Elon Musk bündelt seine Beteiligungen: Die Weltraumtochter SpaceX, die dieses Jahr an die Börse gehen wird, übernimmt den KI-Newcomer xAI. Doch die Bewertungen, die dabei unterstellt werden, werfen Fragen auf.

Elon Musk treibt seine Vision eines integrierten Technologie-Imperiums voran. Die Taktik, die der Tesla-Gründer dabei anwendet, erinnert jedoch ein bisschen an die eine Hütchenspielers: Mal lässt Musk kleinere Aktivitäten von größeren schucken, so wie 2016, als Tesla den Solaranlagen-Bauer SolarCity aus dem Besitz von Musk übernahm. Ein anderes Mal leitet der Großaktionär Warenströme einfach um, wie etwa Nvidia-Chips, die Tesla ergattert hatte, die aber nach Ansicht von Musk bei seinem Startup xAI viel besser aufgehoben waren. Am Ende solcher Transaktionsketten wissen selbst geübte Beobachter oft nicht mehr, wo das Geld am Ende gelandet ist. Im Zweifel bei Elon Musk.

Interessant an diesen Aktivitäten ist vor allem, welche Werte den Übernahmeobjekten dabei zugemessen werden. Schon im Fall SolarCity war eine Debatte um einen überhöhten Kaufpreis entbrannt, die der Großaktionär jedoch mit seiner damaligen Stimmenmehrheit abbügelte. Als sich der 2,5 Milliarden Dollar-Deal später zwar für Musk, nicht aber für Tesla, auszahlte, zogen Tesla-Aktionäre sogar gegen ihn vor Gericht.

Billionen-Bewertung für SpaceX

Jetzt probiert es der reichste Mensch der Welt wieder. Diesmal soll seine Weltraum-Gründung SpaceX das KI-Projekt xAI kaufen. Die Transaktion hat SpaceX am Dienstag offiziell verkündet. Spannend daran: SpaceX zahlt in Aktien – und dadurch steigt Musks Anteil an dem Raumfahrtunternehmen just in dem Jahr, in dem sich SpaceX für den Börsengang rüstet. Und Musk wäre nicht Musk, wenn er die Gelegenheit nicht nutzen würde, den künftigen SpaceX-Investoren gleich mal eine Marktwert-Hausnummer einzuhämmern: In der Transaktion wird SpaceX mit einer Billion US-Dollar bewertet und xAI - zu dessen Universum übrigens auch der Messaging-Dienst "X" alias Twitter gehört - mit 250 Milliarden. Mit einem Unternehmenswert von insgesamt 1,25 Billionen Dollar Damit gehört das Raumfahrtunternehmen zu den wertvollsten nicht börsennotierten Firmen der Welt.

Ziel sei es, die „ehrgeizigste, vertikal integrierte Innovationsmaschine auf und außerhalb der Erde“ zu schaffen – mit KI, Raketen, Satelliteninternet und Kommunikationsdiensten.

xAI verbrennt eine Milliarde Dollar pro Monat

Für Musk hat die Fusion noch einen Vorteil: Aufbau und Betrieb von KI-Rechenzentren verschlingen enorme Summen. xAI verbrennt nach Recherchen der Nachrichtenagentur Bloomberg rund eine Milliarde Dollar pro Monat. Durch den Zusammenschluss kann die KI-Firma nun theoretisch direkt auf die finanziellen Ressourcen, Talente und Rechenleistung von SpaceX zugreifen – und Musk muss sie nicht mehr aus der Privatschatulle finanzieren.

Verkauft wird die Fusion der beiden Partner, die nicht zwingend zueinander gehören, natürlich anders: Musk entfaltet eine Vision von Rechenzentren im All. Im Weltraum, wo Sonnenenergie im Überfluss vorhanfen ist, sollen KI-Berechnungen in zwei bis drei Jahren günstigster möglich sein als auf der Erde. Mithilfe der Starship-Rakete will SpaceX die Technik in die Umlaufbahn bringen. Berichten zufolge plant SpaceX, die Genehmigung für bis zu eine Million weitere Satelliten zu beantragen.

Ganz weit hergeholt ist das Thema nicht. Auch Google soll Pläne für KI-Rechenzentren im All haben. Solange die dafür nötigen Nvidia-Chips aber noch mehrere Milliarden wert sind, dürfte das Risiko des Totalverlusts bei einem Raketenfehlstart noch zu groß sein.

Mehr Cashflow aus Starlink als aus Satellitenstarts

Bereits heute ist SpaceX ein unverzichtbarer Partner für die US-Weltraumorganisation NASA. Das Unternehmen transportiert Astronauten zur ISS und startet regelmäßig Satelliten für NASA und Verteidigungsministerium. Zudem wächst das hauseigene Satellitennetzwerk Starlink rasant. Es betreibt bereits mehr als 9000 Telekommunikations-Satelliten, die Abo-Gebühren der Kunden für ihre Datenpakete sollen die Einnahmen aus klassischen Raketenstarts bereits übersteigen. Geld, das nun nach Musks Idee in den Ausbau von xAI fließen könnte. Dieses Unternehmen entwickelt unter anderem den Chatbot Grok, der in Konkurrenz zu ChatGPT von OpenAI, Google Gemini oder Claude von Anthropic steht.

Größter Börsengang aller Zeiten

Aber passt das alles wirklich zusammen? Aus Sicht von Musk schon. Ob das auch die potenziellen Investoren in SpaceX so sehen, wird sich spätestens beim Börsengang zeigen. Dort sollen Berichten zufolge 50 Milliarden Dollar frisches Kapital generiert werden. Es wäre einer der größten Börsengänge aller Zeien. Doch wenn die Bewertung von einer Billion Dollar auch der Bewertung der Investoren standhält, müsste Musk dafür nur einen Bruchteil seines Einflusses auf SpaceX abgeben.


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