In den vergangenen Monaten hätten viele ausländische Unternehmen wegen der stockenden Gespräche zwischen Athen und der Eurozone, IWF und EZB bereits geplante Investitionen in neue Hotels oder touristische Infrastruktur wie Flughäfen auf Eis gelegt. Statt der erwarteten Projekte "im Volumen von über zwei Milliarden Euro" dürften sich die Auslandsinvestitionen in den Tourismus-Sektor im laufenden Jahr auf "rund 500 Millionen Euro" beschränken.

Griechenland brauche aber dringend ausländische Investitionen in Hotels und Infrastruktur, um die geplanten Wachstumsziele im wichtigen Tourismussektor zu erreichen und so "die Grundlage für nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu schaffen", erklärte Andreadis.

"Massive Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit"



Zugleich warnte der SETE-Präsident und Chef der familien-eigenen Luxushotelgruppe Sani Resorts eindringlich vor den möglichen Folgen der geplanten Mehrwertsteuer-Anhebungen für Hotels und Restaurants sowie im Personenverkehr. Sollte die griechische Regierung Forderungen der Eurozone nachgeben und die Mehrwertsteuer für Restaurants und Bars sowie Airline-Ticket und Zug- und Busfahrkarten wie geplant massiv anheben, würde dies die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands gegenüber anderen Zielländern wie Türkei, Italien oder Spanien massiv beschädigen und den anhaltenden Aufschwung im griechischen Tourismus-Sektor nachhaltig abwürgen, warnte Andreadis.

In den Gesprächen mit Athen dringt die Eurozone laut Beobachtern darauf, die Mehrwertsteuer in Restaurants und Bars von derzeit 13 Prozent auf 23 Prozent anzuheben. Der entsprechende Satz für Hotel-Übernachtungen soll sich künftig auf 13 Prozent verdoppeln. Zugleich gibt es trotz jüngster Dementis weiterhin Überlegungen, die ermäßigten Mehrwertsteuersätze auf den rund 180 griechischen Ägäis-Inseln (außer Kreta) um rund ein Drittel auf die auf dem Festland üblichen Mehrwertsteuersätze von 23 Prozent zu erhöhen.


Man darf die Kuh nicht schlachten, die die Milch gibt."
Der Chef des griechischen Tourismusverbandes SETE und CEO der familien-eigenen Luxushotelgruppe Sani Resorts, Andreas Andreadis, zu den geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhungen im Hotel- und Gastgewerbe.


Auch die Mehrwertsteuersätze für Airlines, Zugfahrkarten oder Busse soll von derzeit 13 auf 23 Prozent steigen. Insgesamt bedeuteten die Pläne nach Berechnungen des SETE eine zusätzliche Steuerbelastung von rund 800 Millionen Euro. Man dürfe aber nicht die "Kuh schlachten, die die Milch gibt", mahnte Andreadis.

Im Wettbewerb mit anderen Urlaubsregionen wie der Türkei oder Spanien hat Griechenland in den vergangenen Jahren große Erfolge verzeichnet. Alleine 2014 stieg die Zahl der Besucher aus dem Ausland nach Angaben des griechischen Fremdenverkehrsverbandes um 23 Prozent auf rund 22 Millionen. Zugleich stiegen die Erlöse der griechischen Tourismus-Industrie um 10,6 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro.


Griechenland droht im Falle eines Grexit auf das Niveau eines Entwicklungslands zurückzufallen.
Der Chef des griechischen Tourismusverbandes SETE und CEO der familien-eigenen Luxushotelgruppe Sani Resorts, Andreas Andreadis, zu den möglichen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone.


Insgesamt entfallen damit inzwischen rund 20 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes auf den Tourismus. Die Branche ist inzwischen auch eine Jobmaschine. Im vergangenen Jahr schuf der Sektor rund 130.000 neue Stellen. Nach jüngsten Schätzungen hängt mittlerweile nahezu jeder fünfte Arbeitsplatz am Tourismus. Der Sektor gilt damit als mit Abstand wichtigster Wirtschaftszweig in Griechenland.

Angst vor verheerenden Folgen eines Grexit



Zugleich warnte Andreadis erneut eindringlich vor den möglichen Folgen eines Austritts Griechenland aus der Eurozone und der Rückkehr zur Drachme. Der von vielen Ökonomen für dieses Szenario in Aussicht gestellte Aufschwung werde "definitiv" nicht kommen - im Gegenteil, sagte Andreadis. Sollte das Land zur Drachme zurückkehren, drohe ein steiler Zinsanstieg und der Rückzug ausländischer Investoren. Die Folgen für das Land wären "verheerend". Griechenland werde im Falle eines Grexit "auf das Niveau eines Entwicklungslands" zurückfallen, warnte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler.

Die Staats- und Regierungschef der Eurozone kommen am Montag in Brüssel zu einem Sonder-Gipfel zusammen. Einziges Thema: Die Griechenland-Krise. Die Zeit drängt. Die Europäische Zentralbank ist Berichten zufolge wegen des anhaltenden Abflusses von Kundengeldern nicht mehr sicher, ob die griechischen Banken am Montag noch öffnen werden. Alleine seit Montag haben verängstigte Bankkunden rund 4,2 Milliarden Euro von ihren Konten abgezogen.