Die Schufa stellt ihr Bewertungssystem um: Es wird transparenter, aber nicht automatisch fairer. Ein einheitlicher Score, neue Kriterien und überraschende Nachteile auch für Gutverdiener: Worauf Verbraucher jetzt unbedingt achten sollten.
Ab dem 17. März 2026 stellt die Auskunftei Schufa ihren Score um – und macht ihn erstmals öffentlich. Das gibt Verbrauchern zumindest etwas mehr Durchblick als bisher: Ab sofort gilt ein einheitlicher Score statt vieler Teil-Scores. Und die Schufa misst die Bonität der Konsumenten künftig in Punkten statt Prozent. Wichtigste Änderung: Statt eines geheimen Rezepts aus über 100 Faktoren, um die sich seit Jahrzehnten viele Mythen rankten, gibt es jetzt ganz einfach zwölf Kriterien, die jeder Verbraucher nachvollziehen kann.
Wer allerdings denkt, damit sei die Blackbox der Schufa Geschichte, wird enttäuscht: Denn einige Mechanismen bleiben. Und manche davon treffen sogar Menschen, die finanziell solide dastehen, aber „untypisch“ leben: Sie ziehen häufiger um als andere, vergleichen Kreditangebote genau oder kaufen überdurchschnittlich viel online.
Die wichtigsten Änderungen
1. Nur noch ein Score statt mehrerer Branchenscores
Bisher gab es neben dem allgemeinen Score mehrere Branchen-Scores (unter anderem für Banken, Telekommunikation, Handel). Künftig wird ein zentraler Schufa-Score maßgeblich sein. Die sechs Branchenscores gehen darin auf.
2. Eine Punkteskala von 100 bis 999
Statt eines Prozentwerts nutzt die Schufa künftig eine Skala von 100 bis 999 Punkten: Je höher der Wert, desto besser. Ähnlich wie in der Schule ordnet die Schufa den Wert in vier Gruppen ein – von „ausreichend“ bis „hervorragend“ – damit die Verbraucher schneller einschätzen können, ob und wie kritisch ihr Wert ist.
3. Zwölf Kriterien statt „hunderter Merkmale“
Der neue Score beruht auf zwölf klar benannten Kriterien. Bisher ging es um eine eher schwer nachvollziehbare Menge von Merkmalen. Durch die Nennung konkreter Kriterien sollen Verbraucher leichter verstehen, welche Informationen in die Bewertung einfließen. Wichtige Beispiele sind zum Beispiel das Datum des ältesten noch laufenden Bankvertrags, wie lange Sie an Ihrer aktuellen Adresse wohnen, laufende Ratenkredite, jüngste Anfragen oder Anträge für Girokonten oder Kreditkarten und ob es Zahlungsstörungen gibt. Zu letzteren zählen etwa unbezahlte Rechnungen oder gemeldete Mahnverfahren. Wichtig: Einträge über Zahlungsverzüge werden nach 18 Monaten gelöscht, vorausgesetzt, die offene Rechnung wurde innerhalb von 100 Tagen beglichen und es kommen keine weiteren negativen Einträge hinzu.
Der Score bleibt eine Art Türsteher
Doch so sehr die Schufa das neue Modell als transparent anpreist: In der Praxis kann der Score bei vielen Alltagsgeschäften weiterhin entscheidend sein – insbesondere bei Krediten, bei der Wohnungssuche oder beim Abschluss von Mobilfunkverträgen.
Die Verbraucherzentrale NRW betont, dass der Score gerade in „Massegeschäften“ wie dem Onlinehandel faktisch oft die maßgebliche Rolle spielt; auch wenn Unternehmen die Bedeutung gerne herunterspielen und von „einem von mehreren Kriterien“ sprechen.
Warum ändert die Schufa überhaupt den Score?
Der Schritt zu mehr Transparenz kommt nicht freiwillig: Tatsächlich wurde die Schufa durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu mehr Nachvollziehbarkeit gedrängt. (Urteile vom 07.12.2023, Rs. C 634/21, und vom 27.02.2025, Rs. C 203/22). Die Richter bemängelten, dass sich Auskunfteien nicht dauerhaft hinter „Geschäftsgeheimnissen“ verstecken können, wenn Verbraucher nachvollziehen wollen, wie ihre Bonitäts-Bewertungen zustande kommen. Deshalb muss ab sofort offengelegt werden, wie der Score zustande kommt.
Böse Überraschung für Besserverdiener: Einkommen schützt nicht automatisch
Wichtig zu wissen. Der Schufa-Score misst nicht, wie viel Sie verdienen, sondern wie die Schufa Ihr Ausfallrisiko anhand der gespeicherten Daten einschätzt. Das ist ein entscheidender Punkt: Wer ein überdurchschnittliches Einkommen hat, kann trotzdem Abzüge beim Score kassieren – nicht aus „Geldmangel“, sondern weil seine Verhaltens- und Lebensmuster statistisch als riskanter gewertet werden als im Durchschnitt der Bevölkerung.
Typische „Gutverdiener-Fallen“ im neuen System
Die Verbraucherzentrale NRW kritisiert, dass auch im neuen Modell bestimmte Gruppen Nachteile haben. Mit Abzügen belegt werden:
• Häufige Umzüge: Wer berufsbedingt öfter den Wohnort wechselt, wird von der Schufa oft schlechter eingestuft – selbst bei tadellosem Zahlungsverhalten.
