Phil LeBrun, ehemaliger internationaler CIO von McDonald's und Dr. Jana Walker, leitende Beraterin von AWS, warnen in ihrem Buch The Octopus Organization davor, Unternehmen wie Maschinen zu behandeln. Stattdessen sollten sie wie ein Oktopus funktionieren. Im "Motley Fool Hidden Gems Investing"-Podcast sprechen beide über die Idee dahinter - und darüber, was es für Anleger bedeutet.

Ein Stellenabbau kann für Anleger ein positives Signal auslösen, muss es aber nicht. Stattdessen sollten Investoren auch hinter die Kulissen schauen, sagen Phil LeBrun und Jana Walker. Entscheidender sei die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Die Idee: Sie sollten agieren wie ein Oktopus.

Ein Blick hinter die Kulissen ist wichtig

Die Experten warnen davor, Stellenabbau oder Produktivitätsrhetorik in Jahresberichten automatisch als Zeichen von Fortschritt zu werten. Den nützlichsten Hinweis auf die Zukunft eines Unternehmens finden Anleger laut LeBrun und Walker in der Unternehmenskommunikation. "Welche Experimente werden durchgeführt? Dreht sich der Bericht um verbesserte Produktivität oder werden Investitionen in echte Innovation und Experimente getätigt?", sind laut den beiden Fragen, die Unternehmen beantworten können müssen.

Unternehmen müssen auch offen über ein Scheitern kommunizieren können, fordern die Experte zusätzlich. Solche Fehlversuche seien kein Schwächezeichen, sondern ein Hinweis auf echte Experimentierfreude. Umgekehrt könne ein Unternehmen, das nur Zuversicht und Kostendisziplin betone, weniger offen für neue Entwicklungen sein.

Auch die makroökonomischen Daten passen nicht zu der Vorstellung, dass vor allem Sparen und Stellenabbau das Bild prägen und Fortschritt signalisieren sollen. Ein Blick auf die US-Arbeitsmarktzahlen zeigt: Trotz angekündigter Entlassungen im Technologiesektor stieg im Mai die Zahl der Beschäftigten im Gesamtmarkt der USA von 158,5 Millionen auf 159 Millionen im Vergleich zum Vorjahr.

Die offenen Stellen lagen im April 2026 bei 7,62 Millionen. Die Arbeitslosenquote betrug 4,3 Prozent, die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,4 Prozent auf 37,53 US-Dollar. Gleichzeitig stieg das Bruttoinlandsprodukt der USA im ersten Quartal 2026 laut Trading Economics um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Wer also beurteilen will, wie zukunftsfähig ein Unternehmen wirklich ist, sollte nicht nur auf Kostensenkungen achten, sondern auf die Lern- und Anpassungsfähigkeit der Konzerne - genau das ist der Kern der Oktopus-Strategie.

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Oktopus-Strategie: Darauf sollten Anleger achten

Im Buch beschreiben LeBrun und Walker ihre Idee wie das Abbild eines Oktopus: zentral koordiniert, aber in den Armen dezentral, lernfähig und anpassungsstark. Dabei beschreiben sie unter anderem fünf Aspekte, auf die Anleger besonders achten sollten.

Dezentrale Intelligenz statt Steuerung von oben

Unternehmen mit mehr lokaler Entscheidungsfähigkeit reagieren meist schneller auf Marktveränderungen, Kundenwünsche und Wettbewerbsdruck. Eine solche Dezentralisierung fördert die Anpassungsfähigkeit von Konzernen.

Kontinuierliche Veränderung statt großer Transformationsprojekte

LeBrun und Walker kritisieren, dass viele Unternehmen Veränderung wie ein einmaliges Großprojekt behandeln, das viel kostet und oft wenig nachhaltige Wirkung hat. Ein Modell der kontinuierlichen Verbesserung ist effizienter und senkt das Risiko, dass Strategie und Markt sich voneinander entfernen.

Schnelles Lernen durch kleine Experimente

Firmen, die früh testen und schnell auswerten, minimieren Fehlinvestitionen. Das ist gerade in unsicheren Märkten wertvoll, weil Kapital gezielter zum Einsatz kommt.

Kundenwert als Leitmotiv

Kundenorientierung ist oft ein Frühindikator für robuste Umsätze, bessere Bindung und stärkere Preissetzungsmacht. Langfristig stützt das die Qualität des Geschäfts. Andererseits kann ein rückläufiger Kundenstamm ein Indikator für eine Verringerung der Geschäftsqualität darstellen.

Neugier, Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit als Kernkompetenzen

Widerstandsfähige Unternehmen überstehen Schocks besser. Hierzu zählen etwa technologische Umbrüche, Nachfragerückgänge oder neue Regulierungen. Anpassungsfähigkeit ist damit ein echter Bewertungsfaktor, nicht nur ein „weiches“ Kulturthema.

Damit geben die Autoren einen Leitfaden an die Hand, worauf Anleger in den nächsten Jahresberichten unbedingt achten sollten. Eine reine Wiederholung von Produktivitätssteigerungen oder stetigen Kostensenkungen ist nicht ausschlaggebend - sondern die Möglichkeit, sich auf Änderungen des Marktes einzustellen und eine gewisse Experimentierfreude.

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Häufig gestellte Fragen

Warum sind dezentrale Unternehmen oft erfolgreicher?

Dezentrale Unternehmen treffen Entscheidungen näher am Markt und können dadurch schneller auf Kundenwünsche reagieren. Das erhöht in vielen Fällen die Anpassungsfähigkeit und macht Geschäftsmodelle robuster.

Woran erkennen Anleger echte Innovationskraft?

Nicht an großen Ankündigungen, sondern an Experimenten, Fehlerkultur und sichtbaren Investitionen in neue Ansätze. Unternehmen, die offen testen und lernen, sind oft besser auf künftige Veränderungen vorbereitet.

Warum ist Anpassungsfähigkeit an der Börse so wichtig?

Weil sich Märkte, Regulierung und Nachfrage ständig verändern. Unternehmen, die darauf flexibel reagieren, haben oft bessere Chancen auf stabile Erträge und langfristiges Wachstum.

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