(Korrigiert wird die Umsatzprognose für das zweite Quartal im neunten Absatz. Qiagen rechnet währungsbereinigt mit einem Umsatzplus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreswert rpt Vorjahreswert von 534 Millionen US-Dollar.)
VENLO (dpa-AFX) - Der Diagnostikspezialist und Laborzulieferer Qiagen
Im frühen Handel verlor das Papier fast 8 Prozent auf 30,01 Euro, womit sie das tiefste Niveau seit November 2019 erreichte. Der Kurs ist bereits seit Ende Januar im freien Fall, seit dem damals erreichten Zwischenhoch bei knapp 47,60 Euro hat er mehr als ein Drittel nachgegeben. Zuletzt notierte das Papier um 30,40 Euro.
Qiagen habe im ersten Quartal die Markterwartungen verfehlt, schrieb Jefferies-Analyst Tycho Peterson in einer ersten Reaktion auf die Zahlen und die gesenkte Prognose. Dabei sei Quantiferon der größte Belastungsfaktor gewesen, während die Ziele für alle anderen wichtigen Wachstumsträger beibehalten worden seien, notierte er. Für Barclays-Experte Luke Sergott enthalten die neuen Ziele zwar immer noch Risiken, sie erscheinen ihm aber deutlich besser erreichbar.
Qiagen rechnet in diesem Jahr lediglich noch mit einem Umsatzplus zu konstanten Wechselkurse von ein bis zwei Prozent, wie der Konzern mitteilte. Bisher hatte Unternehmenslenker Thierry Bernard mindestens fünf Prozent Wachstum für 2026 angestrebt, auch Analysten waren von einem ähnlich starken Zuwachs ausgegangen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) soll nun auf mindestens 2,43 US-Dollar steigen, statt wie bisher auf mindestens 2,50 Dollar. Hier waren zuletzt am Markt im Schnitt sogar 2,51 Dollar für möglich gehalten worden. 2025 hatte Qiagen 2,38 Dollar erzielt.
Im ersten Quartal war der Umsatz nach vorläufigen Berechnungen des Konzerns nominal zwar um zwei Prozent auf 492 Millionen Dollar (419 Mio Euro) gestiegen, währungsbereinigt aber um ein Prozent gesunken. Damit verfehlte Qiagen die eigene Prognose und die Erwartungen am Markt. Während das Unternehmen in Wachstumsbereichen wie Proben- und digitale PCR-Technologien, klinische Bioinformatik und Verbrauchsmaterialien zulegen konnten, wirkten sich den Angaben zufolge rückläufige Erlöse beim Tuberkulosetest Quantiferon ebenso dämpfend aus, wie eine verhaltene Nachfrage von Biotech-Kunden in den USA.
Vor allem Quantiferon war in den vergangenen Jahren ein stetiger Wachstumstreiber für das Unternehmen gewesen, nun ging der Umsatz mit dem Tuberkulosetest im ersten Quartal zu konstanten Wechselkursen um 5 Prozent zurück. Grund sei der deutliche Nachfragerückgang nach Testungen für Einwanderer in den USA und im Nahen Osten gewesen, hieß es. In den Vereinigten Staaten war durch die verschärfte Einwanderungspolitik der Trump-Regierung die Immigration zuletzt deutlich zurückgegangen.
Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr nun lediglich noch mit einem im Vergleich zu 2025 stabilen Quantiferon-Umsatz. Ursprünglich hatte sich Qiagen hier einen Erlöszuwachs erhofft. "Wir betrachten dies jedoch als Neubewertung der Nachfrage innerhalb dieser Zielgruppe im Jahr 2026 und nicht als eine Veränderung des langfristigen Gesamtpotenzials für Tests auf latente Tuberkulose", betonte Bernard.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag zum Jahresstart bei 54 US-Cent gegenüber 55 Cent im Vorjahr, womit Qiagen die eigenen Prognosen traf. Auch Experten hatten mit einem Ergebnis in etwa dieser Größenordnung gerechnet, da Qiagen wegen Zöllen und Übernahme des Zellanalyse-Spezialisten Parse auf einen leichten Rückgang vorbereitet hatte.
Im zweiten Quartal geht Qiagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von einem Umsatzminus in Höhe von zwei Prozent aus. Im zweiten Jahresviertel 2025 hatten die Erlöse bei 534 Millionen Dollar gelegen. Das bereinigte Ergebnis je Anteil soll auf dem entsprechenden Vorjahreswert von 60 Cent verharren. Beim Erlös hatten die Analysten bisher mit einem höheren Wert gerechnet.
Unternehmenschef Bernard sieht dennoch Fortschritte in wichtigen Geschäftsbereichen und erwartet eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte. Diese soll unter anderem durch neue Produkte und Beiträge aus der Parse-Übernahme kommen. Auch verwies Qiagen hier auf den Wegfall negativer Sondereffekte im Zusammenhang mit der jüngsten Umstrukturierung im Konzern.
Seine endgültigen Zahlen für das erste Quartal will das Unternehmen am 6. Mai vorlegen./tav/lew/stk
Quelle: dpa-Afx