Summa summarum kann man Investoren einen stark gestiegenen Risikoappetit attestieren, was insbesondere in den Anlageklassen Kryptowährungen und Aktien zu erheblichen Wertsteigerungen geführt hat. Doch eines sollte - ungeachtet der positiven Entwicklung - auf keinen außer Acht gelassen werden. Hohe Chancen lassen sich nur über eine erhöhte Risikobereitschaft wahrnehmen. Das Beispiel Bitcoin & Co eignet sich hierfür geradezu als Paradebeispiel. Aktuell stehen mehr als 16.000 verschiedene Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von über zwei Billionen Dollar zur Auswahl. Diese Angebotspalette bietet viel Raum für Freud und Leid - also von einer Kursvervielfachung bis hin zum Totalverlust ist grundsätzlich alles möglich. Und selbst wer auf den "Marktführer" Bitcoin gesetzt hat, benötigte 2021 angesichts einer Tradingrange von 28.754 bis 68.925 Dollar sowie einer historischen 250-Tage-Volatilität in Höhe von 75 Prozent ein ausgesprochen robustes Nervenkostüm. Zum Vergleich: Bei Gold beläuft sich die 250-Tage-Volatilität auf lediglich 11,7 Prozent und es schwankte in diesem Jahr lediglich zwischen 1.684 und 1.949 Dollar.

Volatilitätsindizes unter der Lupe


Grundsätzlich sollte man die finanzmathematische Kennzahl Volatilität folgendermaßen interpretieren: Je höher sie ausfällt, desto höhere Renditechancen bzw. Verlustrisiken sind mit einem Investment verbunden. Ermitteln lässt sie sich auf Basis historischer Kurse oder auf Basis von Optionspreisen, die sich auf einen bestimmten Basiswert beziehen. Terminbörsen wie die Eurex oder die Chicago Board Options Exchange (CBOE) haben zahlreiche Volatilitätsindizes konzipiert und berechnen bzw. veröffentlichen deren Stand fortlaufend. Bei der Interpretationsmöglichkeit eröffnen sich stets zwei Ansätze. Zum einen kann man die aktuelle Volatilität mit einem Wert aus der Vergangenheit vergleichen und daraus ableiten, ob mit einem Investment - historisch betrachtet - aktuell eher ein erhöhtes oder ein vermindertes Risiko (Gewinnpotenzial) vorliegt. Zum anderen eignen sich Volatilitätsindizes aber auch, um das aktuell vorhandene Risiko (Gewinnpotenzial) verschiedener Anlageklassen miteinander zu vergleichen.

"Geordnete Bahnen" bei der Volatilität von Gold


Das Jahr 2021 mag für Gold performance-technisch zwar enttäuschend verlaufen sein, seinem Ruf als "sicherer Hafen" bzw. "Stabilitätsanker" wurde es aber auf jeden Fall gerecht. Der Blick auf den CBOE-Goldvolatilitätsindex lieferte hierfür den besten Beweis. In den vergangenen 12 Monaten schwankte er zwischen 14,4 und 22,2 Prozent und bewegte sich damit in relativ "geordneten Bahnen". Um einiges turbulenter ging es bei seinem "kleinen Bruder Silber", dessen Volatilitätsindex (aktuell: 28,1 Prozent) zwischen 25,9 und 78,8 Prozent im Jahresverlauf deutlich heftigere Ausschläge verzeichnet hat. Selbiges trifft auf den CBOE Gold Miners-Volatilitätsindex (aktuell: 34,4 Prozent) zu, der 2021 eine Berg- und Talfahrt zwischen 27,4 und 66,5 Prozent vollzogen hat. Noch heftiger fiel der Vergleich mit einem Ölinvestment aus. Dessen Volatilitätsindex schwankte in diesem Jahr nämlich zwischen 32,8 und 78,2 Prozent und weist aktuell einen Wert von 43,6 Prozent aus.

Besonders interessant: Selbst stark diversifizierte Investments in US-Aktien weisen gegenwärtig eine höhere Volatilität als die Krisenwährung Gold aus. Während bei dem Edelmetall ein Wert von 15,4 Prozent angezeigt wird, beläuft sich die für den 500 Werte umfassenden S&P-500-Index eine Vola (VIX) auf 17,7 Prozent. Selbst beim aus 2.000 Nebenwerten bestehenden Russell 2000-Volatilitätsindex fällt die Risikokennzahl mit 25,3 Prozent erheblich höher als bei Gold aus. Fazit: Im kommenden Jahr dürfte nach der Outperformance der vergangenen Jahre das Rückschlagpotenzial bei Aktien um einiges üppiger ausfallen als bei Gold.