Knapp 2400 Euro gibt jeder Deutsche Jahr für Jahr für Versicherungen aus. Im Durchschnitt hat jeder, vom Säugling bis zum Greis, sechs Policen abgeschlossen. Und bei diesen Zahlen sind Pflichtverträge, beispielsweise die gesetzliche Arbeitslosenversicherung, noch nicht dabei.

Allerdings haben die Bundesbürger oft die falschen Kontrakte. So verfügt jeder dritte Haushalt nicht einmal über eine private Haftpflicht. Dabei ist diese Versicherung einfach unerlässlich. Kann doch schon eine winzige Unachtsamkeit - etwa im Straßenverkehr - Millionenschäden zur Folge haben. Andererseits besitzen drei von vier Haushalten wie selbstverständlich eine Hausratpolice, selbst wenn die Einrichtung von einem günstigen Versandhaus stammt.

€uro hat mehr als 60 Versicherungsarten von A - Z geordnet und deren Sinnhaftigkeit untersucht - Letzteres auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass eine Police nur dann absolut notwendig ist, wenn sie zwei Kriterien erfüllt: Sie gilt für Ereignisse, die einen finanziell ruinieren würden und die nicht völlig unwahrscheinlich sind. Gleichwohl kann die Einstufung, an der der Finanzdienstleister MLP mitgewirkt hat, nur eine grobe Orientierung bieten. Sie ist in fünf Personengruppen (Singes/Junge Berufstätige, Paare mit Kindern, Paare ohne Kinder, Senioren, Immobilienbesitzer) und drei Stufen (siehe Seite 2) unterteilt.

Zusätzlich sind bei vielen Versicherungen empfehlenswerte Tarife oder beispielhafte Anbieter genannt. Diese Angaben stammen im Wesentlichen aus Tests von €uro. Ebenfalls zurate gezogen wurden Untersuchungen der Zeitschrift "Finanztest" und der Ratingagentur Franke und Bornberg. Zudem eingeflossen sind Angaben aus den Büchern "Gut versichert" (Stiftung Warentest; 19,90 Euro) und "Leitfaden Versicherungen" (Bund der Versicherten; 14,80 Euro).



Beruf



Berufsunfähigkeits-Versicherung



Die Zahl ist erschreckend: Die Wahrscheinlichkeit für einen 20-Jährigen, im Lauf seines Erwerbslebens zeitweise oder dauerhaft berufsunfähig zu werden, liegt bei 43 Prozent. Das hat die Vereinigung der Versicherungsmathematiker DAV errechnet.

Zwar hat die Versicherungsbranche bei solchen Daten erhebliche Sicherheitspuffer einkalkuliert. Dennoch sind sich Verbraucherschützer und Anbieter mal ausnahmsweise einig: Verbraucher sollten unbedingt versuchen, eine Police gegen Berufsunfähigkeit (BU) abzuschließen. Allerdings sieht es bei der tatsächlichen Verbreitung anders aus: Es gibt in lediglich knapp einem Drittel aller Haushalte, deren wichtigster Einkommensbezieher jünger als 65 Jahre alt ist, eine solche Absicherung. Das mag zum einen daran liegen, dass viele das tatsächliche Risiko unterschätzen. Doch selbst wer sich um einen Vertrag bemüht, tut sich oft schwer, auch tatsächlich einen zu bekommen - vor allem wenn er Tätigkeiten ausübt, die als besonders gefährdet gelten. Das sind viele Handwerksberufe, etwa Dachdecker, aber auch Akademikerjobs, etwa Lehrer. Umgekehrt versucht jeder Versicherer, gerade jene Kunden zu bekommen, bei denen eine BU unwahrscheinlich ist.

Konsequenz für alle Interessenten: Wer exakt ins Raster passt, bekommt einen extrem günstigen Vertrag. Wenn aber auch nur ein Detail abweicht, lehnt der Versicherer möglicherweise ab, schließt bestimmte BU-Risiken aus, etwa Rückenleiden oder psychische Erkrankungen. Oder die Prämie schnellt in die Höhe.

Generell empfiehlt es sich, Angebote bei mehreren Versicherern einzuholen. Das zeigt eine Studie des unabhängigen Versicherungsmaklers Helge Kühl. Im Schnitt waren fünf Anläufe nötig, bis mindestens eine Offerte mit akzeptablen Preisen und Bedingungen zurückkam.

