An Gold führt im Börsenjahr 2016 kein Weg vorbei. Während die Aktienmärkte wilde Kapriolen schlagen und die Zinsen weiter den Rückwärtsgang eingelegt haben, steht bei dem Edelmetall ein Plus von knapp 17 Prozent seit Silvester zu Buche. Das ist ordentlich.

Der steigende Goldpreis sorgte auch für eine Initialzündung bei den Goldminenaktien. Eine bemerkenswerte Dynamik zeigte zuletzt das nach Produktion führende Quartett in der Branche Anglogold, Barrick Gold, Goldcorp sowie Newmont Mining. Seit Jahresbeginn konnten sich die Kurse der beiden erstgenannten mehr als verdoppeln, bei Newmont Mining steht ein Plus von 70 Prozent zu Buche und Goldcorp schaffte im gleichen Zeitraum immerhin noch einen Zuwachs von 53 Prozent.



Dass die Minenbetreiber ganz oben auf der Liste der Profiteure steigender Edelmetall-Notierungen stehen, hat einen einfachen Grund: Pro verkaufte Unze bleibt mehr Geld in der Kasse übrig. Der Effekt fällt umso größer aus, je mehr die Konzerne in den vergangenen Jahren - als Gold stetig an Glanz einbüßte - in Restrukturierungen und Kostensenkungen investiert haben. Die Nummer 1 in diesem Geschäft, Barrick Gold, hat ihre Hausaufgaben gemacht und konnte so bereits vor der Kurswende des Edelmetalls operativ überzeugen. Im Schlussviertel 2015 verdiente der Konzern vor Sonderfaktoren 0,08 Dollar je Aktie, die Finanzgemeinde hatte lediglich 0,06 Dollar auf der Rechnung. Zudem machten die Kanadier bei der Reduzierung ihrer Schulden deutliche Fortschritte. Im vergangenen Jahr wurden die Verbindlichkeiten um drei auf zehn Milliarden reduziert. 2016 sollen diese um weitere zwei Milliarden sinken.

Eine gesündere Bilanzstruktur zeigt sich auch beim amerikanischen Konkurrenten Newmont Mining. Das Unternehmen senkte 2015 die Nettoverschuldung um 19 Prozent, verdoppelte den Free Cashflow auf 756 Millionen Dollar und verbesserte das operative Ergebnis um ein Drittel auf 2,7 Milliarden Dollar. Newmont geht 2016 von einer profitablen Goldproduktion zwischen 4,5 und fünf Millionen Unzen bei Gesamtkosten von unter 1000 Dollar pro Unze aus. Bereits sechs Quartale in Folge lagen diese unter der vierstelligen Marke. Dies zeigt klar das Gewinnpotenzial, sollte der Goldpreis das aktuelle Niveau halten oder sogar noch etwas anziehen.

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Das Angebot sinkt



Unterstützung könnte die Edelmetall-notierung von einer sinkenden Produktion bekommen. Experten gehen davon aus, dass die Goldproduktion 2015 wohl ihren Höhepunkt erreicht hat und nun in eine Phase mit einer rückläufigen Entwicklung eintritt. "Der Beginn dürfte 2017/2018 sein. Dies sollte den Goldpreis auf mittlere bis lange Sicht stützen", sagt Analyst Greg Barnes von TD Securities. Die von Newmont Mining genannten Produktionsziele liegen bereits unter dem Vorjahresniveau. Auch Konkurrent Goldcorp gab bekannt, seine Herstellung zurückzufahren. Für 2016 wird ein Output von 2,8 bis 3,1 Millionen Unzen prognostiziert, 2015 waren es noch 3,5 Millionen.

Anders als viele Mitstreiter operiert Goldcorp noch im negativen Bereich. Im vergangenen Jahr wiesen die Kanadier, insbesondere aufgrund von Abschreibungen, einen Verlust von 4,2 Milliarden Dollar aus. Zudem wurde die Dividende zusammengestrichen. "Goldcorp ist auf einem ähnlichen Weg wie Barrick Gold. Allerdings wird es noch sechs bis neun Monate dauern, bis sich der Ausblick und die Aktivitäten deutlich verbessern", urteilt Analystin Anita Soni von der Credit Suisse. Wir raten Anlegern, die Quartalszahlen am 27. April abzuwarten. Hier dürfte sich zeigen, ob Goldcorp auf dem richtigen Weg ist und die Aktie das Zeug für eine Aufholjagd hat.

Bei Anglogold haben die Ampeln dagegen bereits auf Grün umgeschaltet. 2015 schaffte es Afrikas größter Goldproduzent zurück in die Gewinnzone. Wie kostenbewusst Anglogold derzeit wirtschaftet, zeigt sich vor allem beim Schuldenabbau und den Produktionskosten. Die wichtige Maßzahl "All-in-Costs" fiel im Gesamtjahr um zehn Prozent auf 1001 Dollar je Unze. Im vierten Quartal lag der Wert mit 959 Dollar bereits im dreistelligen Bereich. Die Verschuldung reduzierte sich derweil um 30 Prozent. Trotz der jüngsten Kursrally zählt der Titel mit einem 2017er-KGV von klar unter 20 derzeit zu den günstigsten Goldminenaktien.



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