Die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien hat der rechtsnationale Politiker Jair Bolsonaro mit 55 Prozent der Stimmen klar für sich entschieden. An Herausforderungen herrscht kein Mangel. Die weltweit neuntgrößte Volkswirtschaft befindet sich in einer schweren Krise. Unternehmer- und Konsumentenvertrauen sind im Keller, 134 Millionen Menschen haben keinen Job. Brasiliens Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr gerade mal um 1,3 Prozent zunehmen. Das reicht nicht, die Probleme des Landes zu lösen. Investoren hoffen nun, dass Bolsonaro und vor allem sein designierter neoliberaler Wirtschaftsminister Paulo Guedes den Abwärtstrend stoppen, Brasilien zurück auf einen breiten Wachstumspfad führen und die Finanzlage stabilisieren können.

Petrobras mit Potenzial



Seit der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen vor drei Wochen haben brasilianische Aktien schon deutlich zugelegt. Das Momentum an der Börse in São Paulo sollte in den kommenden Wochen an Stärke gewinnen. Im Fokus der Investoren steht der von einem schweren Korruptionsskandal erschütterte staatliche Ölkonzern Petróleo Brasileiro (Petrobras). Die Aktie hat in diesem Jahr schon über 50 Prozent zugelegt, Morgan Stanley hält einen Kursanstieg von weiteren 40 Prozent für möglich.

Nach Ansicht der Schwellenländerexperten des US-Investmenthauses Neuberger Berman wird der Sieg Bolsonaros die Anleger jedoch nicht nur für Brasilien, sondern auch für die gesamte Region Lateinamerika wieder optimistischer stimmen. Mit dem Indexfonds iShares MSCI EM Latin America können Anleger auf einen Kursaufschwung wetten. 54 Prozent der Mittel entfallen auf brasilianische Titel. Dazu zählen der Rohstoffkonzern Vale, der Getränkekonzern Ambev sowie die Bank Itaú Unibanco. Mexikanische Werte wie der Telekomriese América Móvil und der Einzelhandelskonzern Walmart de Mexico sind mit knapp 28 Prozent gewichtet. Zuletzt schwankten die Kurse an der Börse in Mexiko-Stadt allerdings heftig. Während einerseits der neue Handelsvertrag mit den USA für Optimismus sorgt, wächst andererseits die Sorge vor einer Abkühlung der US-Konjunktur. Diese würde Mexiko deutlich spüren: Der nördliche Nachbar nimmt immerhin rund 80 Prozent der Exporte des Landes ab.

Welcher Trend sich an der Börse langfristig durchsetzt, entscheidet sich an Reformerfolgen des neuen mexikanischen Staatspräsidenten. Andrés Manuel López Obrador, der sein Amt am 1. Dezember übernimmt, will die wachstumshemmende Korruption sowie die Gewalt in seinem Land beenden. Auch die wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA will er reduzieren.