Wichtig: Wer sich für eine BU-Police interessiert, sollte seine Anfragen nicht auf eigene Faust stellen. Wird der Antrag abgelehnt, riskiert man, dass seine Daten im Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) gespeichert werden. Und eine Ablehnung verringert die Erfolgsaussichten von Anträgen bei anderen Anbietern. Der Bund der Versicherten empfiehlt, vor einem konkreten Antrag per anonymer Anfrage zu ermitteln, ob es überhaupt Chancen auf einen Vertrag gibt. Diese Risikovoranfrage können Verbraucher über Versicherungsberater und -makler stellen.

Wer keine BU-Police bekommt, hat Alternativen. All diese Policen bieten - wenn man eine Parallele zum Auto zieht - quasi eine Teilkasko-Lösung mit unterschiedlichen Umfängen, während Berufsunfähigkeitspolicen der Vollkaskoschutz für die Arbeitskraft sind.

Mögliche Alternativen:

Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Schwere-Krankheiten-Versicherung, Unfallversicherung (privat), Grundfähigkeitsversicherung, Funktionsinvaliditätsversicherung.

Toptarife Student:

Europa (starterVorsorge BU Premium), Volkswohl Bund (SBU Perfect Start), Nürnberger (Einsteiger BU nach Tarif SBU2800FC)

Toptarife jüngerer Angestellter:

Canada Life (SBU), Basler (Basler BU), Dialog (SBU-professional)

Toptarife älterer Angestellter:

Nürnberger (Selbstständige BU nach Tarif SBU2800C), HDI (SBU EGO Top), Barmenia (SoloBU (L3651)

Toptarife Selbstständiger:

Ergo (Ergo BU), Stuttgarter (BUV-PLUS, Tarif 91), Basler (Basler BU)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: empfehlenswert/ verpflichtend
Eltern: empfehlenswert/ verpflichtend
Paare ohne Kinder: empfehlenswert/ verpflichtend
Senioren: ungeeignet/ irrelevant
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant




Alltag



Haftpflichtversicherung (Privat)



Das unbewohnte Haus zog das Mädchen magisch an. Die Zehnjährige schlich sich hinein, zündete ein Buch an und entfachte damit ein Feuer in einem Plastikkorb, der auf einer Matratze abgestellt war. Der Brand geriet außer Kontrolle und erfasste das ganze Gebäude. Sachschaden: 200 000 Euro. Die Haftpflichtversicherung der Eltern zahlte.

Der Fall zeigt: Wohl dem, der einen solchen Schutz hat. Versichert sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die unabsichtlich verursacht werden. Manche Policen sind gesetzlich vorgeschrieben, etwa die Jagdhaftpflicht oder - in einigen Bundesländern - die Hundehalterhaftpflicht. Der Versicherer zahlt, wenn ein Radfahrer einen Fußgänger verletzt, wenn ein Nachbar auf dem nicht gestreuten, vereisten Weg vor dem Einfamilienhaus ausrutscht oder wenn der neunjährige Sohn der Familie im Nachbarhaus mit Streichhölzern spielt und ein Loch in den Teppich brennt. Der Versicherer zahlt selbst dann uneingeschränkt, wenn grobe Fahrlässigkeit im Spiel war. Weiterer Vorteil: Sie müssen sich nicht mit den Forderungen der Geschädigten auseinandersetzen oder Anwälte und Gerichte einschalten. Denn auch das übernimmt Ihre Versicherung und bietet Ihnen eine Art Rechtsschutz, falls unberechtigte Schadenersatzansprüche gegen Sie geltend gemacht werden.

Für eine Familie reicht eine einzige Police, denn der Ehepartner sowie minderjährige Kinder sind ohne Zuschlag mitversichert. Kinder unter sieben Jahren - im Straßenverkehr unter zehn Jahren - gelten als schuldunfähig. Wenn sie einen Schaden verursachen, zahlt der Versicherer nur, wenn Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Einige Anbieter haben ihre Bedingungen entsprechend erweitert.

