Siemens Energy hat binnen zwölf Monaten fast 170 Prozent zugelegt. Doch seit dem Allzeithoch im Februar stockt der Kurs. Nach Ansicht von Analysten schrumpft das Kurspotenzial. Ein Call am Montagabend könnte ihre Meinung ändern. 

Siemens Energy lieferte mehr als zwei Jahre lang einen Chart, wie ihn Momentum-Anleger lieben: Der Kurs lief steil nach oben, Rücksetzer gab es stets nur kurz und neue Hochs kamen schnell wieder in Reichweite. Stand heute (30. März 2026) steht eine 12-Monats-Performamce von 166 Prozent auf der Kurstafel. Es waren zeitweise sogar fast 200 Prozent, denn Ende Februar markierte die Aktie von Siemens Energy bei 171,65 Euro ihr bisheriges Allzeithoch.

Doch seitdem geht es in die andere Richtung – und das überraschend schnell. 17 Prozent hat die Aktie in etwas mehr als vier Wochen bereits verloren. Wird Siemens Energy jetzt zum Opfer seiner eigenen Performance, getreu dem Motto: Je höher der Kurs klettert, desto weniger verzeiht der Markt kleine Enttäuschungen? Gleichzeitig wird es immer schwerer, die hohen Erwartungen jedes Mal erneut zu übertreffen.

Charttechnisch scheint noch alles ok: Der Kurs notiert aktuell mit etwas über 143 Euro weit über der 200-Tage-Linie, die derzeit bei 115,80 Euro verläuft. Lediglich die 50-Tage-Lini ehat die Aktie wegen des relativ harten Rücksetzer gerissen. Weniger gut sah zuletzt der MACD-Indikator aus, der ungewöhnlich steil abstürzte. Das er sich nun aber wieder fängt, ist meist ein Indiz dafür, dass die Kurs-Korrektur langsam ein Ende findet.

Siemens Energy (WKN: ENER6Y)

Rückenwind bleibt – aber Kursziele werden vorsichtiger

Fundamental ist Siemens Energy in einem Umfeld unterwegs, das Investoren grundsätzlich weiterhin mögen: Elektrifizierung, Netzausbau und Investitionen in Energieinfrastruktur. Bernstein Research lobte zuletzt etwa die Marktposition des Unternehmens bei sogenannten Solid-State-Transformatoren, die als zentrale Komponenten bei der Stromversorgung moderner Dateninfrastrukturen und KI-Rechenzentren benötigt werden.

Allerdings stellt sich die Frage, wieviel Potenzial die Aktie jetzt noch hat. Glaubt man den Analysten, dann wird das jüngste Allzeithoch so schnell nicht mehr erreicht. Denn ihr durchschnittliches Zwölfmonats-Kursziel liegt bei 164,18 Euro. Das sind rund 15 Prozent mehr als der Kurs vom Montag – aber lange nicht mehr so viel, wie Siemens-Energy-Aktionäre in den vergangene zweieinhalb Jahren gewohnt waren.

Dass das Aufwärtspotenzial kleiner wird, ist auch ein Hinweis darauf, dass sich das Chancen-Risiko-Profil der Aktie langsam verändert. Ander gesagt: Jetzt darf nicht mehr viel schief gehen, insbesondere beim Sorgenkind Siemens Gamesa, der Windkraftsparte. Deren Probleme waren einer der Hauptgründe dafür, dass der Kurs von Siemens Energy 2023 Richtung sechs Euro abstürzte. Doch der lange erwartete – und bereits eingepreiste – Turnaround bei Gamesa lässt noch immer auf sich warten.

Wer Siemens Energy kauft, kauft eben nicht nur die Trendthemen Netz und Energie, sondern auch die Frage, wann sich die Wind-Tochter operativ fängt – und auf welchem Niveau. Viel wird darauf ankommen, wie sich Profitabilität und Cashflow entwickeln, wenn Gamesa wieder rentable Projekte in die Bücher nimmt.

Analysten erhalten Montagabend ein exklusives Update

Unterm Strich bleibt Siemens Energy eine starke Aktie mit starken Themen. Aber der Kurs hat nun mal schon viel vorweggenommen. In sechs Wochen werden Aktionäre diese Frage wieder abgleichen können: Am 12. Mai veröffentlicht Siemens Energy die Ergebnisse zum zweiten Quartal. Dann wird der Markt abprüfen, ob Auftragseingang, Marge und Cashflow die hohe Bewertung weiterhin tragen können.

Für manche Analysten kommt der Tag der Wahrheit schon heute Abend: Am 30. März um 18 Uhr hält Siemens Energy einen sogenannten „Pre-Close-Call“ ab. Darin geben Unternehmen ihren zuständigen Analysten Hinweise, ob deren bisherige Schätzungen zum Geschäftsverlauf passen (in-line) oder vielleicht etwas zu stark abweichen– ohne dass das Unternehmen dabei konkrete Zahlen nennen darf. Solche Call sind mittlerweile üblich – und haben schon oft die Kurse der betreffenden Unternehmen scheinbar aus heiterem Himmel bewegt.

Für die Aktie von Siemens Energy birgt der Call also Überraschungspotenzial – in beide Richtungen. Anleger, denen es nach dem Kursrückgang in den Fingern juckt, sollten daher noch die Eröffnung am Dienstag abwarten. Dann wird sich zeigen, welche Tonalität der Pre-Close-Call hatte – und ob die Aktie womöglich wieder nach oben dreht.

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Häufige Fragen zum Thema

Was macht Siemens Energy?

In Siemens Energy wurde die frühere Energiesparte des Siemens-Konzerns abgespalten. Das Unternehmen gilt als weltweit führend in verscheidenen Arten der Energieerzeugung und -übertragung. Die Produktpalette deckt die Stromerzeugung in Form von Gas- und Dampfturbinen ebenso ab wie die Energieübertragung, vor allem über Transformatoren. Im Segment erneuerbare Energien ist Siemens Energy mit der Windkrafttochter Gamesa aktiv. Das Unternehmen steltl darüber hinaus Komponenten für die Wasserstofftechnik, Speichersysteme und Netzinfrastruktur bereit.

Wieviele Anteil hält die Siemens AG an Siemens Energy?

Die Siemens AG hält nur noch zehn Prozent der Aktien von Siemens Energy (laut Website vom 30. März 2026, dort angegebener Stand November 2025). Weiter zwei Prozent liegen bei der Siemens Familie.

Wer sind die größten Konkurrenten von Siemens Energy?

Zu den größten Konkurrenten von Siemens Energy gehören GE Vernova aus den USA), Hitachi Energy  mit Sitz in Japan udn der Schweiz sowei Schneider Electric aus Frankreich). GE Vernova bietet ein nahezu identisches Portfolio an. Im Windkraftsektor ist logischerweise der Marktführer Vestas aus Dänemark ein Hauptwettbewerber.