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EDITORIAL

Aufgebläht und abkassiert

Aufgebläht und abkassiert
29.06.2022 14:25:21

Sie haben es wieder getan. Obwohl Reality-Soap-Star Kim Kardashian und Ex-Boxchampion Floyd Mayweather wegen übermäßigen Trommelns für Kryptowährungen bereits in früheren Jahren Ärger mit den Behörden hatten, war die Versuchung offenbar zu groß.

Sie bewarben einen Coin namens EthereumMax, was den Kurs auf sagenhafte 0,00000025 US-Dollar anspringen ließ. Beide werden nun von einem Anleger verklagt, der daraufhin viel Geld mit der dubiosen Digitalwährung verloren hat. Dritter im Bunde ist der frühere Basketballprofi Paul Pierce, der Emax, wie die Digitalwährung auch kurz und knapp genannt wird, ebenfalls zum Kauf empfohlen hatte.

Der Vorwurf gegen die drei Prominenten lautet "pump and dump": Sie sollen die Kurse künstlich aufgebläht haben, um sich selbst zu bereichern. Außerdem sollen sie mit den Emax-Gründern Steve Gentile und Giovanni Perone gemeinsame Sache gemacht haben, um den Kurs, der vom Allzeithoch bei 0,000000597636 Dollar bereits 80 Prozent eingebüßt hatte, wieder nach oben zu kriegen, zitiert das Branchenportal Decrypt aus der Anklageschrift.

Allem Anschein nach waren die selbsternannten Kryptoexperten Kardashian, Mayweather und Pierce Teil eines groß angelegten Betrugs, auf den wiederum nur unbedarfte Menschen her- einfallen konnten, denen der Kapitalmarkt ein Buch mit Siegeln ist. Mehr Nullen hinter dem Komma als bei einer durchschnittlichen deutschen IBAN sprechen nicht gerade für Werthaltigkeit. Hinzu kommt, dass schon der Name EthereumMax in die Irre führt, denn mit dem eigentlichen Ethereum, der zweitwichtigsten Kryptowährung, hat dieser Coin rein gar nichts zu tun.

In BÖRSE ONLINE sind es nicht Modeverkäuferinnen oder ehemalige Sportskanonen, die Anlageempfehlungen geben, sondern gestandene Experten wie Thomas Gebert, den wir für einen monatlichen Indikator-Check der Börsenlage gewinnen konnten. Er kommt zu dem nüchternen Fazit, dass viele Digitalwährungen möglicherweise "weniger wert sind als gedacht" (siehe Titelgeschichte ab Seite 10). Qualifizierte Einschätzungen zum Kryptomarkt von Philipp Sandner und Gerd Weger lesen Sie außerdem ab Seite 42.

Börsenlegenden wie Warren Buffett sind von Coins und Token indes nicht wirklich überzeugt. Daran konnte auch der alljährliche Charity-Lunch im Kult-Steakhouse Smith & Wollensky mit einer Reihe von Krypto-Unternehmern nichts ändern, das Tron-Gründer Justin Sun 2019 für 4,6 Millionen Dollar ersteigert hatte. In diesem Jahr versteigerte Buffett letztmalig ein Mittagessen an seiner Seite für einen guten Zweck. Einem bislang unbekannten Bieter war es 19 Millionen Dollar wert - und die werden sicherlich nicht in einer Digitalwährung beglichen.

Ihr Jens Castner

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