Die Hoffnung auf eine Beruhigung an der Handelsfront ist zum Wochenbeginn jäh zerstoben. Nachdem das oberste US-Gericht Ende letzter Woche die bisherige Zollpolitik als unzulässig eingestuft hatte, reagierte die US-Regierung mit einer massiven Eskalation: Ein weltweiter Zollsatz auf Importe von 15 Prozent soll nun die Handelsbilanz erzwingen. Diese Nachricht hat die Börsenstimmung gedreht und versetzt vor allem die exportorientierten Sektoren in Alarmbereitschaft.

Marktbeobachter sprechen bereits von einem „Zollchaos“, das Unternehmen jegliche Planungsgrundlage entzieht. Besonders hart trifft es die zyklischen Exportbranchen. Im frühen Handel mussten Technologiewerte wie SAP (-2,6 Prozent) und Industrieunternehmen herbe Verluste hinnehmen. Auch die Automobilbranche und der Chemiesektor stehen aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit vom grenzüberschreitenden Warenverkehr unter erheblichem Druck.

Im Gegensatz dazu suchen Anleger verstärkt Zuflucht in defensiven Sektoren. Versorger, Versicherungen und Telekommunikationswerte halten sich deutlich stabiler. Auch Enel sticht positiv hervor, gestützt durch eine geplante Dividendenerhöhung, was in einem volatilen Marktumfeld als sicherer Hafen gewertet wird.

Unsicherheit bei Hella und Hochtief

Auf Unternehmensebene rücken zwei Namen in den Fokus:

Hella: Der Scheinwerferhersteller enttäuschte mit seinem Umsatzausblick auf 2026. Obwohl die Zahlen des vergangenen Jahres die Erwartungen beim Umsatz übertrafen, reichten die Margenprognosen nicht aus, um die Anleger zu überzeugen. Der Kurs droht nachbörslich unter Druck zu geraten.

Hochtief: Die Aktien des Baukonzerns, die zuletzt auf Rekordjagd waren, müssen einen Rückschlag hinnehmen. Die Bank Santander hat ihre positive Anlageempfehlung gestrichen, da das neue Kursziel deutlich unter dem aktuellen Bewertungsniveau liegt.

Politische Nervosität steigt

Die politischen Rahmenbedingungen bleiben hochgradig volatil. Während EU-Regierungschefs versuchen, die Folgen der neuen 15-prozentigen Importzölle abzuschätzen, plant das EU-Parlament bereits Sondersitzungen zur rechtlichen Bewertung der US-Maßnahmen. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte im Vorfeld vor wachsenden wirtschaftlichen Risiken. Da das Notstandsgesetz der 1970er Jahre, auf das sich die USA berufen, als Basis für die neuen Zölle dient, herrscht bei Unternehmen und Investoren große Unsicherheit über die Dauer und Härte dieses Handelskonflikts.

DAX (WKN: 846900)

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