Beispiele für Lücken im Schutz

: Schädigen sich Familienangehörige oder andere Versicherte, die über einen gemeinsamen Vertrag geschützt sind, gegenseitig, zahlt der gemeinsame Versicherer nicht.

Deshalb: Wenn unverheiratete Lebenspartner im gleichen Haushalt leben und ein Partner mitversichert werden soll, ist meist ein ausdrücklicher Antrag notwendig. Der Partner sollte dann in der Versicherungspolice genannt sein. Auch Schäden in Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit sind nicht abgedeckt. Schäden an gemieteten oder geliehenen Gegenständen sind häufig vom Schutz ausgeschlossen, manche Versicherer übernehmen sie aber.

Der Versicherer zahlt nur bis zur vereinbarten Deckungssumme, die deshalb möglichst hoch angesetzt sein sollte. Die Höhe der Beiträge bei niedriger und hoher Deckung ist meist nicht sehr unterschiedlich. Top-anbieter offerieren jeweils Deckungssummen von 50 Millionen Euro.

Sinnvoll ist auch, eine Forderungsausfalldeckung einzuschließen. Diese springt ein, wenn Sie selbst geschädigt werden und der Verursacher nicht in der Lage ist, für den Schaden aufzukommen. Auch kann man über eine zusätzliche Deckung von Gefälligkeitsschäden nachdenken.

Für spezielle Gruppen sind Zusatzdeckungen sinnvoll:

Gewässerschadenhaftpflicht für Öltankbesitzer, Bauherrenhaftpflicht für alle, die ein Haus bauen, Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht für Vermieter, Hundehalterhaftpflicht, Pferdehaftpflicht für Pferdebesitzer

Toptarife:

Schwarzwälder Direkt (Exclusiv Fair Play), Schwarzwälder Direkt (Exclusiv Fair Play Plus), WGV-Himmelblau (Familie), HUK24 (Classic), Grundeigentümer (Direkt Plus), Ostangler (Exclusiv Fair Play), Docura (Familie/Partner), Astra (Quality), HUK-Coburg (Classic), Medien (Komfort)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: empfehlenswert/ verpflichtend
Eltern: empfehlenswert/ verpflichtend
Paare ohne Kinder: empfehlenswert/ verpflichtend
Senioren: empfehlenswert/ verpflichtend
Immobilienbesitzer: empfehlenswert/ verpflichtend




Auto



KFZ-Versicherung



Bei alten Autos reicht es häufig, nur eine Kfz-Haftpflichtpolice abzuschließen. Doch Verbraucherschützer raten, dass ein Fahrzeug zumindest in den ersten drei Jahren vollkaskoversichert sein sollte, während nach etwa zehn Jahren selbst der Teilkaskoschutz nicht mehr unbedingt nötig sei. Der Bund der Versicherten rät zu einer Selbstbeteiligung von 150 Euro in der Teilkasko und von maximal 500 Euro in der Vollkasko, um die Beiträge zu senken.

KFZ-Haftpflicht



Sie ist gesetzlich vorgeschrieben und deckt Schäden beim gegnerischen Unfallfahrzeug und dessen Insassen ab. Auch die Insassen des eigenen Fahrzeugs sind geschützt, weshalb eine eigene Insassenunfallversicherung unnötig ist. Der Fahrer selbst und Schäden am eigenen Auto bekommen allerdings keine Deckung. Für den Schutz des Fahrers ist in jedem Fall der Abschluss einer zusätzlichen Fahrerunfallversicherung sinnvoll.

Die Haftpflichtpolice bietet zudem Rechtsschutz, weil sie unberechtigte Ansprüche Dritter abwehrt. Vorsicht: Unfälle durch Alkohol- und Drogenkonsum regulieren die Gesellschaften zwar, doch werden sie versuchen, sich das Geld vom Versicherten zurückzuholen. Es sollten bei Personenschäden mindestens 50 Millionen Euro gedeckt sein, bei Sachschäden sind zehn Millionen Euro empfehlenswert.

Weitere wichtige Kriterien sind:


Mallorca-Police: Diese Option erhöht die Deckung für Mietwagen im europäischen Ausland auf deutsches Niveau. Die Mallorca-Police kostet meistens keinen Aufschlag.
Verspätete Anzeige: Bis zu welcher Schadenhöhe reguliert der Versicherer einen Schaden, den der Versicherte selbst tragen will, dann aber doch verspätet einreicht?
Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht: Welche Nachzahlung wird fällig, wenn der Kunde im Antrag falsche Angaben gemacht hat, etwa wenn die tatsächliche durchschnittliche jährliche Laufleistung des Wagens höher liegt als angegeben?

