Der chinesische Tech-Konzern Baidu bereitet einen Börsengang für seine Halbleiter-Tochter Kunlunxin in Hongkong vor. Kunlunxin stellt AI-Chips her und ist ein weiterer Baustein in Chinas Bestreben, sich im KI-Geschäft von US-Technologie unabhängig zu machen.
Der chinesische Internet- und KI-Konzern Baidu bereitet nach einem Bericht des US-Börsensenders CNBC den Börsengang seiner Halbleiter-Tochter Kunlunxin in Hongkong vor. Der Antrag wurde demnach vertraulich eingereicht. Zeitpunkt, Emissionsvolumen und Bewertung seien noch offen.
Kunlunxin entwickelt spezielle KI-Chips, die vor allem für Rechenzentren und das Training großer Sprachmodelle genutzt werden. Baidu setzt die Prozessoren bereits selbst ein, unter anderem für seine KI-Plattform „Ernie“. Der geplante Börsengang ist damit ein zentraler Baustein von Baidus Strategie, sich technologisch unabhängiger zu machen – insbesondere von US-Chipkonzernen wie Nvidia, deren Produkte in China nur noch eingeschränkt verfügbar sind.
Baidu behält nach dem IPO die Mehrheit
Für Baidu hat der Schritt mehrere Vorteile. Zum einen kann der Konzern den Wert der Chipsparte separat sichtbar machen, was an der Börse zu höheren Bewertungen der Baidu-Aktie führen könnte. Zum anderen verschafft ein IPO Kunlunxin frisches Kapital für Forschung, Entwicklung und den Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Dem Vernehmen nach bleibt Kunlunxin auch nach dem Börsengang mehrheitlich im Besitz von Baidu und damit strategisch eng eingebunden.
Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Der KI-Chip-Markt wächst rasant, während China massiv daran arbeitet, eigene technologische Ökosysteme aufzubauen. Hongkong gilt dabei als bevorzugter Börsenplatz für chinesische Hightech-Firmen, da er internationalen Investoren Zugang ermöglicht und regulatorisch stabiler ist als US-Börsenplätze. Es hatte dort in jüngster Zeit schon mehrere spektakuläre Börsengänge im KI-Chip-Segment gegeben: Die Aktie von MetaX Integrated Circuits gewann am ersten Handelstag 700 Prozent, Moore Threads, von Medien auch als chinesische Nvidia bezeichnet, gewann beim Börsendebüt Anfang Dezember 2025 mehr als 500 Prozent.
Am heutigen Freitag (2.1.) debütierte die Aktie des KI-Chip-Designers Shanghai Biren Technology mit einem Plus von 76 Prozent. Das Unternehmen soll das Potenzial haben, dem Quasi-Monopolisten ASML bei Lithographie-Maschinen für die Chipfertigung Konkurrenz zu machen.
Baidu, das bisher vor allem auf seine Suchmaschine sowie Software und Online-Werbung setzte, signalisiert mit dem Börsengang seiner Tochter, dass künftig auch künstliche Intelligenz und eigene Hardware eine tragende Rolle im Konzern spielen sollen. Kurzfristig könnte der Schritt Fantasie in die Baidu-Aktie bringen, langfristig hängt der Erfolg davon ab, ob Kunlunxin technologisch mit den internationalen Wettbewerbern mithalten kann.
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