Verstärkt wurde die Verunsicherung der Investoren durch die Krise des italienischen Bankensektors, der auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzt. "Italien könnte ein größeres Risiko für die Stabilität der Euro-Zone sein als der Brexit", warnte Andrew Edward, Chef des Brokerhauses ETX Capital. Das Land habe nach der Lehman-Pleite 2008 seine Hausaufgaben nicht gemacht und den Finanzsektor nicht reformiert. Auch Konstantin Oldenburger, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, äußerte sich kritisch. "Der EU-Banken-Stresstest Ende des Monats könnte hier weitere Löcher und Schwächen der einzelnen Banken aufdecken."

Größtes Sorgenkind ist weiterhin Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS). Die faulen Kredite des ältesten Geldhauses der Welt stünden mit überhöhten Werten in der Bilanz, sagte ETX-Experte Edwards. Daher sei es schwierig, sich dieser zu entledigen und frisches Kapital aufzutreiben. BMPS-Aktien rutschten um weitere zehn Prozent ab und markierten mit 0,2969 Euro ein Rekordtief.

Aber auch die größte italienische Bank, die HVB-Mutter Unicredit, benötigt Analysten zufolge zusätzliches Geld. Peter Garnry, Chef-Aktienstratege der Saxo Bank, taxiert den Bedarf auf acht Milliarden Euro. Unicredit fielen zunächst auf ein Rekordtief von 1,79 Euro, stiegen dank einer Kaufempfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs bis zum frühen Nachmittag allerdings um 5,4 Prozent auf 1,90 Euro.

BANK VON ENGLAND WARNT VOR BREXIT-FOLGEN UND STEUERT GEGEN



Bestätigt sahen sich die Konjunkturpessimisten von Aussagen des britischen Notenbankchefs Mark Carney. Er warnte vor gravierenden Folgen des Brexit für die Wirtschaft auf der Insel. Gleichzeitig lockerte er die Kapitalvorschriften für die Geschäftsbanken, damit diese die Krise besser meistern. Nun stehen den Geldhäusern insgesamt 150 Milliarden Pfund (176 Milliarden Euro) zusätzlich zur Verfügung, die sie zum Beispiel als Kredite vergeben können.

Diese Ankündigung hievte den FTSE knapp ins Plus. Immobilienwerte wie Berkeley, Barratt oder Taylor Wimpey brachen dagegen um bis zu 6,5 Prozent ein. Die Geschäfte der Branche liefen im Juni so schlecht wie seit sieben Jahren nicht mehr. "Die Probleme liegen aber noch vor uns", warnte Jerome Schupp, Chef-Analyst des Vermögensverwalters SYZ. "Anleger werden bis zum Start der Bilanzsaison in einigen Tagen vorsichtig bleiben."

BOND-RENDITEN WEITER AUF DEM RÜCKZUG - GOLD BLEIBT TEUER



Vor diesem Hintergrund erfreuten sich vermeintlich sichere Anlagen weiterhin großer Beliebtheit. Die "Antikrisen-Währung" Gold hielt sich mit 1346,01 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) in Reichweite ihres Zwei-Jahres-Hochs. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe schrammte mit minus 0,164 Prozent haarscharf an ihrem Rekordtief vorbei. Schweizer Bonds sind ein noch größeres Verlustgeschäft. Am Dienstag rentierten sogar die Papiere mit einer Laufzeit von 50 Jahren erstmals unter null Prozent.