Der Einkehrschwung gilt gemeinhin als alpenländische Spezialität des Skisports. Dass Hüttengaudi aber nicht nur rustikal funktioniert, lässt sich in der weltweit führenden Servicenation USA lernen: In Beano’s Cabin etwa werden dem Skifahrer nach dem Einkehrschwung nicht nur hauseigene Pantoffeln gereicht, sondern auch eine Speisekarte, auf der sich Ossobuco vom Elch oder Steak Tartare vom Wagyu-Rind findet. Gleichfalls kaum Wünsche offen lässt die Weinkarte. Es speist sich - auf Vorbestellung, versteht sich - höchst gediegen ganz in der Nähe der Pisten der alpinen Ski-WM 2015.

Die findet vom 2. bis 15. Februar in Vail und Beaver Creak statt. Irgendetwas muss dran sein an den beiden benachbarten Orten in den Rocky Mountains, schließlich trägt der internationale Skizirkus nach 1989 - die Älteren erinnern sich noch an den Überraschungsgewinner in der Abfahrt, Hans-Jörg Tauscher - und 1999 hier schon zum dritten Mal seine Weltmeisterschaften aus. Irgendetwas muss auch dran sein an der Company, die die Geschicke in den beiden Nobelorten und in einigen anderen großen Skizentren der USA führt. Die Aktie von Vail Resorts jedenfalls ist seit geraumer Zeit auf einer bemerkenswerten Bergfahrt.



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Mehr als gefrorenes Wasser

Einer der Gründe dafür ist der legendäre Champagne Powder, jener fluffig leichte Pulverschnee, der so typisch ist für die Rocky Mountains. Dessen Geheimnis sind die im Westen des Gebirges vorgelagerten Wüsten: Den Schneewolken wird Feuchtigkeit entzogen, bevor sie sich in den Rockys entladen können. Der Effekt für Skifahrer oder Snowboarder ist, dass jeder Schwung ein nur minimal kraftaufwendiges Vergnügen darstellt - anders als in den Alpen. Zunehmend zieht das auch Urlauber aus Europa an. Aber der Schnee ist es beileibe nicht allein. Vail, Heimat der WM-Favoritin Lindsey Vonn, gilt als Nummer 1 der amerikanischen Skigebiete. Der nach österreichischem Vorbild in den 60er-Jahren entstandene Retortenort 200 Kilometer westlich von Denver bietet vor allem nahezu grenzenloses Skivergnügen.

Während man in Europa gern Pistenkilometer und Liftanlagen addiert, macht dies in Vail keinen Sinn, so gigantisch sind die Ausmaße. Allein 193 präparierte Abfahrten jeglicher Couleur stehen zur Verfügung, dazu noch die Back Bowls, ein elf Kilometer breites Terrain für die Freunde staubenden Tiefschnees. Das 20 Minuten entfernte Beaver Creak wiederum macht alles zwar eine Nummer kleiner, zählt aber in Sachen Hotellerie zu den absoluten Nobelorten. Vail Resorts konzentriert sich seit Jahren aber nicht mehr ausschließlich auf diese beiden Skigebiete, sondern kauft seit dem Börsengang 1997 kräftig zu. Von Mount Brighton im östlichen Bundesstaat Michigan bis zum Lake Tahoe in Kalifornien reicht mittlerweile das Skireich des Unternehmens. Zwölf Resorts umfasst es, in denen nicht nur Liftanlagen betrieben und ständig erweitert werden. Daneben unterhält Vail Resorts auch etliche Restaurants, Hotels der Luxuskategorie - unter anderem das legendäre Half Moon Bay auf Jamaica - und hat daneben die dazugehörige Landentwicklung auf dem Plan.

Das macht die Aktie zu einem Wachstumswert, was auch das durchaus anspruchsvolle Kurs-Gewinn-Verhältnis demonstriert. Doch bislang wird sie den Erwartungen der Börsianer gerecht.

Ein Ebitda-Ergebnis von 268,8 Millionen US-Dollar ist für das Fiskaljahr 2014 (bis 31. Juli) angefallen. Das sind 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr, eine nicht ungewöhnliche Wachstumsrate für die Ski-Company. Schließlich ist sie ein klassischer Profiteur der Konjunkturerholung in den USA - und eine Wette darauf, dass diese sich fortsetzt. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es selten mehr als zwei Wochen bezahlten Jahresurlaub. In die investiert der durchschnittliche US-Urlauber aber auch gern. Und spülte so 28,5 Millionen Dollar Nettogewinn für 2014 in die Kassen von Vail Resorts.

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Abgesehen von der bei vielen US-Aktien üblichen kleinen Dividendenausschüttung hat das Unternehmen dieses Geld schon verplant. Mehr als 50 Millionen Dollar investiert es in die beiden jüngst akquirierten Resorts Park City und Canyons in Utah, um aus ihnen im nächsten Winter das größte Skigebiet der USA zu machen.

Vorerst aber geht es um diesen Winter. Im ersten Quartal des Fiskaljahres 2015 machte Vail Resorts 70,5 Millionen Dollar Verlust, was CEO Rob Katz nicht im Geringsten beunruhigt: "Im ersten Quartal haben wir bislang immer Verluste geschrieben, weil auf unseren Bergen jahreszeitlich bedingt natürlich kein Skibetrieb stattfindet und das Geschäft im Sommer deutlich geringer als das im Winter ist." Katz kündigt für 2015 einen Sprung des Ebitda auf 340 bis 360 Millionen Dollar an. Ein Grund für den Optimismus ist der Zukauf der Skigebiete in Utah, ein anderer die Aussichten auf blendende Geschäfte: Die Zahl der im Vorfeld der Wintersaison verkauften Skipässe stieg um 14 Prozent zum Vorjahr.

Ach ja, und dann wäre da noch etwas, auf das Wintersportler argwöhnisch achten - der Schneefall. Während hierzulande Liftbesitzer sehnsüchtig aufs Weiß warten, konnten die Kollegen in den Rocky Mountains schon im November Rekordschneefälle vermelden. Bei der WM dürfte sich Vail der Welt also in Bestform präsentieren können.