Der EU-Mercosur-Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern. Dennoch sollte vor allem Brasilien auf lange Sicht profitieren. Real-Anleihen mit mehr als zehn Prozent Rendite sind verlockend

Nach über 25 Jahren zähem Ringen schien es tatsächlich vollbracht: Am 17. Januar haben die Europäische Union und die Mercosur-Staaten — Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay — ein Partnerschafts- sowie Interims-Handels­abkommen unterzeichnet. Damit war der Weg zur größten Freihandelszone der Welt mit über 700 Millionen Menschen eigentlich geebnet. Das Europäische Parlament hat jedoch beschlossen, den Deal zunächst dem Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) zur Prüfung vorzulegen. Damit verzögert sich die Ratifizierung auf unbestimmte Zeit. Doch es gibt eventuell eine Hintertür: Unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz plädiert für eine „vorläufige Anwendung“ des Abkommens.

Gelingt dies, dann lautet die zentrale Frage: Wer profitiert wohl am stärksten? Die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, von Analysten und die Presseschau sprechen eine deutliche Sprache. Brasilien ist nicht nur die größte Volkswirtschaft des Mercosur, sondern schon jetzt der Dreh- und Angelpunkt im Handel mit der EU. Rund 80 Prozent des Austauschs zwischen EU und Mercosur entfallen auf Brasilien. Laut den Analysen winkt Brasilien infolge des Abkommens ein BIP-Plus von rund 0,46 Prozentpunkten — das größte Plus unter allen Mercosur-Staaten, in absoluten Zahlen jährlich mehrere Milliarden US-Dollar.

Stabile Landeswährung

Das Freihandelswerk, so es denn kommt, ist also durchaus ein historischer Schritt für regelbasierten Handel — und ein Signal Richtung China und USA, dass man auf offene Märkte und Zusammen­arbeit setzt. Naturgemäß wäre da auch ein Investment in Brasilien eine Überlegung wert, zumal die brasilianische Währung, der Real, vom Abkommen wirtschaftlich profitieren — oder wenigstens stabil bleiben — sollte wie im vergangenen Jahr, als er gegenüber dem Euro auffällig ­wenig schwankte; die Wechselkursbewegungen lagen in einem sehr engen Korridor. Gerade für Zins- und Anleiheinvestoren ist das ein wichtiger Aspekt, denn Währungsrisiken bleiben dadurch kalkulierbar.

Wer indes etwa bei der Börse Stuttgart nach brasilianischen Anleihen sucht, erlebt eine Überraschung: Aktuell sind dort zwar 28 Anleihen in der Landeswährung Real gelistet, allerdings ist nur eine davon von der Republik Brasilien selbst begeben (WKN: A0LM2Z). Sie bringt eine Rendite von über zehn Prozent, die Eintrittshürde ist jedoch hoch: Die Mindeststückelung beträgt 250 000 Real, also etwa 40 000 Euro, was für die meisten Privatanleger schlicht zu hoch ist.

Supranationale Emittenten

Wer mit deutlich kleinerem Budget unterwegs ist, muss auf ­andere Emittenten ausweichen. Von den übrigen Anleihen sind 14 mit einer Mindestanlagesumme von 5000 Real (800 Euro) gut handelbar. Herausgegeben werden sie nicht von Unternehmen oder dem brasilianischen Staat, sondern von supranationalen Organisationen: Dazu zählen die Europäische Investitionsbank (EIB), die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) oder die International Bank for Reconstruction and Development (IBRD). Für deutsche Anleger ist das kein Nachteil, denn diese Institute verfügen in aller Regel über beste Bonitätsnoten und gelten als „staatsnah“ mit geringem Ausfallrisiko.

Zu beachten ist allerdings unbe­dingt die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs der Anleihen (Spread), die bei weniger liquiden Papieren durchaus recht hoch ausfallen kann. Gut handelbar mit ­engem Spread ist indes die Real-Anleihe der International Bank for Reconstruction and Development mit Laufzeit bis Anfang 2029 und einem Kupon von 9,5 Prozent (Details siehe Kasten unten). Bei dieser Anleihe passen die Usancen.

Anleihe_S104_02
BO Data/small charts

Lieber bei heimischen Banken Geld anlegen?

Im Tagesgeld-Vergleich von BÖRSE ONLINE bekommen Sie bis zu drei Prozent Zinsen - garantiert für sechs Monate. 

Dieser Text sammt aus der aktuellen Ausgabe von BÖRSE ONLINE

Sie wollen schon mittwochs die neuesten Aktien-Tipps erhalten? Dann abonnieren Sie BÖRSE ONLINE als E-Paper. Hier Probe-Abo für 3 Ausgaben abschließen.