"Die Verlagerung von Militärausrüstung und russischen Söldnern an die Frontlinien geht weiter", sagte Militärsprecher Andrej Lysenko. Die Nato stellte ihrerseits erstmals Großmanöver mit Zehntausenden Soldaten nahe der russischen Grenze in Aussicht.

Lysenko zufolge rückten 32 Panzer, 16 Haubitzen sowie Lastwagen mit Munition und Kämpfern auf ukrainisches Gebiet vor. Die Fahrzeuge hätten schon am Donnerstag die Grenze passiert. Die Regierung in Kiew hatte am Vortag Vorwürfe der ostukrainischen Rebellen zurückgewiesen, eine neue Offensive gestartet zu haben. Ungeachtet einer vor zwei Monaten in Minsk vereinbarten Waffenruhe kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen Regierungssoldaten und Separatisten.

Militärsprecher Lysenko sagte weiter, in den vergangenen 24 Stunden seien ungeachtet der Waffenruhe bei Gefechten fünf ukrainische Soldaten getötet und 16 weitere verletzt worden. In dem Konflikt sind bislang mehr als 4000 Menschen getötet worden.

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RUSSLAND SICHERT VERTRAGSTREUE ZU

Russland sicherte unterdessen zu, sich an das Minsker Abkommen zu halten, mit dem der Konflikt entschärft werden sollte. Er müsse weitere Gespräche unter Beteiligung von Regierungskräften und Separatisten geben, sagte der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow. In der weißrussischen Hauptstadt hatten sich Vertreter der ukrainischen Regierung und der Rebellen unter anderem auf mehr Autonomie für die Ostukraine, aber auch auf die Wahrung der territorialen Einheit des Landes verständigt.

Mit Blick auf die von den Rebellen abgehaltenen Wahlen in den Separatistengebieten sagte Uschakow, Russland respektiere den Willen der dortigen Wähler. Die Regierung in Moskau habe hierbei absichtlich die Formulierung "respektieren" anstelle von "anerkennen" gebraucht. Die Wahl war sowohl von der Regierung in Kiew als auch von westlichen Staaten massiv kritisiert worden. Die Rebellen hatten bei den Abstimmungen eine politische Führung in denen von ihnen ausgerufenen Volksrepubliken Luhansk und Donezk wählen lassen.

Die russische Wirtschaft leidet massiv unter den Folgen von Sanktionen, die der Westen gegen das Land wegen dessen Rolle im Ukraine-Konflikt verhängt hat. Seit Jahresbeginn verlor der Rubel und der RTS-Börsenindex jeweils mehr als 30 Prozent am Wert. Am Freitag rutschte die Landeswährung den dritten Tag in Folge auf ein Rekordtief: Ein Dollar verteuerte sich um bis zu 3,8 Prozent auf 48,6495 Rubel. Auslöser der Kursverluste waren die mangelnden Stützungskaufe der Währungshüter.

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GROSSMANÖVER AN RUSSISCHER GRENZE?

Der für Osteuropa zuständige Nato-Befehlshaber, der deutsche General Hans-Lothar Domröse, hält massive Manöver nahe der russischen Grenze für möglich. "Wir haben bisher Großmanöver von 25.000 bis 40.000 Mann nur in den westlichen Nato-Ländern durchgeführt", sagte er der "Welt" vom Freitag. "Ich kann mir gut vorstellen, dass wir das in Zukunft auch in Osteuropa und im Baltikum machen". Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag. Von konkreten Planungen der Nato, Übungen mit bis zu 40.000 Soldaten im östlichen Bündnisgebiet zu veranstalten, sei dem Auswärtigen Amt nichts bekannt, sagte Sprecher Martin Schäfer in Berlin. Grundsätzlich könnten die Mitgliedsländer auf dem Nato-Gebiet machen, was sie für richtig hielten. Wie auf dem Nato-Gipfel besprochen, bleibe es aber dabei, dass es ein Interesse an möglichst konstruktiven und guten Beziehungen zu Russland gebe. Eine Sprecherin des Verteidigungsressorts sagte, es gebe keine konkreten Überlegungen des Ministeriums dazu.

Großmanöver der Nato an seiner Ostgrenze dürften Russland verärgern, das dem westlichen Bündnis immer wieder vorwirft, seine Einflusssphäre stetig weiter auszudehnen. Die Nato hat ihre Manöver in Osteuropa seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland bereits massiv ausgeweitet.

Reuters