Während sich die Börsen stabilisieren, fällt der Dollar gegenüber dem Euro auf immer neue Tiefstände. Für europäische Aktien war das oft ein gutes Zeichen, sagt der Vermögensverwalter Reinhard Panse. Das sind seine Argumente.

Erst kam der Sell-off bei Silber, Gold und Softwareaktien – und jetzt fällt der Dollar. Zunächst schien es, als würde die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank Fed die Börsianer beruhigen: Anders als andere zuvor gehandelte Kandidaten steht Warsh eher nicht für eine lockere Geldpolitik und sinkende Zinsen. Deshalb stieg auch der Kurs des US-Dollar zum Euro und Yen zunächst an. Der Dollar, der Ende Januar schon einmal bei 1,2070 Dollar je Euro notiert hatte, stieg vergangene Woche wieder, so dass für einen Euro wieder weniger als 1,18 Dollar gezahlt werden mussten (höhere Preise bedeuten, dass mehr Dollar für einen Euro benötigt werden müssen – also eine Dollar-Schwäche).

Doch eine Woche später hat der Devisenmarkt erneut gedreht: Geradezu schlagartig fiel der Dollar von Sonntag auf Montag von 1,1815 auf 1,1925 Dollar je Euro. Ein Unterschied von mehr als einem Cent – das sind im Devisenmarkt Welten. Für Anleger bedeutet der schwächere Dollar auch, dass Teile ihres Vermögens, die im Dollarraum angelegt sind, nun weniger wert sind: sei es Gold, Silber oder US-Aktien. Auch Besitzer eines ETFs auf den MSCI World Index merken das, weil Anlagen in US-Dollar dort aktuell rund 70 Prozent ausmachen.

USD/EUR (WKN: 966641)

„Wenn der Dollar schwach ist, performen europäische Aktien besser“

Ist ein schwacher US-Dollar also schlecht für deutsche Anleger? Nein, sagt der Frankfurter Vermögensverwalter Reinhard Panse. In einem Interview mit dem Youtube Kanal von BÖRSE ONLINE räumt Panse mit einem weitverbreiteten Narrativ auf: Immer wieder behaupteten Börsianer, dass ein starker Dollar der deutschen Wirtschaft schade, weil deutsche Exporte dann für US-Kunden teurer würden, was auf die Nachfrage drücke. Das stimme zwar, doch aus Anlegersicht sei ein anderer Effekt viel maßgeblicher, sagt Panse:

„In Wahrheit ist es so, dass wenn der Dollar fällt, dann auch Amerikaner in Europa und in Schwellenländer investieren. Die Korrelation zwischen der Wechselkursentwicklung des Dollars und der relativen Performance amerikanischer zu europäischer Aktien ist ausgesprochen hoch. Und zwar seit den 60er Jahren.“ Es sei immer wieder zu beobachten gewesen: „Wenn der Dollar schwach wird, dann performen europäische Aktien besser und umgekehrt. Einfach, weil die amerikanischen Investoren mit ihren riesigen Geldtöpfen dann auch mal Geld über die Grenzen schieben“, erklärt Panse. „Und die europäische Märkte sind ja winzige Veranstaltungen im Vergleich zur Wall Street. Wenn da mal ein paar Prozent von der Wall Street nach Europa geschoben werden, dann gehen hier die Kurse durch die Decke.“

Hier das komplette Interview mit Reinhard Panse ansehen

Erste Anzeichen für Umschichtungen

Tatsächlich war dieser Effekt am Montag bereits ein bisschen zu beobachten: Der Dax stieg bis 17.45 Uhr um mehr als ein Prozent an, der EuroStoxx 50 folgte ihm, während der Dow Jones Index in New York nahezu unverändert notierte und der S&P 500 lediglich 0,5 Prozent voran krabbelte.

Das Ganze wurde begleitet von steigenden Renditen auf 30-jährige US-Staatsanleihen, weil deren Kurse sanken. Eine Erklärung dafür könnte eine Anweisung der People’s Bank of China an die dortigen Banken sein, sich von US-Staatsanleihen zu trennen, um übermäßige Klumpenrisiken abzubauen, wie es hieß. China hat seien Bestand an US-Staatsanleihen in den vergangen zehn Jahren nahezu halbiert. Dennoch hält das Reich der Mitte noch 682,6 Milliarden US-Dollar und ist damit einer größten Gläubiger der USA. Sollten die Chinesen tatsächlich damit beginnen, ihre Anleihen in großem Stil zu verkaufen, bekämen die USA ein ernstes Problem mit ihrem Staatshaushalt. Schon 2025 war die Zinslast im US-Bundeshaushalt erstmal über die Marke von einer Billion Dollar gestiegen. Und politische Prestige-Projekte von US-Präsident Donald Trump – allen voran die „Big Beautiful Bill“ – werden weitere Schulden nötig machen.

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