Die Menschen in Deutschland sollen für ihre Altersvorsorge stärker an der Börse investieren – nun wird es dafür wohl sogar zwei unterschiedliche Stoßrichtungen geben. Wird das die traditionell börsenskeptischen Deutschen überfordern?

Regierung beschließt Alersvorsorgepüot - und plant außerdem Kapitalrente

Das deutsche Rentensystem muss dringend reformiert werden – und die Regierung hat sich viel vorgenommen: Kürzlich wurde ein neues Altersvorsorgedepot beschlossen, um die unbeliebte Riester-Rente als private, staatlich geförderte Altersvorsorge abzulösen. Dieses soll es den Menschen in Deutschland ermöglichen, relativ unkompliziert mit staatlichen Zulagen in ETFs und Fonds fürs Alter zu investieren.

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Nun kommt auf Vorschlag der Rentenkommission noch die Kapitalrente hinzu. Diese ist allerdings ganz anders konzipiert: Demnach sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusätzlich zu den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung bis zu zwei Prozent (zum Start: 0,5 Prozent) wohl in den deutschen Staatsfonds oder auch weitere Fonds einzahlen – mit dem Ziel, das Rentenniveau zu stabilisieren oder sogar zu verbessern. Vorbild der Kapitalrente ist das Rentenmodell in Schweden.

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Wird die Kapitalrente zur ungewollten Konkurrenz zum Altersvorsorgedepot?

Zahlreiche Experten fordern schon lange eine kapitalgestützte Rente – etwa Silke Übelmesser, Professorin für Finanzwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (und Mitglied der Rentenkommission), oder die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Doch es gibt auch Kritik – hauptsächlich von Gewerkschaften und Arbeitgebern, die höhere Abgaben vom Gehalt ablehnen.

Ein weiterer, bislang kaum diskutierter Punkt: Die Kapitalrente könnte – ohne dass dies beabsichtigt wäre – zur ungewollten Konkurrenz des Altersvorsorgedepots werden. Denn mit der Kapitalrente sind alle Arbeitnehmer über ihren Lohn bereits am Kapitalmarkt investiert, haben dadurch weniger netto vom brutto und könnten so an anderen Ecken sparen - beispielsweise an der privaten Vorsorge. 

Dabei ist gerade das gefährlich: Viele Menschen in Deutschland legen ohnehin nicht ausreichend Geld zurück. Einer aktuellen Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen zufolge sorgen nur 60 Prozent der Menschen in Deutschland privat für das Alter vor. Eine klare, verständliche Kommunikation darüber, dass eine zusätzliche private Vorsorge nach wie vor unverzichtbar ist, wäre daher essenziell.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen dem Altersvorsorgedepot und der Kapitalrente? 

Das Altersvorsorgedepot ersetzt die Riester-Rente und ist eine freiwillige, staatlich geförderte Privatvorsorge, bei der Bürger eigenständig in ETFs und Fonds investieren. Die Kapitalrente hingegen ist ein verpflichtender Bestandteil des gesetzlichen Rentensystems: Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen gemeinsam in einen Fonds ein, um das allgemeine Rentenniveau zu stabilisieren.

Warum orientiert sich die deutsche Kapitalrente am schwedischen Modell? 

Schweden gilt international als Vorzeigebeispiel für ein nachhaltiges Rentensystem, das staatliche Umlage- und kapitalgedeckte Elemente kombiniert. Bei der kapitalgedeckten Säule investieren die Schweden 2,5 Prozent ihres Einkommens in einen selbst ausgesuchten Fonds oder den schwedischen Staatsfonds. Dieser hat in den vergangenen Jahren durchschnittlich eine knapp zweistellige Rendite abgeworfen. Natürlich bleibt aber trotzdem das Risiko, dass die Kurse an der Börse fallen. 

Könnte die Kapitalrente dazu führen, dass Menschen weniger privat vorsorgen? 

Das ist die Sorge. Wer automatisch einen Teil seines Gehalts in die Kapitalrente einzahlt, könnte das als ausreichende Beteiligung am Kapitalmarkt werten und auf zusätzliche private Vorsorge verzichten. Da viele Deutsche ohnehin zu wenig fürs Alter sparen, wäre eine klare politische Kommunikation entscheidend, um dies zu vermeiden.

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