Toptarife:

Baden-Badener (Komfort), DA (Komfort), Direct Line (Klassik)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: empfehlenswert/ verpflichtend
Eltern: empfehlenswert/ verpflichtend
Paare ohne Kinder: empfehlenswert/ verpflichtend
Senioren: empfehlenswert/ verpflichtend
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant




Auto



KFZ-Teilkasko



Sie zahlt, wenn das eigene Auto gestohlen oder durch bestimmte Ursachen beschädigt wird, etwa wenn Hagel Spuren im Lack hinterlässt oder bei Sturm ein Ast auf den Wagen fällt. Ebenfalls eingeschlossen sind Glasbruch sowie Kabelschäden durch Kurzschluss.

Toptarife:


- Baden-Badener (Komfort), Sparkassen Direktversicherung (Auto-plus-Protect)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: bedingt geeignet
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: bedingt geeignet
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant


KFZ-Vollkasko:



Sie zahlt, wenn das eigene Auto durch eigenes Verschulden beschädigt wird oder wenn Dritte das Fahrzeug mutwillig beschädigen. Außerdem ist der volle Teilkaskoschutz inbegriffen.

Weitere wichtige Kriterien sind:


- Neuwertentschädigung: Innerhalb welcher Frist nach Neukauf wird der komplette Neupreis bei einem Totalschaden ersetzt? Gute Tarife leisten auch noch nach 18 Monaten.
- Kaufwertentschädigung: Innerhalb welcher Frist nach Gebrauchtkauf wird der komplette Kaufpreis ersetzt? Hier sind bei leistungsstarken Anbietern 14 Monate drin.

Toptarife:

Direct Line (Premium), Sparkassen Direktversicherung (Auto-plus-Protect), Hannoversche

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: bedingt geeignet
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: bedingt geeignet
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant




Gesundheit



Krankenversicherung



Das deutsche Krankenversicherungssystem ist unterteilt in gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und private Krankenversicherung (PKV). In Deutschland besteht Versicherungspflicht, die von den gesetzlichen Krankenkassen garantiert wird. Sie müssen neben versicherungspflichtigen Angestellten grundsätzlich alle Bewerber aufnehmen - auch solche, die nicht der Versicherungspflicht unterliegen, also auch Gutverdiener, Freiberufler, Selbstständige und Beamte. Wer vorher privat krankenversichert war und in die Gesetzliche wechseln will, muss allerdings spezielle Regeln beachten. Welche dies im Einzelnen sind, wird unter der Überschrift "Private Krankenversicherung" erklärt. Privat versichern können sich neben Selbstständigen und Beamten auch Angestellte, die monatlich mehr als 4687,50 Euro brutto verdienen (2017: 4800 Euro).

Beide Systeme unterscheiden sich vor allem darin, was den Versicherten geboten wird. So haben gesetzliche Kassen einen Leistungskatalog, der vom Gesetzgeber geändert werden kann. Nur einen Bruchteil der Leistungen können die Kassen selbst bestimmen. Hingegen können Privatversicherte ihr Leistungsspektrum selbst definieren und haben die Garantie, dass sie diese Leistungen auch noch nach Jahrzehnten erhalten, allerdings ist die Höhe der Prämie variabel.

Gesetzliche Krankenversicherung



Anders als bei der privaten Krankenversicherung spielt bei der gesetzlichen die Gesundheit des Antragstellers keine Rolle für dessen Beitrag, wohl aber sein Einkommen. Derzeit beträgt der Basissatz der gesetzlichen Krankenversicherung 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Bei abhängig Beschäftigten zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte dieses Betrags. Hinzu kommt ein kassenindividueller und nur vom Arbeitnehmer zu zahlender Zusatzbeitrag, der im Schnitt weitere 1,1 Prozent des Bruttos beträgt. Es gibt Krankenkassen, die keinen Zusatzbeitrag verlangen, und solche, die 1,9 Prozent des Bruttoeinkommens extra kassieren.

