Wie entwickeln sich 2026 die Immobilienpreise und Mieten hierzulande? So schätzt Thomas Aigner, Gründer und Chef von Aigner Immobilien, die aktuelle Lage ein.

BÖRSE ONLINE: Herr Aigner, wie geht es für den deutschen Immobilienmarkt jetzt weiter?
Thomas  Aigner:  Dieses Jahr dürfte nicht leicht werden, aber auch nicht komplett schlecht. Der Markt wird sich unterschiedlich entwickeln: Auf der einen Seite werden wir eine nach wie vor hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien in den Metropolregionen erleben, auf der anderen Seite bleibt die Eigenkapitalhürde für viele Interessenten unüberwindbar. Wirtschaftliche Unsicherheiten, Stellenabbau und womöglich moderat steigende Zinsen lassen Banken bei der Kreditvergabe noch genauer hinsehen.

Was bedeutet das für die Entwicklung der Mietpreise?

Aufgrund der weiterhin andauernden Neubaukrise bleibt der Druck auf den Mietmarkt hoch, die Durchschnittsmieten bei Neuverträgen dürften weiter steigen. Das macht den Bestand für Investoren weiterhin interessant. Wer die politischen Risiken wie verschärfte Mietregulierung einplant und langfristig denkt, hat gute Chancen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage am Wohnimmobilienmarkt  ein?
Menschen müssen wohnen. Und sie wollen dort wohnen, wo die Infrastruktur ausgebaut und idealerweise die Umgebung für Freizeitzwecke schön ist. Diese einfache Tatsache führt dazu, dass die Nachfrage in solchen Regionen hoch ist. Zahlreiche Studien zeigen: Viele Mieter sind verhinderte Eigentümer. Das liegt nicht nur an den hohen Bau-, sondern an den ausufernden Nebenkosten, die von der Bank nicht finanziert werden. Für Investoren bleibt Wohnen in den gefragten Lagen weiterhin die stabilste Assetklasse. Der Bestandsmarkt steht dabei als tragende Säule im Fokus.


Thomas Aigner
Aigner Immobilien
Thomas Aigner

Zur Person

Thomas Aigner gründete im Jahr 1991 die Aigner Immobilien GmbH. Seine Firma mit Sitz in München ist mit einem vermittelten Objektvolumen von zuletzt 555 Millionen Euro pro Jahr eines der größten inhabergeführten Maklerunternehmen hierzulande  Als Gesellschafter-Geschäftsführer galt Aigner schon in früheren Zeiten als ein digitaler Pionier, der Innovationen innerhalb der Immobilienbranche vorantreibt.


Erwarten Sie Impulse von der Wohnbaupolitik?
Liest man den Koalitionsvertrag, kann man den Eindruck bekommen, dass die Bundesregierung die Probleme erkannt hat und diese in Angriff nimmt. Und man muss hier zugutehalten, dass im Vergleich zu anderen Regierungen ja auch schon was passiert ist. 

Welche Rolle spielen hier die Regierungsparteien?
Ehrlicherweise muss man berücksichtigen, dass der Koalitionspartner SPD den Fokus traditionell auf den Mieter und dessen Schutz legt. Eigentumserwerb steht nicht auf der Agenda, sondern die Konservierung bestehender Verhältnisse. Da die CDU andere wichtigere Themen durchdrücken will, muss sie bei der Wohnbaupolitik Abstriche und Zugeständnisse machen. Wir dürfen uns daher meines Erachtens auf weitere Mietrechteingriffe einstellen.

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