-Commercials), die ihre Netto-Long-Position innerhalb eines Jahres von 115.837 auf 19.102 Futures (-83,5 Prozent) zurückgefahren haben. Die Stimmung unter den Kleinspekulanten hat sich gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert hingegen kaum verändert. So hat sich die Ende 2014 registrierte Netto-Short-Position (pessimistische Markterwartung) leicht ausgedehnt - und zwar von minus 2.703 auf minus 3.767 Kontrakte, wobei ihr stärkster Optimismus mit plus 18.258 Futures Anfang Februar und ihr ausgeprägtester Pessimismus Anfang August (-15.080 Futures) verzeichnet worden war.

In der Vergangenheit erwiesen sich vor allem Marktphasen mit relativ geringem Optimismus häufig als gute Jahre für Gold. In zwölf Monaten wissen wir, ob diese vermeintliche Regel wieder einmal gegriffen hat. Eines steht aber bereits heute schon fest: Aus charttechnischer Sicht eröffnet der Goldpreis nach den drei Verlustjahren in Folge - verglichen mit vielen Aktienindizes - ein erhöhtes Aufwärtspotenzial und zugleich ein geringeres Rückschlagpotenzial.

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Gold: Höhere Notierungen zum Jahresstart



Der sich zuspitzende Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien hat dem gelben Edelmetall zu einem positiven Jahresauftakt verholfen. Doch trotz der heftigen Kursverluste an den internationalen Aktienmärkten kann von einer starken Fluchtbewegung in Gold noch nicht gesprochen werden. Da hätte deutlich mehr passieren müssen. Aus charttechnischer Sicht vollzieht das gelbe Edelmetall oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 1.000 Dollar weiterhin eine Bodenbildung. Ein Kursrutsch in den dreistelligen Bereich wäre auf jeden Fall negativ zu interpretieren und könnte erneuten Verkaufsdruck aufkommen lassen.

Beim Blick auf den langfristigen Gold-Chart fällt auf, dass sich in den vergangenen vier Jahren zumindest die Abwärtsdynamik verlangsamt hat. Da sich der Goldpreis derzeit in der Nähe der unteren Begrenzung des Abwärtstrendkanals befindet, gibt es wenig Grund für Optimismus. So lang wie die die 100- und 200-Tage-Linie nach unten zeigen und nicht nachhaltig überwunden werden, kann man von einem Trendausbruch noch nicht sprechen. Derzeit verlaufen die beiden Durchschnittslinien bei 1.115 bzw. 1.140 Dollar.

Wenngleich man in den vergangenen Jahren den Eindruck hatte, dass sich der Krisenschutz Gold selbst in der Krise befindet, kann das gelbe Edelmetall unter einem Aspekt weiterhin punkten. Die Risikokennzahl Volatilität fällt nämlich im Vergleich zu anderen Anlageklassen relativ niedrig aus. Besonders aussagekräftige Volatilitätsindizes hat die Chicago Board Options Exchange entwickelt. Diese beziehen sich nämlich nicht auf die historischen Kurse, sondern auf die aktuellen Preise von Optionen und repräsentieren damit die von den Marktakteuren erwartete Volatilität des jeweiligen Basiswerts. Beim CBOE-Volatilitätsindex auf Gold wird aktuell ein Wert von 16,1 Prozent angezeigt, während die Pendants auf diversifizierte Aktienindizes wie den Dow-Jones (19,1 Prozent), den Nasdaq-100 (22,4 Prozent) und den Russell-2000 (22,9 Prozent) erheblich höhere Risiken ausweisen.

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Zum Commitments of Traders-Report:

Einmal pro Woche veröffentlicht die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) den sogenannten Commitments of Traders-Report (COT) für sämtliche US-Terminbörsen und deren angebotenen Futures. Im wöchentlichen Rhythmus wird unter anderem die Anzahl der offenen Kontrakte (Open Interest) für jeden Basiswert veröffentlicht. Sie bringt zum Ausdruck, wie sich das allgemeine Interesse auf Wochensicht entwickelt hat.

Außerdem zeigt der COT-Report auf Basis der Marktdaten des jeweiligen Dienstags auf, wie sich die Marktpositionen der kommerziellen Branchenvertreter (Commercials) und der spekulativen Marktakteure - aufgeteilt in Großspekulanten (Non-Commercials) und Kleinspekulanten (Non-Reportables) - innerhalb einer Woche verändert haben. Für jede Gruppe von Marktakteuren werden jeweils deren Long- und Short-Positionen aufgeführt. Übertrifft die Long-Seite das Short-Engagement wird von einer Netto-Long-Position gesprochen, die eine mehrheitlich optimistische Markterwartung zum Ausdruck bringt. Im anderen Fall (mehr short als long) handelt es sich um eine Netto-Short-Position, die eine tendenziell pessimistische Markterwartung anzeigt. Für die Aktivitäten der spekulativen Marktakteure interessieren sich die Marktbeobachter normalerweise besonders stark, da ihr Handeln vor allem auf das Erzielen möglichst hoher Gewinne ausgerichtet ist und daher einen starken Einfluss auf die Preisentwicklung und das Marktsentiment ausüben kann.

Zum Autor:

Jörg Bernhard ist freier Journalist und hat sich in den vergangenen Jahren auf Zertifikate-, Rohstoff- und Edelmetallinvestments spezialisiert.