Die Bemessungsgrundlage für die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung liegt derzeit bei 4237,50 Euro im Monat (2017: 4350 Euro). Das heißt: Auch wer deutlich mehr verdient, zahlt nur so viel, als würde er exakt diese Summe verdienen. Selbstständige und Freiberufler zahlen zwar nur den ermäßigten Beitragssatz von derzeit 14 Prozent, sie bekommen aber kein Krankengeld. Um den Verdienstausfall während einer Krankheit abzusichern, empfiehlt es sich deshalb, bei der gesetzlichen Krankenkasse ein Krankengeld als Wahltarif oder eine zusätzliche private Krankengeldversicherung abzuschließen.

Obwohl die bundesweit 88 für die Allgemeinheit geöffneten Krankenkassen kaum Spielraum haben, sich voneinander abzugrenzen, sind die Unterschiede in bestimmten Lebenssituationen spürbar. Das beginnt bei Kassen, die besonders viel Wert auf die Versorgung von Schwangeren legen, und endet bei solchen, die ein gutes Angebot für chronisch Kranke haben. Aber die Leistung ist keineswegs garantiert. Es kann sein, dass man sich bei einer Krankenkasse versichert, weil diese für einen selbst besonders gute Leistungen bietet, aber dieses Angebot nicht mehr existiert, wenn man es nach einigen Jahren braucht. Daher sollten gesetzlich Versicherte, die auf bestimmte Leistungen Wert legen, ihre Kasse immer wieder unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls wechseln. Gesetzlich Versicherte können in der Regel 18 Monate nach Vertragsschluss wechseln. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende. Die Mindestbindungsfrist entfällt, wenn die Kasse ihren Zusatzbeitrag erhöht.

Für Familien hat die GKV einen immensen Vorteil: Die Kinder sind bei den Eltern beitragsfrei mitversichert. Sie brauchen also keine eigene Police, wie es bei der PKV üblich ist.

Top-Krankenkassen, die bundesweit aktiv sind:

Hanseatische Krankenkasse (HEK), Techniker Krankenkasse (TK), Securvita



Gesundheit



Private Krankenversicherung



In der privaten Krankenversicherung richtet sich die Prämie, die bei Vertragsabschluss vereinbart wird, nach der Gesundheit des Versicherten. Und sie steigt, wenn die Versicherten im jeweiligen Tarif mehr Kosten verursachen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass junge, gesunde Privatversicherte im Vergleich zur GKV viel Geld sparen können. Das ändert sich, wenn sie im Alter tatsächlich weniger gesund sind oder das Risiko für das eine oder andere Wehwehchen steigt. Dann schnellen die Beiträge in die Höhe und übersteigen den Beitragssatz der GKV schnell um das Doppelte.

Zwar legen die privaten Versicherer bereits in jungen Jahren einen Teil des Beitrags als Alterungsrückstellung beiseite, doch diese Ersparnis reicht bestenfalls, um den Anstieg der Beiträge zu dämpfen. Daher lohnt es sich für Privatversicherte, schon früh Geld anzusparen, um im Alter nicht von den hohen Prämien erdrückt zu werden. Auch Tarife mit Selbstbeteiligung sind ein weiterer Kniff, um niedrigere Beiträge zu zahlen.

PKV im Alter: Während gesetzlich versicherte Rentner wie früher im Arbeitsleben vom Unternehmen knapp die Hälfte des Beitrags vom Staat gezahlt bekommen, erhalten Privatversicherte nur einen Bruchteil aus der Rentenkasse als Zuschuss. Daher kann es sich lohnen, schon vor Rentenbeginn den Vertrag anzupassen und Unnötiges zu streichen oder Selbstbeteiligungen zu vereinbaren.

Private Krankenversicherer sind verpflichtet, ihren Kunden andere, günstige Tarife ohne erneute Gesundheitsprüfung zu öffnen. Da die Tarifwelt in der PKV allerdings für Normalbürger schwer zu durchschauen ist, lohnt es sich hier, einen Experten zurate zu ziehen. Das kann der Makler sein, der ursprünglich die Police verkauft hat, oder ein unabhängiger Versicherungsberater, dessen Honorar sich nach seinem Zeitaufwand berechnet. Anbieter, die beispielsweise online versprechen, die PKV günstiger zu machen, bieten häufig an, nicht nur den Tarif, sondern gleich den Versicherer zu wechseln. In diesem Fall sind die Alterungsrückstellungen ganz oder teilweise weg, obendrein ist eine neue Gesundheitsprüfung fällig, und die fällt im Alter von 50 Jahren sicher schlechter aus als mit Anfang 30.

