Wie Reuters am Montag aus dem Finanzministerium in Rom erfuhr, steht Italien jedoch als Retter bereit, sollte es bei privaten Investoren bis Jahresende nicht das benötigte Geld für die Sanierung einsammeln.

Dem Land drohte nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi nach dessen Niederlage beim Verfassungsreferendum eine lange Regierungskrise. Doch die Investoren an der Börse können aufatmen, nachdem der bisherige Außenminister Paolo Gentiloni zum Nachfolger ernannt wurde. Nun hoffen die Finanzmärkte darauf, dass er die Bankenkrise angeht. UniCredit war im Gegensatz zur tief in den roten Zahlen steckenden MPS zwar zuletzt in der Gewinnzone, doch ächzt sie ebenso wie der kleinere Rivale unter einer hohen Last fauler Kredite - Folge der jahrelangen Wirtschaftsflaute in Italien.

UniCredit verkauft Pioneer für 3,5 Milliarden Euro an die französische Amundi. Der Deal soll in der ersten Jahreshälfte 2017 über die Bühne gehen. Amundi erklärte, mit dem Geschäft werde die eigene Rolle als führender Vermögensverwalter Europas gestärkt. Zugleich werde das Unternehmen auch nach der Fusion weiterhin in großem Stil in italienische Anleihen investieren. Amundi-Chef Yves Perrier rechnet zudem damit, dass 450 von weltweit 5000 Stellen wegfallen werden.

Die UniCredit versucht seit längerem, ihre Kapitaldecke durch den Verkauf von Beteiligungen zu stärken. Zudem wird erwartet, dass das Mailänder Geldhaus am Dienstag eine Kapitalerhöhung von bis zu 13 Milliarden Euro ankündigen wird. Pioneer ist mit einem verwalteten Vermögen von 225 Milliarden Euro die Nummer sechs in Europa und die Nummer drei in Italien. Mit Amundi ist im Rahmen des Kaufs die Zahlung einer Sonderdividende von 315 Millionen Euro an UniCredit vereinbart worden. Die Bank erwartet für das kommende Jahr einen zusätzlichen Gewinn von 2,2 Milliarden Euro aus der Transaktion.

INVESTOREN REAGIEREN ERLEICHTERT



An der Börse wurde der Pioneer-Verkauf mit Erleichterung aufgenommen: Die Aktie von UniCredit legte um 2,5 Prozent zu. Noch stärker gefragt waren MPS-Papiere: Sie stiegen zeitweilig um 10,3 Prozent. Am Freitag hatten sie in etwa im gleichen Umfang an Wert verloren, weil die EZB der Krisenbank keinen Aufschub für die Suche nach frischem Geld einräumt.

Monte dei Paschi muss nun versuchen, bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro bei Anlegern einzusammeln. Experten sind skeptisch, ob dies gelingt. Im italienischen Finanzministerium hieß es, dort herrsche Zuversicht, dass der ältesten Bank der Welt dieses Manöver gelinge: "Falls die Operation aber scheitern sollte, würde der Staat eine vorsorgliche Rekapitalisierung vornehmen", sagte ein Insider. Eine solche Unterstützung würde Regierungskreisen zufolge allerdings einen Zwangsumtausch von Anleihen in Aktien erfordern.

Nach der weltweiten Finanzkrise von 2008 hatte man sich in Europa prinzipiell darauf geeinigt, dass Eigentümer und Gläubiger für Verluste von Banken haften sollen und nicht mehr primär die Steuerzahler. Bei Monti dei Paschi wären davon allerdings auch Zehntausende Kleinanleger betroffen, was die Sache politisch brisant macht.

Die Regierung in Rom hatte in der vergangen Woche angedeutet, sie sei bereit eine Notfallverordnung zu verabschieden, falls das Bankensystem Hilfe benötige. Die Entscheidung über eine MPS-Rettung sollte laut EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny nicht verschleppt werden. "Weil, glaube ich, doch ein gewisses Gesamtgefühl besteht, dass es nicht günstig wäre, Dinge zu lange hinauszuschieben", sagte Österreichs Notenbank-Gouverneur in Wien.

rtr