KIEL (dpa-AFX) - Der Marineschiffbauer TKMS
Am Vormittag büßte das Papier 1,4 Prozent auf 93,45 Euro ein. Damit liegt der Kurs zwar ein Stück unter dem Rekordhoch bei 107 Euro, das direkt am ersten Handelstag im Oktober erreicht worden war. Allerdings ist das immer noch deutlich über dem damaligen Ausgabepreis von 60 Euro. Zeitweise war TKMS an der Börse sogar mehr wert gewesen als der Mutterkonzern Thyssenkrupp
Für Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB Research kommt die negative Aktienreaktion nach einem "soliden" ersten Quartal überraschend, da der Bericht von TKMS keine negativen Neuigkeiten beinhalte. Er sieht das aktuelle Kursniveau als attraktiven Einstiegszeitpunkt. Aus Sicht von Bernstein-Analyst Adrien Rabier ist die Aktie wiederum hoch bewertet. Obwohl auch er die Zahlen insgesamt lobte, bezeichnete er die Marge in der wichtigen U-Boot-Sparte als besorgniserregend. TKMS sei allerdings auf Kurs zu einer Verbesserung im zweiten Quartal.
Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) ging der Umsatz von TKMS im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Prozent auf 545 Millionen Euro zurück. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stagnierte bei 26 Millionen Euro, die entsprechende Marge stieg von zuvor 4,7 auf 4,8 Prozent. Unter dem Strich schmolz der Gewinn um 85 Prozent auf 4 Millionen Euro, maßgeblich waren hier höhere Steuern sowie ein niedrigeres Finanzergebnis.
Der Auftragseingang brach um 83 Prozent auf 904 Millionen Euro ein, da das Vorjahresquartal von Rekordbuchungen unter anderem bei U-Booten angesichts des Rüstungsbooms geprägt gewesen sei. Aktuell zählte der größte Torpedo-Auftrag der Konzerngeschichte für die Deutsche Marine zu den wichtigsten neuen Bestellungen. Der jüngste Auftrag aus Norwegen über zwei weitere U-Boote sei noch nicht im Auftragseingang enthalten und erst nach dem Stichtag unterzeichnet worden, hieß es weiter.
"Angesichts aktueller geopolitischer Entwicklungen haben unsere Kunden weiterhin einen hohen Bedarf an fortschrittlichen, maritimen Fähigkeiten", sagte Firmenchef Oliver Burkhard laut Mitteilung in Kiel. Insgesamt sitzt TKMS auf einem Orderbestand von rund 18,7 Milliarden Euro, das ist so viel wie nie zuvor.
Burkhard bestätigte die Ziele des Marineschiffbauers für die kommenden Jahre. So soll der Umsatz mittelfristig pro Jahr im Schnitt um rund 10 Prozent steigen. Es sei eine zunehmende Wachstumsdynamik zu erwarten. Die bereinigte Ergebnismarge soll derweil über 7 Prozent klettern.
TKMS ist ein Systemlieferant für U-Boote und Marineschiffe sowie maritime Elektronik und Sicherheitstechnik. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 9.100 Mitarbeitende unter anderem an drei Werften in Kiel, Wismar und Brasilien. Thyssenkrupp hatte TKMS abgespalten und Ende Oktober an die Börse gebracht. Der Industriekonzern hält mit etwas mehr als 50 Prozent der Aktien die Mehrheit. Seit Ende Dezember ist TKMS im MDax der mittelgroßen Unternehmen notiert./niw/tav/mis
Quelle: dpa-Afx