Sind alle Alternativen zu teuer, bietet die Private zwei Tarife auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung: Wer vor 2009 privat versichert war, kann in den Standardtarif wechseln. Für Versicherte, deren Vertrag nach 2009 geschlossen wurde, gibt es den Basistarif. Beide kosten maximal den Höchstbeitrag der GKV, das sind derzeit pro Monat rund 650 Euro.

Privatversicherte können aber auch wieder zurück in die GKV wechseln. Hierfür müssen sie jünger als 55 sein und mindestens einen Monat unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdienen. Bei Versicherten, die bereits vor 2009 versichert waren, gilt -sogar eine Bemessungsgrenze von 4050 Euro pro Monat. Das Problem: Der Arbeitgeber muss mitspielen und nach dem einen Monat dem Angestellten auch wieder seinen alten, höher dotierten Vertrag anbieten. Außerdem wird der Beitrag bei freiwillig versicherten Rentnern auf Basis aller Einkünfte berechnet.

Top-Privatversicherer:

Debeka, Hallesche, R + V

Gesetzlich oder Privat?



Wer die Wahl hat, sich privat zu versichern oder in der Gesetzlichen zu bleiben, sollte abwägen: Für Familien bietet die GKV durch kostenlose Mitversicherung einen schier unschlagbaren finanziellen Vorteil. Allerdings gibt es für Umfang und Niveau der Leistungen keine Garantien. Andererseits können gesetzlich Versicherte jederzeit ihre Kasse wechseln und sich so zumindest etwas besserstellen.

Wer sich privat versichert, sollte in jedem Fall seinen Tarif und seinen Versicherer mithilfe eines Experten sorgfältig aussuchen und sich des Risikos steigender Prämien bewusst sein. Andererseits ist er mit einem leistungsstarken privaten Tarif besser versorgt als in der GKV.

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: empfehlenswert/ verpflichtend
Eltern: empfehlenswert/ verpflichtend
Paare ohne Kinder: empfehlenswert/ verpflichtend
Senioren: empfehlenswert/ verpflichtend
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant




Alter



Rentenversicherung (privat)



Sie ist der Vorsorgeklassiker für viele Erwerbstätige. Denn sie bietet als einziges Finanzprodukt die Möglichkeit, regelmäßige Auszahlungen bis ans Lebensende zu erhalten (oft ist auch eine Auszahlung zu Rentenbeginn auf einen Schlag möglich). In den meisten Fällen ist die Höhe der Rente schon bei Vertragsabschluss garantiert - mit Aussicht auf zusätzliche Renditen. Diese Sicherheit hat aber ihren Preis: Die Renditechancen sind oft sehr niedrig.

Auch sind die Verträge in vielen Fällen recht unflexibel. Wer seinen Vertrag kündigt - und das tun nach Angaben von Verbraucherschützern mehr als die Hälfte der Kunden -, wird mit relativ wenig Geld abgespeist. Insbesondere in den ersten Vertragsjahren sind die Verluste immens.

Bei den meisten Policen gibt es zwei Möglichkeiten der Einzahlung: laufend oder einmalig. Die laufende Beitragszahlung kann sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken, unter gewissen -Voraussetzungen ist die Auszahlung dann steuerbegünstigt und bei vielen Altverträgen sogar gänzlich steuerfrei. Bei Einmalzahlungen kann die Verrentung unmittelbar erfolgen (sogenannte Sofortrente) oder erst in der Zukunft (aufgeschobene Rente). Einmalzahlungen kommen beispielsweise für ältere Sparer infrage, die bald aus dem Berufsleben ausscheiden und eine größere Summe zur Verfügung haben. Genereller Nachteil bei den lebenslangen Auszahlungen: Sie sind oft sehr niedrig kalkuliert, damit der Versicherer trotz steigender Lebenserwartung auf jeden Fall im Plus ist.

