IPOS IM BLICK

Börsengänge im Blick: Schwergewichte aufs Parkett

Börsengänge im Blick: Schwergewichte aufs Parkett

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24.05.2019 - 19:45
09.05.2019 03:00:00

Milliardenschwere Wachstumsfirmen drängen an die Wall Street. In den USA erwarten Experten neues Rekordvolumen. Wie Anleger den Boom nutzen. Von K. Schachinger und S. Parplies, Euro am Sonntag

Man kann ja mal träumen: Wer Anfang März Aktien von Zoom Technologies für 1.000 Dollar gekauft hätte, wäre im April plötzlich Millionär gewesen. Aber auch nur dann, wenn er die Papiere rechtzeitig losgeschlagen hätte. Übereifrige Anleger hatten die Aktie der chinesischen Firma mit dem amerikanischen Parkettneuling Zoom Video Communications, verwechselt. Selbst mit dem Original aus den USA konnten Anleger schnell viel Geld verdienen: Die Aktien wurden für 36 Dollar ausgegeben und schossen kurz auf 72 Dollar. Der Börsenwert des US-Spezialisten für Videokonferenzen verdoppelte sich binnen Stunden auf 20 Milliarden Dollar.

Die Euphorie an den amerikanischen Aktienmärkten ist groß: Niedrige Zinsen und die weiterhin gut laufende Wirtschaft treiben die Aktienmärkte auf neue Rekordstände. Viele Wachstumsfirmen, darunter auch milliardenschwere Unternehmen wie Zoom Video Communications oder die Mobilitätsdienstleister Uber und Lyft nutzen das perfekte Umfeld, um mit ihrem Börsengang (IPO) jetzt Kasse zu machen.

Einhörner stürmen die Wall Street


Experten erwarten, dass die Einnahmen aus IPOs an der Wall Street 2019 den Rekordwert von knapp 108 Milliarden Dollar aus 1999 übertreffen werden. Vor allem dank der sogenannten Unicorns (deutsch Einhörner) - Debütanten mit mehr als einer Milliarde Dollar Börsenwert.

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Mobilitätsdienstleister Uber Technologies, dessen Wert auf bis zu 91,5 Milliarden Dollar taxiert wird, ist das größte Unicorn. Ursprünglich wurde Uber sogar auf 120 Milliarden Dollar geschätzt. Mit dem deutlichen Abschlag reagierten die Banken, die das Debüt begleiten, auf die Kursverluste des Konkurrenten Lyft nach dessen Börsengang am 29. März. Gegenwärtig präsentiert sich Uber ­potenziellen Zeichnern des IPOs auf ­Roadshows in San Francisco, New York und London.

Das Interesse ist groß, der Börsengang voraussichtlich schon überzeichnet, heißt es an den Kapitalmärkten. Und das obwohl der weltweit aktive Mobilitätsdienstleister im ersten Quartal bei drei Milliarden Dollar Erlös eine Milliarde Dollar Verlust buchte. Beim voraussichtlichen Debüt am kommenden Freitag hofft der Konzern, bis zu neun Milliarden Dollar für seine Aktien einsammeln zu können.

Der IPO von Uber an der New York Stock Exchange (NYSE) ist der größte des Jahres. In der Hoffnung, dass die Stimmung an den Kapitalmärkten, vor allem an der Wall Street, freundlich bleibt, drängen in diesem Jahr besonders viele Unicorns auf das Parkett (siehe Tabelle unten).

Für Anleger bringt dieser Boom viele Investmentmöglichkeiten, aber auch Stolperfallen. Vor allem am ersten Handelstag sind die Kursausschläge wild. Wer zum Start die Aktie des Uber-Rivalen Lyft kaufte, hat bislang knapp ein Fünftel seines Einsatzes verloren. Die Aktie des Unicorns Pinterest hat dagegen laut Börsendienst Bloomberg mehr als 50 Prozent zugelegt.

Pinterest ist ein soziales Netzwerk mit einer visuellen Suchmaschine, das weltweit 280 Millionen Menschen nutzen, die ihre Bilder an öffentliche oder private virtuelle Pinnwände heften.

Kurskapriolen der Börsendebütanten sind leicht zu erklären: Bei Technologiefirmen ist die Euphorie hoch, und es werden nur wenige Anteile auf den Markt gebracht. Bei großer Nachfrage führt das zu extremen Kursverzerrungen. "Bei den Tech-Schwergewichten geht es darum, neue Märkte als Erster zu dominieren. Deshalb ist Anlegern bei solchen Investments Unternehmenswachstum wichtiger als Erträge. Vor allem US-­Investoren sind deshalb bereit, Unternehmensverluste über viele Jahre in Kauf zu nehmen - auch nach einem Börsendebüt", erklärt Joachim von der Goltz, IPO-Experte der Credit Suisse. Mit ihren im Internet basierten Geschäftsmodellen, die ohne diese Technologie nicht denkbar wären, passten Unicorns gut ins Zeitalter der Digitalisierung, sagt von der Goltz.

Gegenüber dem IPO-Boom Ende der 90er-Jahre mit Stars wie Amazon und Ebay hat sich vieles geändert. Sogenannte Private Placements, Beteiligungen vor dem Börsengang, haben dramatisch zugelegt. Große institutionelle Investoren wie etwa der Ontario Teachers Pensionsfonds wollen bei Unternehmen in Megatrendmärkten vor deren Börsengang erhebliche Anteile besitzen. Uber und Co können es sich deshalb leisten, später an die Börse zu gehen. Im Schnitt sind es zwölf Jahre nach der Gründung, Ende der 90er-Jahre waren es vier bis fünf Jahre danach.

Jeff Bezos brachte Amazon drei Jahre nach der Gründung aufs Parkett. Wer 1997 in Amazons Börsendebüt 1.000 Dollar investiert hat, verwaltet heute über eine Million Dollar. Diese Traumrendite dürften die heutigen Unicorns für Aktionäre, die zum IPO einsteigen, wohl kaum erreichen, meint Jay Ritter, IPO-Experte der Universität Florida. Dafür müsste Uber im Jahr 2041 rund 240 Billionen Dollar wert sein, kalkuliert Ritter. Bisher haben es an der Börse aber nur drei Konzerne - Amazon, Apple und Microsoft - geschafft, die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert zu überschreiten.

Der weltweit größte Onlinehändler Amazon startete bei seinem Parkettdebüt im Jahr 1997 zudem mit 0,7 Milliarden Dollar Börsenwert, bei Uber werden es mehr als 90 Milliarden Dollar sein. Doch auch wenn bei Investments in Unicorns zum IPO langfristige Renditen wie bei Amazon nicht drin sind, dürften Mutige für ihre Ausdauer in einigen Fällen großzügig belohnt werden. Die größeren Debütanten verfügen über stabilere Geschäftsmodelle. €uro am Sonntag stellt einige der IPO-Riesen vor.

Auf Seite 2: Vier Börsenneulinge im Test

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