HERZOGENAURACH/HONGKONG (dpa-AFX) - Der chinesische Konzern Anta Sports Products will groß beim deutschen Sportartikelhersteller Puma einsteigen. Wie die Muttergesellschaft von Marken wie Atomic, Fila, Jack Wolfskin, Salomon und Wilson am Dienstag in Hongkong mitteilte, wird sie einen Anteil von 29,06 Prozent an Puma von der französischen Milliardärsfamilie Pinault für insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro erwerben. Behörden und Aktionäre müssten allerdings noch zustimmen. Am Aktienmarkt kam dies gut an. Die Puma-Aktie legte im frühen Handel deutlich zu.

Über den Einstieg der Chinesen bei Puma wird seit Monaten spekuliert, nachdem die französische Milliardärsfamilie Berichten zufolge einen Verkauf ihres Anteils in Erwägung gezogen hatte. Die Pinaults halten 29 Prozent an Puma über ihre Finanzholding Artémis.

Der Kurs der im MDax notierten Aktie des deutschen Herstellers hatte sich daher in den vergangenen Wochen kräftig von ihrem im November erreichten Mehrjahrestief von 15,30 Euro erholt. Am Dienstag ging es kurz nach dem Handelsstart auf gut 26 Euro nach oben. Zuletzt notierten die Papiere mit 22,95 Euro noch gut sechs Prozent im Plus.

Gemessen an diesem Kurs ist Puma an der Börse rund 3,4 Milliarden Euro wert. Auch an der Börse in Hongkong kam Antas Ankündigung gut an. Der zuletzt unter Druck stehende Kurs der Anta-Aktie legte etwas mehr als ein Prozent auf 77,40 Hongkong-Dollar zu. Der Börsenwert des chinesischen Unternehmens liegt damit bei rund 216 Milliarden Hongkong-Dollar oder umgerechnet rund 23 Milliarden Euro.

Durch den Einstieg wird Anta größter Anteilseigner bei der deutschen Traditionsmarke und strebt laut eigenen Angaben nach Abschluss des Geschäfts eine "angemessene Vertretung" im Aufsichtsrat an. Anta erwarte, mit der Beteiligung seine Präsenz und Markenbekanntheit im globalen Sportartikelmarkt auszubauen, teilte das Unternehmen mit.

Puma, mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach, hatte zuletzt Verluste gemacht und Boden gegenüber Konkurrenten wie Adidas und Nike verloren. Unter dem neuen Konzernchef Arthur Hoeld kündigte der Konzern den Abbau von 900 Stellen bis Ende dieses Jahres und die Straffung des Produktportfolios an.

Anta wiederum setzt seine Expansion fort. Im vergangenen April hatte der Konzern den deutschen Outdoor-Spezialisten Jack Wolfskin übernommen, nachdem der vorherige Eigentümer Topgolf Callaway aus Kalifornien sich entschieden hatte, die Marke weiterzuverkaufen.

Konkret sieht der jetzige Deal zwischen Anta und Artémis vor, dass die Chinesen für den 29-prozentigen Anteil rund 43 Millionen Puma-Aktien zu je 35 Euro erwerben. Damit liegt der Preis fast 62 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Montag. Die Transaktion soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

"Damit werden wir die Globalisierung von Anta Sports weiter beschleunigen und das nächste Wachstumskapitel in den globalen Sportmärkten - einschließlich China - schreiben", sagte Anta-Geschäftsführer Ding Shizhong laut Mitteilung. /jon/zb/mne/tav/mis

Quelle: dpa-Afx