FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Staatsanleihen haben am Dienstag ihre zu Wochenbeginn erlittenen Verluste ausgeweitet. Der richtungweisende Euro-Bund-Future fiel um 0,17 Prozent auf 125,11 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 3,06 Prozent.

Für Belastung sorgte insbesondere ein überraschend deutlicher Anstieg der Inflationserwartungen der Verbraucher in der Eurozone. Vor allem die Erwartungen auf kurze Sicht legten überraschend stark zu. Laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die Konsumenten auf Sicht von 12 Monaten eine Preissteigerung um 4,0 Prozent. Zuletzt hatten sie 2,5 Prozent prognostiziert.

Eine weitere Erhebung der EZB kam zu dem Ergebnis, dass die Banken der Eurozone ihre Kreditvergabekriterien für Unternehmen zu Beginn des Jahres so stark verschärft haben wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Geopolitische Belastungen wie etwa der Iran-Krieg hätten damit einen bereits bestehenden Trend noch verstärkt.

Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der Bank ING sieht in beiden Umfragen Hinweise darauf, dass die Wirtschaft in der Eurozone bald kaum noch wächst, aber die Preise gleichzeitig stark steigen könnten. Dies erschwere es der EZB bei ihrer Entscheidung am Donnerstag, aber auch darüber hinaus, die richtigen geldpolitischen Entscheidungen zu treffen. An diesem Donnerstag erwarten Volkswirte jedoch noch keine Veränderung der Leitzinsen.

Etwas belastet wurden die Kurse durch die Entwicklung im Nahen Osten. Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs haben bisher keine Fortschritte gemacht. US-Präsident Donald Trump sieht Teherans jüngsten Vorschlag für ein Ende des militärischen Konflikts übereinstimmenden Medienberichten zufolge skeptisch. Eine Öffnung der Straße von Hormus ist weiterhin nicht in Sicht./jsl/he

Quelle: dpa-Afx