MAILAND/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Commerzbank-Großaktionärin
Die Unicredit-Aktie reagierte allerdings negativ auf die Neuigkeiten: Sie verlor am Vormittag mehr als vier Prozent auf 68,61 Euro, während die Commerzbank-Aktie um rund ein Prozent auf 36,42 Euro zulegte. Am Morgen hatte allerdings die britische Investmentbank Barclays ihr das Kursziel für die Commerzbank von 36 auf 42 Euro angehoben.
Unicredit-Chef Andrea Orcel betonte in einer Telefonkonferenz: "Die Entscheidung ist einfach: entweder den derzeitigen Kurs der anhaltenden Underperformance fortsetzen oder durch eine Transformation neue Wege beschreiten. Von Plan zu Plan überleben oder die Bank fit machen für die Zukunft." Der derzeitige Kurs der Commerzbank werde "mittelfristig ihr Überleben gefährden", prognostizierte Orcel.
Unicredit: Commerzbank auf kurzfristigen Erfolg konzentriert
"Unicredit ist als bedeutender Aktionär der Ansicht, dass die Commerzbank auf zukünftige Herausforderungen unzureichend vorbereitet ist und sich zu sehr auf kurzfristigen Erfolg konzentriert", teilte das italienische Geldhaus mit.
In ihrer Präsentation spielt die Unicredit zwei Szenarien durch: Zum einen eine weiterhin eigenständige Commerzbank, die dann bis 2028 sehr viel sparen und sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müsste, zum anderen einen Zusammenschluss mit der Unicredit und damit deren deutscher Tochter Hypovereinsbank (HVB) mit einem Zeithorizont bis 2030. In beiden Fällen hält die Unicredit-Führung deutlich höhere Gewinne für machbar, als Experten bisher von der Commerzbank erwarten.
Nach Dafürhalten der Unicredit sollte die Commerzbank in jedem Fall ihren Fokus auf Deutschland und Polen verstärken und gleichzeitig ihre internationalen Aktivitäten zurückfahren. Letztere seien "überdimensioniert, fragmentiert, risikoreicher, operativ komplex und ineffizient", meint Unicredit.
Sollte es zu einer Übernahme kommen, würde nach Angaben Orcels die eigentliche Integration, Zusammenführung oder Fusion frühestens im Jahr 2029 beginnen.
Italiener werben seit September 2024 für Übernahme
Die Unicredit, die mit einem direkten Anteil von 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank ist und nach jüngsten Angaben insgesamt Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Anteile hat, hatte Mitte März ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien angekündigt. In einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai will sich die Unicredit die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einholen.
Darum habe die Unicredit jetzt auch ihren Standpunkt darlegen müssen, argumentiert Orcel: "Es blieb keine Zeit mehr zum Abwarten, zumal die Tür kurz nach Ostern geschlossen wurde."
Commerzbank wehrt sich gegen "feindliches" Vorgehen
Die Commerzbank, die Orcels Vorgehen als "feindlich" bezeichnet, hatte kurz nach Ostern einen Austausch mit der Unicredit bestätigt, zugleich aber erklärt, es sei derzeit keine einvernehmliche Lösung erkennbar. Die skizzierten Eckpfeiler einer Transaktion hätten kein ausreichendes Wertschöpfungspotenzial für Commerzbank-Aktionäre über die jetzige Strategie hinaus aufgezeigt. Am 8. Mai will die Commerzbank neue Finanzziele verkünden.
Unicredit-Chef Orcel wirbt seit dem Einstieg seines Instituts bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme. Europa brauche im Wettlauf mit starken US-Geldhäusern größere Banken.
Die Unicredit rechnet vor: Aus einem Zusammenschluss von Commerzbank und HVB entstünde ein deutscher Marktführer mit mehr als 600 Filialen, rund acht Prozent Marktanteil und europaweit mehr als 35 Millionen Kunden. Statt der befürchteten Streichung von 15.000 Jobs in Deutschland würden über einen Zeitraum von fünf Jahren "weniger als die Hälfte" wegfallen, versichert die Unicredit./ben/DP/stw
Quelle: dpa-Afx