Wall-Street-Veteran Tom Lee hat den Beginn eines neuen Bullenmarktes ausgemacht: Demografie, KI und Blockchain könnte die Kurse bis weit in die nächste Dekade treiben.
Tom Lee, Mitgründer und Chefstratege von Fundstrat Global Advisors, gilt seit Jahren als einer der optimistischsten Stimmen an der Wall Street – und als jemand, der mit seinen mutigen Prognosen erstaunlich oft richtig lag.
Im Gespräch mit Wilfred Frost im Podcast "Master Investor" erklärte Lee gestern, warum er überzeugt ist, dass die Börsen vor einer neuen Dekade des Wachstums stehen. Demografie, technologische Umbrüche und eine solide US-Wirtschaft bilden für ihn die Grundlage eines Bullenmarkts, der bis 2035 anhalten könnte.
Demografie als Motor des Aufschwungs
Lee sieht die Kapitalmärkte als Spiegel der Generationenzyklen: „Seit 1890 hat jede Generation ihren eigenen Bullenmarkt geprägt“, sagt er. Die Babyboomer trieben die Märkte bis Ende der 1990er, Generation X bis 2018. Jetzt übernehmen Millennials und Gen Z.
„Diese Generationen stehen am Anfang ihrer Vermögensbildung, erben in den kommenden 20 Jahren Billionen an Kapital und werden dieses Geld in Aktien umschichten“, so Lee. Das Resultat: Eine strukturelle Nachfrage nach Aktien, die die Kurse noch lange stützen könnte.
Technologie als Wachstumsbeschleuniger
Neben dem demografischen Rückenwind sieht Lee die USA als Epizentrum zweier epochaler Trends: Künstliche Intelligenz und Blockchain. Beide Technologien könnten ganze Branchen transformieren, von der Finanzwirtschaft über die Industrie bis hin zum Gesundheitswesen.
„KI wird die Produktivität der Banken revolutionieren, Blockchain die Kosten radikal senken“, sagt er. Für den S&P 500 könnte das bedeuten, dass der Finanzsektor in einigen Jahren wieder 40 Prozent des Index ausmacht.
Inflationssorgen und Zinsängste relativiert
Während viele Investoren weiterhin von Inflations- und Rezessionssorgen geprägt sind, sieht Lee darin eher Chancen. „Skepsis ist der Treibstoff eines Bullenmarkts“, erklärt er. Auch steigende Zinsen müssten nicht zwingend ein Problem sein: „Zwischen zwei und sechs Prozent Zinsniveau sind historisch oft mit steigenden Bewertungen einhergegangen, weil Unternehmen in diesem Umfeld ihre Kapitalkosten übertreffen können.“
Erst wenn Renditen deutlich über sechs Prozent steigen würden oder es zu einem politischen Schock komme – etwa durch eine abrupt restriktive Fed-Politik –, würde er einen Bruch des Aufwärtstrends erwarten.
Palantir, JPMorgan und der Granny Shots-ETF
Mit dem von Fundstrat aufgelegten Granny Shots-ETF, der mittlerweile mehr als 2,4 Milliarden Dollar verwaltet, bündelt Lee jene Aktien, die seiner Meinung nach die strukturellen Wachstumstreiber des S&P 500 sind – von Nvidia über Microsoft bis Palantir und JPMorgan.
Besonders Palantir begeistert Lee: „Das Unternehmen ist wie eine Mischung aus McKinsey und einer High-End-Softwarefirma. Es transformiert Geschäftsmodelle tiefgreifend – und das Potenzial wird vom Markt noch unterschätzt.“ Auch Banken wie JPMorgan seien Gewinner: „Sie sind nach der Finanzkrise extrem effizient geworden. KI und Blockchain werden ihre Profitabilität weiter steigern – auch wenn sie weniger Mitarbeiter brauchen.“
Warnsignale für einen Top und Rat für Anleger
Trotz seines Optimismus kennt Lee die Warnzeichen, die auf ein Ende des Bullenmarkts hindeuten würden. „Ein externer Schock, eine restriktive Fed oder ein Überschießen der Spekulation – das sind die klassischen Vorboten.“ Doch aktuell sieht er davon nichts: „Es gibt noch zu viel Skepsis. Die Margin Debt ist moderat, die Investoren sind vorsichtig – das ist kein Umfeld für ein Top.“
Für Investoren hat Lee einen simplen, aber entscheidenden Tipp: „Kauft keine Märkte, kauft Unternehmen. Wenn ihr wirklich versteht, warum Tesla, Palantir oder Apple langfristig erfolgreich sein können, habt ihr die Überzeugung, durch schwierige Phasen durchzuhalten.“ Wer so investiert, profitiert nicht nur von Kursgewinnen, sondern baut auch das emotionale Fundament für langfristigen Erfolg.
Für Lee steht also fest: Der US-Markt steht erst am Anfang eines neuen, mehrjährigen Aufschwungs. Getrieben von jungen Generationen, technologischem Fortschritt und einer global dominanten US-Wirtschaft könnte der S&P 500 in den kommenden zehn Jahren neue Dimensionen erreichen – sofern keine massiven politischen oder makroökonomischen Schocks dazwischenfunken. „2035 klingt weit weg“, sagt Lee. „Aber wir stehen gerade erst am Anfang.“
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