Zwei Zusatzvereinbarungen, die nicht viel Geld kosten, sind sinnvoll. Zum einen die sogenannte Beitragsrückgewähr. Hier gibt der Versicherer die einbezahlten Beiträge an die Hinterbliebenen zurück, falls der Versicherte vor der ersten Rentenzahlung sterben sollte. Zum anderen eine Rentengarantiezeit. Dann zahlt der Versicherer die Rente zumindest für eine vorgegebene Zeitspanne - fünf, zehn oder 15 Jahre -, selbst wenn der Versicherte etwa schon ein Jahr nach der ersten Rentenzahlung sterben sollte.

Klassische Rentenversicherung



Der Anbieter zahlt mindestens den staatlich festgelegten Garantiezins. Er liegt für Neuverträge derzeit bei 1,25 Prozent pro Jahr und sinkt ab Anfang 2017 auf 0,9 Prozent. Der Zinssatz gilt nicht für sämtliche geleisteten Beiträge, sondern nur für das, was nach Kosten übrig bleibt. Andererseits bezieht er sich auch auf Vermögenszuwächse im Vertragsverlauf, bietet also einen Zinseszinseffekt. Allerdings ist er insgesamt so niedrig, dass bei einer reinen Garantieverzinsung neue Verträge derzeit erst nach 15 bis 20 Jahren Laufzeit im Plus sind - ab 2017 fällt die Rechnung noch schlechter aus.

Bei dieser Garantierente muss es jedoch nicht bleiben. Interessant wird das Produkt durch das, was die Kunden zusätzlich an Überschüssen bekommen. Denn die Versicherer legen das Geld am Kapitalmarkt an und haben in den vergangenen Jahrzehnten fast immer Renditen erzielt, die über der Inflationsrate lagen. Zuletzt tun sie sich aber schwer, weil sie die Mittel meist in Anleihen investieren müssen, um die jährliche Garantieverzinsung in jedem Fall zu erwirtschaften. Doch angesichts des weltweiten Zinstiefs ist hier immer weniger zu holen.

Toptarife für laufende Beiträge:

Europa (E-R1), Interrisk ((D) SLR1), HUK24 (RAGT24)

Toptarife für Sofortrente:

Europa (E-R1 + RG), Hanse-Merkur (R 2015S), Die Bayerische (15860)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: bedingt geeignet
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: ungeeignet/ irrelevant
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant




Alter



Fondsgebundene Rentenversicherung



Bei diesen Verträgen werden die Prämien abzüglich Kosten in Fonds investiert, welche der Kunde üblicherweise selbst auswählen kann. Die Freiheit bei Auswahl und Wechselmöglichkeiten differieren teilweise stark von Tarif zu Tarif. Auch hier sind Garantien möglich, die sich allerdings fast immer nur auf den Zeitpunkt des Vertragsendes beziehen, nicht auf einzelne Punkte im Vertragsverlauf. So können beispielsweise garantiert 100, 80 oder 60 Prozent der eingezahlten Beiträge zurückfließen. Die Fonds werden quasi umhüllt von einem Versicherungsmantel, der Steuervorteile und - falls gewünscht - eine Verrentung des Kapitals ermöglicht.

Fondspolicen bieten üblicherweise mehr Renditechancen als Policen mit Garantiezins, weil man im Extremfall komplett in Aktien investiert sein kann. Im Gegenzug sind die Risiken höher. Die verschachtelte Konstruktion ist besonders intransparent und wird von vielen Anbietern benutzt, um hohe Kosten zu verstecken.

Topanbieter (ohne Garantien) mit hohem Aktienanteil:

Condor, HUK-Coburg, Allianz, Swiss Life, Canada Life

Topanbieter (ohne Garantien) mit mittlerem Aktienanteil:

Allianz, Swiss Life, Canada Life, AXA, R + V

Topanbieter (ohne Garantien) mit geringem Aktienanteil:

Canada Life, R + V, AXA, HUK-Coburg, Interrisk

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: bedingt geeignet
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: ungeeignet/ irrelevant
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant


Indexgebundene Rentenversicherung



Wichtigste Weiterentwicklung klassischer Rentenversicherungen - fast im Monatstakt kommen neue Produkte auf den Markt. Garantiert sind nur die eingezahlten Beiträge zu Laufzeitende. Das Geld ist im selben Kapitalstock investiert wie bei klassischen Policen. Der Kunde kann in regelmäßigen Abständen vorab entscheiden, ob er die normale Überschussbeteiligung einsteckt oder sich an der Wertentwicklung einer oder mehrerer Börsenindizes beteiligt. Komplizierte Vertragskonstruktionen. Etwas höhere Chancen und Risiken als klassische Policen.

