BAGSVAERD (dpa-AFX) - Die neue Abnehmpille des Pharmaherstellers Novo Nordisk
Kurzzeitig sprang die Aktie des Diabetes-Spezialisten mit fast 312 dänische Kronen auf den höchsten Stand seit dem 19. Februar. Zuletzt ging es in Kopenhagen gegen Mittag um gut 7 Prozent auf 307 Kronen nach oben. Das Papier hat allerdings seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert eingebüßt. Dabei brach die Aktie im Februar besonders deutlich ein, als der Konzern seinen düsteren Ausblick erstmals veröffentlichte.
Trotz der Kurserholung zeigten sich Analysten in Summe vorsichtig. Michael Leuchten von Jefferies etwa sah in den geänderten Prognosen keinen echten Kurstreiber. Auch James Quigley von Goldman Sachs verwies darauf, dass am Markt bereits mit einer etwas besseren Entwicklung gerechnet worden sei. Richard Vosser von JPMorgan lobte dagegen die Quartalszahlen, die etwas stärker als erwartet ausgefallen seien. Durch den positiveren Ausblick sieht der Analyst die Konsensschätzungen untermauert.
Novo Nordisk erwartet nun in diesem Jahr einen Rückgang von 4 bis 12 Prozent für Umsatz und Ergebnis - beides gerechnet zu konstanten Wechselkursen und abseits von Sondereffekten, wie das Unternehmen zur Wochenmitte in Bagsvaerd mitteilte. Zuvor war der Konzern hier jeweils noch von 5 bis 13 Prozent Minus ausgegangen.
Im ersten Quartal war auf dieser Rechnungsgrundlage der Erlös im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent gesunken. Dabei hatte Novos neue Abnehmepille, die ebenfalls wie ihr als Spritze verabreichtes Pendant "Wegovy" heißt und den Wirkstoff Semaglutid enthält, die Erlöse im Adipositas-Geschäft maßgeblich angetrieben. Doch das gestiegene Absatzvolumen konnte letztlich den Effekt durch gesunkene Preise nicht ausgleichen. Zudem gingen die Umsätze mit Diabetesmedikamenten um 18 Prozent zurück, wobei das frühere Blockbuster-Präparat Ozempic auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren fiel.
Der unbereinigte Erlös - inklusive der Auflösung bestimmter Rückstellungen für Rabatte im US-Geschäft und Wechselkurseffekten - stieg hingegen nominal um 24 Prozent auf 96,8 Milliarden dänische Kronen (12,96 Mrd Euro). Der operative Gewinn schnellte ebenfalls wegen dieses Sondereffekts um 54 Prozent auf 59,6 Milliarden Kronen hoch. Analysten hatten weit weniger auf dem Zettel, ebenso beim Konzerngewinn, der bei fast 49 Milliarden Kronen herauskam.
"Wir sehen, dass mehr als 1 Million Menschen die Wegovy-Pille nutzen", sagte Vorstandschef Doustdar in einer Telefonkonferenz. Patienten wechselten von Konkurrenzprodukten zur Pille, während es nur eine "begrenzte Kannibalisierung" der eigenen Medikamente gebe.
Novo teilte ferner mit, dass die orale Version von Wegovy gemessen am Volumen den besten Marktstart in der Kategorie der sogenannten GLP-1-Medikamente in den USA hingelegt habe. In der Woche bis zum 17. April seien mehr als 2 Millionen Rezepte ausgestellt worden - allein rund 200.000 in dieser Woche.
Der angeschlagene Konzern hatte zuletzt die Preise senken müssen und setzt auf die neue Pille, um im harten Wettbewerb mit dem US-Konzern Lilly wieder aufzuholen. Hier war Novo Nordisk zuletzt zunehmend ins Hintertreffen geraten, weil die Produkte des Widersachers als effektiver gelten und sich wohl auch daher besser verkaufen. Anders als Novo rechnet Lilly-Chef David Ricks in diesem Jahr mit einem weiter steigenden Umsatz.
Erst kürzlich hatte der US-Manager die Prognose für 2026 sogar noch einmal aufgestockt. Dabei setzt Lilly auch auf seine eigene Pille Foundayo, die mit etwas zeitlichem Abstand zum Wegovy-Start mittlerweile ebenfalls in den USA zugelassen ist. Nach dem Verlust bereits der Marktführerschaft an die Abnehmspritze Zepbound von Lilly könnte Novo Nordisk von dieser Seite womöglich schon bald wieder Gegenwind drohen.
Zugleich machen schon seit geraumer Zeit Anbieter billige Kopien der Gewichtssenker Novo Nordisk das Leben schwer. In diesem Jahr ging Novo rechtlich gegen den Telemedizinanbieter Hims & Hers
In diesem Jahr dürfte der Preisdruck durch Nachahmer aber noch steigen, da der Patentschutz für den Wirkstoff Semaglutid in wichtigen Märkte wie China, Indien oder Brasilien wegfällt./tav/err/stk
Quelle: dpa-Afx