NEW YORK (dpa-AFX) - Die vortags erholten New Yorker Börsen haben am Donnerstag wieder deutliche Verluste erlitten. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit rund um den Iran-Krieg waren die Anleger vorsichtig. Dass US-Präsident Donald Trump nach Drohungen mit einer Eskalation des Konflikts zuletzt eine weitere Verlängerung seines Ultimatums an den Iran nicht ausschloss, half den Aktienkursen nicht.

Der Leitindex Dow Jones Industrial ging 1,01 Prozent tiefer mit 45.960,11 Punkten aus dem Handel. Der marktbreite S&P 500 büßte 1,74 Prozent auf 6.477,16 Punkte ein. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es sogar um 2,38 Prozent auf 23.586,99 Punkte bergab, was einen weiteren Tiefstand seit September bedeutet. Er litt besonders unter der Schwäche von Halbleiteraktien.

Trump hatte dem Iran damit gedroht, Kraftwerke zu zerstören, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht vollständig und "ohne Drohungen" für den Schiffsverkehr öffnen. Ursprünglich hatte er dafür ein Ultimatum gesetzt, das in der Nacht zum Dienstag deutscher Zeit ausgelaufen wäre. Am Montag hatte er dann angekündigt, wegen "sehr guter und produktiver Gespräche über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten" für weitere fünf Tage auf solche Angriffe zu verzichten. Nun wurde die Frist erneut verlängert.

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim übermittelte der Iran bereits seine Antwort auf einen 15-Punkte-Vorschlag der USA für ein Kriegsende - unter anderem mit der Forderung nach einem Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten.

An den Börsen herrsche rasch Ungeduld angesichts ausbleibender Erfolge in Richtung Frieden, konstatierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Matt Maley vom US-Vermögensverwalter Miller Tabak geht von bestenfalls bescheidenen Fortschritten bei den Gesprächen der Kriegsparteien aus.

Halbleitertitel knüpften mit deutlichen Verlusten an den Kursrückschlag vom Mittwoch an: Lam Research zählten mit minus 9,4 Prozent zu den schwächsten Werten im Nasdaq 100, gefolgt von Applied Materials und Seagate Technology, die sich um jeweils 8,3 Prozent verbilligten.

Die Google-Mutter Alphabet hatte Forschungsergebnisse veröffentlicht, die eine effizientere Nutzung des für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) benötigten Speicherplatzes ermöglichen könnten. Speicherchip-Unternehmen haben in den letzten Monaten einen Höhenflug erlebt, da die rasante Entwicklung der KI-Infrastruktur einen sprunghaften Anstieg der Chip-Preise auslöste und damit Gewinne und Aktienkurse in die Höhe trieb.

Bei Meta mussten die Anleger einen Kursrutsch von 8 Prozent verkraften. Der Technologie- und Social-Media-Riese will mehr als 10 Milliarden US-Dollar in den Bau eines Rechenzentrums in Texas investieren, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den ursprünglich geplanten 1,5 Milliarden Dollar bedeutet.

Für Kursgewinne sorgte indes Übernahmefantasie. So zogen die Aktien von Brown-Forman um 8,9 Prozent an. Der französische Spirituosenhersteller Pernod Ricard erwägt Kreisen zufolge einen Kauf des US-Branchenkollegen mit der bekannten Whisky-Marke Jack Daniel's.

Die Aktien von Olaplex sprangen um rund die Hälfte ihres vorherigen Werts auf 2,01 Dollar hoch. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel hat eine Vereinbarung zum Kauf des Shampoo-Herstellers für 1,4 Milliarden Dollar unterzeichnet. Dies entspricht den Angaben zufolge 2,06 Dollar je Olaplex-Aktie. Der Deal sei vom Olaplex-Management genehmigt worden, und auch die Beteiligungsgesellschaft Advent habe als größter Anteilseigner zugestimmt./gl/jha/

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-Afx