Im September hatte es noch ein Wachstum von 1,8 Prozent gegeben, das auf einen Einbruch von 8,8 Prozent im August folgte. "Für die konjunkturellen Aussichten bedeutet der zweite starke Rückgang der Auftragseingänge innerhalb der letzten drei Monate einen weiteren Dämpfer", betonte das Bundeswirtschaftsministerium.

Dafür spricht auch der Vergleich mit dem Vorjahresmonat: Hier sanken die Bestellungen um 1,0 Prozent und damit erstmals seit mehr als einem Jahr. "Das ist ein Warnschuss vor den Bug der Konjunktur", kommentierte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch die Entwicklung. Diese zeige, "dass da etwas nicht in Ordnung ist". Für das schwache Abschneiden sorgte im Oktober neben fehlenden Großaufträge die schwache Auslandsnachfrage: Diese Bestellungen brachen um 13,1 Prozent zum Vormonat ein. Dabei sanken die Aufträge aus der Euro-Zone um 3,2 Prozent, während die aus dem restlichen Ausland um 18,1 Prozent nachgaben. Das um 3,4 Prozent wachsende Inlandsgeschäft konnte das nicht ausgleichen.

"Der Auftragsrückgang wirkt brutal", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Das Infektionsgeschehen in Asien macht sich nun bemerkbar." Dahinter dürfte sich vor allem China verbergen. "Neuerliche Lockdowns in Asien bremsen hierzulande die Industrie aus", sagte Gitzel dazu. "Die gegenwärtige Viruswelle ist damit eine neuerliche Belastung für die Weltwirtschaft."

WÄCHST DIE PRODUKTION TROTZDEM?


Trotz des Rückschlags könnte die Produktion aber steigen. Schließlich sitzt die Industrie auf einem rekordhohen Berg an Auftragsbeständen, der wegen Materialengpässen und gestörten Lieferketten bislang nicht abgetragen werden konnte. "Auch wenn sich die Nachfrage nach Industrieprodukten abschwächt, besteht bei der Produktion weiter deutliches Aufwärtspotenzial, wenn die Lieferengpässe bei Vorprodukten überwunden werden könnten", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

So entwickelte sich der Umsatz in der Industrie trotz der jüngsten Auftragsflaute positiv: Die realen Einnahmen lagen im Oktober um 3,6 Prozent höher als im Vormonat. Im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, war der Umsatz um 7,1 Prozent niedriger.

Selbst wenn die Produktion im zu Ende gehenden vierten Quartal wieder in Schwung kommen könnte, droht Europas größter Volkswirtschaft dennoch eine Rezession. So sagt die Commerzbank im laufenden Quartal ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt voraus, da wegen der vierten Corona-Welle viele Dienstleister wie Gaststätten, Hotels oder auch Einzelhändler unter den neuen Beschränkungen leiden dürften. Die Ausdehnung der 2G-Regel auf den Handel etwa verbannt faktisch rund 15 Prozent der Erwachsenen aus den Geschäften, die weder geimpft noch genesen sind, rechneten Experten vor.

Auch deshalb wird der Aufschwung im zu Ende gehenden Jahr nach Prognose der Bundesregierung eine Nummer kleiner ausfallen als ursprünglich gedacht. Sie senkte ihre Wachstumsprognose auf 2,6 Prozent von zuvor 3,5 Prozent. 2022 soll es zu einem Plus von 4,1 Prozent reichen, 2023 dann zu 1,6 Prozent

rtr