Im Januar werden die Preise für Rückversicherungs-Policen neu verhandelt. Ein sich abzeichnender Preisdruck bei der Vertragserneuerungsrunde hat am Montag die Aktien der europäischen Anbieter weiter unter Druck gebracht. Die goldenen Zeiten scheinen nun vorerst vorbei.
Einer der besten Dividendenzahler im Dax steht urplötzlich unter Verkaufsdruck. Schon am ersten Handelstag des Jahres hatten die Aktien der Munich Re fast vier Prozent verloren. Am Montag büßten sie zeitweise erneut 1,5 Prozent ein, bevor sie sich zum Handelsende auf 540 Euro erholten.
Auch andere Vertreter der Rückversicherungsbranche landen auf den Verkaufszetteln. Im Schweizer SMI sanken die im neuen Jahr erstmals wieder gehandelten Papiere der Swiss Re um zwei Prozent, in Frankreich verloren Scor ein Prozent. Auch bei den in Großbritannien gehandelten, kleineren Werte Beazley und Hiscox ging es nach unten..
Wettbewerb verschärft sich wieder
"Nach der außergewöhnlich profitablen Periode von 2023 bis 2025 beschreiben die großen Rückversicherungsmakler die Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2026 als eine Phase der Abschwächung des harten Marktes", schrieben die Analysten Michael Christodoulou und Michael Huttner von Berenberg. Damit ist gemeint, dass die Zeiten, in denen Rückversicherungsschutz aufgrund der Risikobewertung knapp und teuer gewesen ist, in diesem Ausmaß ein Ende gefunden haben dürfte.
Die Versicherungskonzerne, erklärten die Berenberg-Experten weiter, verfügten über reichlich Kapital. Zugleich habe sich der Wettbewerb verschärft und die auf hohem Niveau angekommenen und nun an die Risiken angepassten Preise in den Sach- und Spezialversicherungssparten sinken. Entsprechend dürften die Rückversicherer beginnen, ihre Margen verstärkt zu verteidigen, während zugleich der Druck durch die Erstversicherer zunehme.
Auch Ivan Bokhmat von Barclays schrieb von einem deutlich zunehmenden Preisdruck bei den Erneuerungen in diesem Jahr, was zusätzliches Risiko für die Gewinn-Schätzungen erwarten lasse. "Während der Rückgang der Preise für Sachkatastrophen im niedrigen zweistelligen Bereich mit minus zwölf Prozent den Erwartungen zu entsprechen scheint, könnte sich dies mit Blick auf die breitere Abschwächung in anderen Sparten anders verhalten", schreib er in seiner Einschätzung.
Markt ist "überversorgt"
Bokhmat zufolge dürfte die künftige Rentabilität die Eigenkapitalkosten der Rückversicherer zwar weiterhin decken, doch Angebot und Nachfrage in den Jahren 2026 und 2027 müssten besser aufeinander abgestimmt werden. Zudem werde der Bestand an überschüssigem Kapital, der derzeit bei rund 50 bis 100 Milliarden US-Dollar liege - "auch weiterhin die künftigen Vertragsverlängerungen belasten, sodass der Markt bis April, Juni/Juli und bis 2027 überversorgt sein dürfte".
Nach dem herben Rückschlag infolge der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 hatte sich die europäische Versicherungsbranche bis 2023 wieder vollständig erholt. Seither ging es beständig und auch deutlich aufwärts: Bis Ende 2025 summiert sich das Kursplus auf fast 60 Prozent.
mit Material von dpa-afx
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