Toptarife:

Allianz (Privatrente Indexselect), Nürnberger (DAX-Rente), Volkswohl-Bund (Klassik Modern/IR, IR+)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: bedingt geeignet
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: ungeeignet/ irrelevant
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant




Alter



Riester-Rentenversicherung



Der Staat winkt mit Zulagen und Steuervorteilen - je nachdem, was für den Kunden günstiger ist. Förderfähig sind, grob gesagt, alle abhängig Beschäftigten plus deren Partner. Maximal sind Beitragszahlungen in Höhe von vier Prozent des Bruttovorjahreseinkommens möglich (maximal 2100 Euro minus Zulagen). Ein Riester-Vertrag ist für die Altersvorsorge in vielen Fällen gut geeignet - vor allem für Gutverdiener (wegen der Steuervorteile) und für Eltern (wegen der Kinderzu-lagen). Es gibt neben Versicherungen noch eine Reihe weiterer Riester-Formen, die unter Umständen vorteilhafter sind. Beim Abschluss sollten, wie auch bei betrieblicher Altersvorsorge und Rürup, die steuerlichen Aspekte beachtet werden.

Toptarife (mit Garantiezins):

HanseMerkur24 (Riester Meister), Hanse-Merkur (Riester Care), Alte Leipziger (Fiskal)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: empfehlenswert/ verpflichtend
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: ungeeignet/ irrelevant
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant


Rentenversicherung in der betrieblichen Altersvorsorge



Jeder sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hat das Recht, dass sein Arbeitgeber ihm eine Betriebsrente ermöglicht. Den Weg und den konkreten Anbieter darf der Chef bestimmen. Beliebteste Spielart ist die sogenannte Direktversicherung (nicht zu verwechseln mit Versicherern, die ohne Vertrieb auskommen). Der Staat winkt mit Vorteilen bei Steuern und Beiträgen. So sind 2016 maximal 2976 Euro pro Jahr von Steuern und Sozialabgaben befreit (2017: 3048 Euro). Für Kontrakte, die seit Anfang 2005 abgeschlossen wurden, sind jährliche Einzahlungen von weiteren 1800 Euro steuerfrei, aber sozialabgabenpflichtig.

Die Sache lohnt sich meist nur, wenn der Arbeitgeber etwas zuzahlt. Vorsicht: In der Rentenphase müssen Mitglieder gesetzlicher Krankenversicherungen den vollen Beitrag bezahlen, also auch den Arbeitgeberanteil.

Toptarife (mit Garantiezins):

Europa (Flexible Renten-Police Tarif E-R1 (DV)), CosmosDirekt (Direktversicherung Tarif RDH), HUK-Coburg (RAGTB)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: bedingt geeignet
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: ungeeignet/ irrelevant
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant


Rürup-Rentenversicherung



Sie wird auch Basisrente genannt und ist als Pendant zur Riester-Rente für Selbstständige konzipiert worden. Sie bietet umfangreiche Steuervorteile und hilft, schnell Altersvorsorgevermögen aufzubauen. Zudem ist das Guthaben in der Ansparphase üblicherweise pfändungssicher. Jedoch sind die Regeln sehr streng: Sie ist unkündbar und muss als monatliche Rente ausgezahlt werden. Manchmal sind Rürup-Fondssparpläne die bessere Wahl als Rürup-Rentenpolicen.

Toptarife (mit Garantiezins):

Europa (E-R1B), VHV (VGVRB4), HanseMerkur (RB)

Fazit:
Singles und junge Berufstätige: bedingt geeignet
Eltern: bedingt geeignet
Paare ohne Kinder: bedingt geeignet
Senioren: ungeeignet/ irrelevant
Immobilienbesitzer: ungeeignet/ irrelevant