• Viel vergleichen, oft wechseln: Wer Anbieter und Konditionen regelmäßig optimiert und Strom-, Versicherungs- oder Kreditkartenverträge wechselt, riskiert eher Punktabzüge, weil er mehr Abfragen bei der Schufa generiert.
• Kauf auf Rechnung und „Buy now, pay later“-Angebote: Bonitätsabfragen im Bestellprozess können nach Angaben der Verbraucherzentrale zu unerwünschten Effekten führen, wenn solche Abfragen negativ in die Bewertung einfließen.
Kurz gesagt: Ein „finanziell starker“ Lebensstil ist nicht automatisch ein „scorefreundlicher“ Lebensstil.
Ändert sich mein Score jetzt drastisch?
Eher selten. Nach eigenen Angaben erwartet die Schufa für die meisten Verbraucher nur geringe Verschiebungen: 83 Prozent werden in ihrer Gruppe bleiben, rund neun Prozent dürften sich verbessern und etwa acht Prozent sich verschlechtern.
So prüfen Sie Ihre Daten - kostenlos
Die Verbraucherzentrale NRW rät Verbrauchern dazu die von ihnen bei der Schufa gespeicherten Daten regelmäßig zu prüfen, weil fehlerhafte oder veraltete Einträge den Score verfälschen können. Aber Achtung: Im Internet tummeln sich unzählige Seiten, die Ihnen diesen Score gegen Geld besorgen wollen. Tatsächlich ist die Abfrage aber einmal im Jahr für jeden Bürger kostenlos. Und sie funktioniert sogar ohne Registrierung für eine Schufa-ID.
So fordern Sie eine kostenlose Auskunft an
Bei der Schufa heißt das Formular „Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO“. Die Adresse lautet: https://www.meineschufa.de/dakobs/
Dort geben Sie ein:
- Ihren Namen (so wie er im Pass steht also inklusive weiterer Vornamen);
- Ihren Geburtsnamen;
- Ihre Adresse;
- ob Sie in den letzten 4 Wochen umgezogen sind;
- Ihr Geburtsdatum.
Falsche Einträge berichtigen lassen
Unrichtige oder unzulässig gespeicherte Daten muss die Schufa unentgeltlich berichtigen oder löschen, beziehungsweise einschränken. Die Verbraucherzentrale empfiehlt dazu ein formloses Schreiben, in dem Sie die Fehler auflisten und, wenn möglich, belegen. Anspruch auf Korrektur besteht oft nicht nur gegen die Auskunftei, sondern auch gegenüber dem meldenden Unternehmen.
Wenn ein Vertragsabschluss scheitert: nachfragen
Wenn Ihnen ein Vertrag verweigert wird oder Konditionen schlechter ausfallen als sie ursprünglich zugesagt waren, können Sie beim Anbieter erfragen, ob ein Schufa-Scoring dafür maßgeblich war – und dann detailliertere Informationen verlangen. Die Verbraucherzentrale hat dafür einen Musterbrief erstellt.
Checkliste: So behalten Sie die Kontrolle über Ihren Schufa-Score
• Einmal im Jahr DSGVO-Datenkopie ziehen und Einträge prüfen (besonders nach Umzug, Ablösung eines Kredits, Kontowechsel).
• Fehler sofort korrigieren, nicht „irgendwann“. Denn bis zur Bereinigung können Ablehnungen drohen.
• Bei vielen Vertrags- oder Kontoaktionen das Timing beachten: Häufige Anfragen sind ein klassisches Schufa- Kriterium. Wer parallel sehr viele Verträge optimiert und mehrere Anträge gleichzeitig stellt, sollte sich bewusst sein, dass diese Aktivitäten ein Signal bei der Schufa auslösen können.
• Nicht vom Einkommen blenden lassen: Entscheidend ist die Datenlage – und die kann auch bei einem Top-Gehalt ungünstig wirken.
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Häufige Fragen zum Thema
Wer oder was ist die SCHUFA?
SCHUFA ist die Abkürzung für "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung". Sie ist Deutschlands größte private Auskunftei und sammelt im Auftrag von Banken, Telefongesellschaften und anderen Dienstleistern die Daten zur Kreditwürdigkeit (Bonität) von Personen. Die Schufa bewertet das Zahlungsverhalten und erstellt mittels eines Score-Wertes eine Prognose, wie wahrscheinlich ein Vertrag regelmäßig bedient oder ein Kredit zurückgezahlt wird. Banken, Vermieter und Unternehmen nutzen diese Einschätzung vor Vertragsabschlüssen.
Was ist der SCHUFA-Score?
Der Schufa-Score komprimiert die Bonität in einer Zahl. Bisher bestand der aus mehr als 100 zum Teil unbekanten Faktoren. Künftig wird er auf zwölf Kriterien reduziert.
Kann ich mein Schufa-Score selbst verbessern?
Zum Teil. Wer weiß, auf welchen Kriterien der Score basiert, kann sein Verhalten unter Umständen daran anpassen. Trotzdem sollte niemand nur wegen der Angst um seinen Score darauf verzichten, einmalig ein überteuertes Bankkonto oder eine viel zu teure Kreditkarte zu wechseln.