Besonders hart traf es die Papiere griechischer Banken: Sie stehen am Rande des Ruins, weil die Griechen in den vergangenen Wochen und Monaten aus Furcht vor dem "Grexit" - dem Ausscheiden ihres Landes aus der Euro-Zone - ihre Konten leergeräumt hatten. Die Athener Börse war das letzte Mal vor mehr als 30 Jahren - während des Zypern-Krieges 1974 - so lange geschlossen.

Händler und Fondsmanager rechnen in den nächsten Tagen mit weiteren Verlusten, vor allem bei Finanzwerten. "Es wird ein paar Tage dauern, bis der Markt wieder ins Gleichgewicht kommt", sagte ein Börsianer in Athen. Drei der fünf im heimischen Bankenindex notierten Aktien fielen am Montag um die täglich maximal möglichen 30 Prozent.

Anschließend wurde der Handel mit diesen Papiere wieder vorübergehend ausgesetzt. "Es gibt noch nicht ausgeführte Verkaufsorders im Volumen von 100 Millionen Euro", betonte Anlageberater Theodore Mouratidis. Das Debakel dürfte sich also fortsetzen.

WIE GEHT ES WEITER?



Die Athener Regierung hatte Banken und Börse Ende Juni geschlossen, als die monatelangen Verhandlungen um die Bedingungen für weitere Finanzhilfen kurz vor dem Scheitern standen. Die drohende Pleite des Mittelmeer-Anrainers löste damals in weiten Teilen Europas ein Börsenbeben aus, das bis an die Wall Street und die Tokioter Börse zu spüren war. Dem Dax brockte es den größten Kurssturz seit dreieinhalb Jahren ein.

Mitte Juli einigte sich Griechenland mit seinen Gläubigern auf ein neues Hilfspaket und entging damit der Staatspleite um Haaresbreite. Kurz darauf öffneten die Bankschalter wieder, die Kapitalverkehrskontrollen wurden aber nur etwas gelockert und nicht aufgehoben. Außerdem können sich die griechischen Geldhäuser nur mit Hilfe von Notkrediten der Zentralbank über Wasser halten. Sie sollen mit Geldspritzen in Höhe von bis zu 25 Milliarden Euro aus dem geplanten dritten Hilfspaket wieder aufgepäppelt werden.

Laut einem Reuters-Bericht von Anfang Juli stehen mehrere griechische Banken vor dem Aus. Insidern zufolge könnten von den vier wichtigsten Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Bank of Piraeus und Alpha Bank nur zwei übrig bleiben. Diese Institute stehen zusammen mit Attica Bank für etwa ein Fünftel des gesamten Börsenwerts des Athener Aktienmarktes.

Dieser liegt nach dem Absturz am Montag bei gerade einmal 36 Milliarden Euro. Das Dax-Schwergewicht Bayer allein ist rund drei Mal so viel Wert. Seit Ausbruch der europäischen Schuldenkrise 2009 haben die 59 in Athen gelisteten Firmen rund drei Viertel ihrer Marktkapitalisierung verloren. Eine baldige Erholung ist nicht in Sicht, da die griechische Wirtschaft am Boden liegt. Das Stimmungsbarometer der griechischen Einkaufsmanager fiel im Juli um ein Drittel auf ein Rekordtief.

BESCHRÄNKUNGEN BLEIBEN



Die Wiedereröffnung der Börse Athen bedeutet nicht, dass Wertpapiere wieder nach Belieben ge- und verkauft werden können. Heimische Anleger dürfen wie der Rest der Bevölkerung maximal 60 Euro täglich von ihren Konten abheben. Käufe in beliebiger Höhe sind nur mit sogenanntem "frischen Geld" möglich, das Investoren in bar aufbewahrt haben oder aus dem Ausland erhalten. Außerdem können sie Einnahmen aus dem Verkauf von Aktien oder Anleihen sowie Dividenden zum Wiedereinstieg nutzen. Ausländer sind von diesen Einschränkungen nicht betroffen.

Für alle Aktienanleger gilt dagegen das Verbot sogenannter "Leerverkäufe", das am Montag verlängert wurde. Bei diesen Geschäften leihen sich Investoren Aktien, um diese dann zu verkaufen. Dabei hoffen sie, dass sie die Papiere bis zum Ende der Ausleihfrist billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen können.

Abseits der Finanzwerte griffen am Montag erste Anleger bei griechischen Papieren wieder zu. Papiere der Telekom -Tochter OTE halbierten ihr Kursminus und notierten am frühen Nachmittag 14 Prozent tiefer bei 7,08 Euro, nachdem sie zur Eröffnung auf bis zu 5,75 Euro gefallen waren.