Während der operative Gewinn von Allianz im zweiten Quartal um fünf Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zulegte haben Abschreibungen auf Kapitalanlagen und andere Belastungen dem Versicherer einen Gewinnrückgang eingebrockt. Mit 1,7 Milliarden Euro lag der Überschuss fast ein Viertel niedriger als ein Jahr zuvor. Vorstandschef Oliver Bäte sieht die Allianz jedoch auf Kurs, in diesem Jahr wie geplant einen operativen Gewinn von 12,4 bis 14,4 Milliarden Euro zu erzielen.

CEO sieht Konzern widerstandsfähig


Aus Sicht von Allianz-Chef Bäte hat sich die Allianz angesichts der Schwankungen an den Kapitalmärkten und einem "fundamental schwächeren wirtschaftlichen Umfeld" der vergangenen Monate als widerstandsfähig erwiesen. So erzielte der Konzern im ersten Halbjahr einen operativen Gewinn von 6,7 Milliarden Euro - ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und die Solvency-Kapitalquote verbesserte sich zwischen Ende März und Ende Juni von 199 auf 200 Prozent.

Allerdings zeigen die Zahlen Licht und Schatten: Während die Allianz im Tagesgeschäft mehr verdiente als von Analysten erwartet, sank der Überschuss stärker als gedacht. Dabei dürfte der Teilverkauf des Russland-Geschäfts erst im dritten Quartal auf das Nettoergebnis des Konzerns durchschlagen: Erwartet werde dann eine Belastung von rund 400 Millionen Euro, heißt es in einer Präsentation des Vorstands vom Freitag. Die Allianz hält künftig noch 49,9 Prozent an dem kombinierten Unternehmen.

Hedgefonds-Skandal ausgestanden


Die Asset-Management-Sparte wurde vom Abwärtstrend an den Finanzmärkten belastet. Die Vermögensverwalter Pimco und Allianz Global Investors (AGI) kassierten weniger Erfolgs-Provisionen. Zudem zogen die Kapitalanleger zwischen April und Juni 34 Milliarden Euro ab. Dadurch und wegen Kursverlusten schrumpfte das für Dritte verwaltete Vermögen um fast 200 Milliarden auf 1,77 Billionen Euro.

Weitgehend ausgestanden scheint indes der Skandal um Hedgefonds der Konzerntochter AGI. Die Gesellschaft hatte sich im Mai in den USA eines Wertpapierbetrugs schuldig bekannt, nachdem Großanleger wie Pensionsfonds mit bestimmten AGI-Hedgefonds zu Beginn der Corona-Pandemie Verluste in Milliardenhöhe erlitten hatten. Für Entschädigungen und Geldbußen hatte die Allianz in der Folge Ende 2021 und Anfang 2022 Belastungen von insgesamt etwa 5,6 Milliarden Euro verbucht.

Auf Geheiß der US-Behörden darf AGI den Großteil des US-Geschäfts nicht mehr selbst weiterführen. Künftig verwaltet der neue Geschäftspartner Voya Investment Management die betroffenen Vermögenswerte. Die Anlegerklagen und die Ermittlungen des US-Justizministeriums und der Börsenaufsicht SEC hatten die Entwicklung bei der Allianz seit vergangenem Sommer überschattet. Konzernchef Bäte hatte den Aktionären wiederholt versichert, dass er die Dividende für 2022 trotz der Milliardenbelastung nicht kürzen wird.

Aktienkurs reagiert nachgebend


Trotz der Steigerung des operativen Ergebnisses im zweiten Quartal geht es für die Aktien der Allianz am Freitag bergab. Die Titel verlieren am Vormittag zeitweise mehr als drei Prozent auf 173,90 Euro und gehören damit zu den schwächsten Werten im DAX. Zuletzt verkleinert sich der Abschlag auf etwa zwei Prozent. Für Verstimmung sorgte laut Händlern unter anderem die Asset-Management-Sparte. Charttechnisch betrachtet arbeitet der Allianz-Kurs seit einigen Wochen an einer Bodenbildung mit Trendwende aufwärts.

Einschätzungen zur Allianz-Aktie von Deutsche Post


Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Allianz SE nach den Halbjahreszahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 265 Euro belassen. Der Versicherer sei nach einem überraschend hohen operativen Ergebnis auf einem guten Weg zu den Jahreszielen, schrieb Analyst Alan Devlin am Freitag. In den vergangenen Jahren hätten die Münchener - mit einer Ausnahme während der Corona-Pandemie - ihre Ziele immer mindestens erreicht, wenn nicht sogar übertroffen.

Etwas weniger optimistisch ist die die Schweizer Großbank UBS. Sie sagt ebenfalls "Buy", sieht aber lediglich ein Kursziel von 241 Euro für die Allianz. Und das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Allianz SE ebenfalls auf "Buy" belassen - mit einem Kursziel von 240 Euro.

BÖRSE ONLINE hat die Allianz-Aktie schon vor Monaten zum Kauf empfohlen und ein längerfristiges Kurszeil von 280 Euro ausgegeben. Eine Stop-Loss-Order sollte bei 165 Euro platziert werden. mmr mit dpa und rtr

Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Mehrheitsinhaber der alleinigen Gesellschafterin der Finanzen Verlag GmbH, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz.