Der Claude-Entwickler Anthropic hat vertraulich seinen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Mit einer Bewertung von knapp einer Billion US-Dollar könnte der Börsengang einer der größten der Geschichte werden.

Anthropic hat bei der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission einen vertraulichen Börsenprospekt eingereicht und damit den offiziellen Startschuss für einen möglichen Börsengang gegeben. Das meldete der US-Börsensender CNBC am Montagabend. Ähnlich war im Mai auch SpaceX vorgegangen. Das vertrauliche Filing ermöglicht es Anthropic, nach einer Freigabe durch die SEC wenn nötig sehr zügig an die Börse zu gehen. Ob und wann der Börsengang tatsächlich stattfinde, hänge von den Marktbedingungen und weiteren Faktoren ab, teilte das Unternehmen mit. Die Vorab-Einreichung des Prospekts ermöglicht es Unternehmen, den IPO-Prozess zu starten, ohne sofort alle Finanzdetails öffentlich preisgeben zu müssen.

Wettrennen mit OpenAI

Mit dem Schritt kommt Anthropic seinem schärfsten Konkurrenten OpenAI zuvor, der Berichten zufolge ebenfalls eine vertrauliche Einreichung vorbereitet, dies aber offenbar noch nicht getan hat. SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, hat seinen Prospekt mittlerweile offiziell vorgelegt und bereitet sich auf eine Roadshow in dieser Woche vor. Der Börsenstart ist dann bereits in der nächsten Woche geplant.

Der Markt für große Technologie-Börsengänge nimmt damit deutlich an Fahrt auf. Anleger lechzen derzeit nach fast jeder Art von LKI-Aktien. Das positive Klima wollen sich die Pioniere offenbar zunutze machen.

Künstliche Intelligenz Index (WKN: SL0G7J)

Gegründet von abtrünnigen OpenAI-Entwicklern

Anthropic wurde im Jahr 2021 von einer Gruppe von Führungskräften und Forschern gegründet, die zuvor OpenAI aus Sorge um die strategische Ausrichtung des Unternehmens verlassen hatten. Bekanntestes Gesicht ist Mitgründer und Chef Dario Amodei, dessen Schwester Daniela Mitgründerin und Präsidentin von Anthropic ist. Das Unternehmen ist vor allem für seine Familie von KI-Agenten unter dem Namen Claude bekannt, die unter anderem den populären Programmierassistenten Claude Code antreiben.

Explosives Umsatzwachstum

Die Wachstumszahlen, die Anthropic zuletzt präsentierte, lesen sich beeindruckend. Im Mai gab das Unternehmen bekannt, dass sein auf Basis der vergangenen Monate hochgerechneter Jahresumsatz – die sogenannte Revenue Run Rate – auf 47 Milliarden US-Dollar gestiegen ist, nach einem tatsächlichen Jahresumsatz von zehn Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Damit hat sich der Umsatz in kurzer Zeit nahezu verfünffacht. In seiner jüngsten Finanzierungsrunde wurde Anthropic vor wenigen Tagen Ende Mai mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Damit überholte der Claude-Entwickler OpenAI, das im März noch mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet worden war.

Claude Mythos sorgt für Aufsehen

Für besonderes Interesse in Washington sorgte zuletzt das neue Modell Claude Mythos Preview, das Anthropic einer ausgewählten Gruppe von Unternehmen im Rahmen eines Cybersicherheitsprogramms namens Project Glasswing zugänglich machte. Das Modell verfügt laut Unternehmensangaben über fortschrittliche Fähigkeiten im Bereich Cybersicherheit und ist Gegenstand laufender Gespräche mit hochrangigen Mitgliedern der Trump-Regierung. Die Verbindung aus technologischer Leistungsfähigkeit und politischer Vernetzung dürfte Anthropic im anstehenden Börsengang als Alleinstellungsmerkmal dienen.

Bewertung nahe einer Billion US-Dollar

Für Anleger stellt sich nun die entscheidende Frage: Ist eine Bewertung nahe einer Billion US-Dollar gerechtfertigt? Gemessen am aktuellen Umsatz erscheint das Multiple hoch – zumal der Großteil der Unternehmensbewertung auf Wachstumserwartungen basiert, nicht auf heutiger Ertragskraft. Anthropic ist, wie fast alle großen KI-Labore, noch nicht profitabel und investiert massiv in Rechenkapazitäten und Modellentwicklung.

Der bevorstehende Börsengang wird zeigen, ob die Kapitalmärkte bereit sind, diese Zukunftswette in vollem Umfang mitzugehen.

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Häufige Fragen zum Thema

Wer steckt hinter Anthropic?

Anthropic wurde 2021 von einer Gruppe von Führungskräften und Forschern gegründet, die zuvor OpenAI verlassen hatten, nach eigenen Angaben aus Sorge um die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Bekanntestes Gesicht ist Mitgründer und Chef Dario Amodei, dessen Schwester Daniela Mitgründerin und Präsidentin von Anthropic ist.

Wofür ist Anthropic bekannt?

Das bekannteste Produkt ist das Large Language Model (LLM) Claude, aus dem eine ganze Familie von KI-Agenten für verschiedene Anwendungsfälle entstanden ist. Die Präsentationen neuer Claude-Agenten waren Anfang 2026 maßgeblich dafür verantwortlich, dass Aktien aus den Bereichen Software, Finanzdienstleister und auch einige Platformmodelle unter Druck gerieten. Zuletzt besetzte Anthropic mit seinem Cyberscurity-Tool Claude Mythos die Schlagzeilen, da es angeblich in sehr kurzer Zeit Dutzende erhebliche Schwachstellen in weit verbreiteten Softwarearchitekturen aufdecken konnte. Die Ergebnisse hielt Anthropic geheim und machte sie nur den betroffenen Softwareunternehmen zugänglich.

Wer sind Konkurrenten von Anthropic?

Bekanntester Konkurrent ist der KI-Pionier OpenAI mit seinem LLM-Modell ChatGPT. Aber auch Google mit Gemini und SpaceX/xAI mit Grok konkurrieren mit Anthropic.