Gemeint ist ein geradezu sensationelles Ergebnis, das das Auktionshaus Heinrich Köhler vor kurzem erzielte. Es versteigerte Stücke aus der Sammlung des verstorbenen Milliardärs Erivan Haub und verzeichnete bei einer Ausrufsumme von gut 0,6 Millionen Euro einen Erlös von 1,8 Millionen Euro. Solch eine Verdreifachung ist absolut unüblich. Von 291 Losen blieben lediglich zehn unverkauft.

Besonders bemerkenswert war die Steigerung bei einem Brief des Deutschen Kaiserreichs (siehe Foto). Hier waren zwei Marken an ihrem Ausgabetag am 1. Januar 1872 abgestempelt worden, was extrem selten ist - und offensichtlich sehr begehrt. Das Exemplar brachte bei einem Ausruf von 5000 Euro sagenhafte 130.000 Euro ein.

Der 2018 verstorbene Haub war Miteigentümer der Lebensmittelkette Tengelmann und einer der wichtigsten deutschen Philatelisten der vergangenen Jahrzehnte. Seine Sammlung wird seit 2019 in mehreren Tranchen verkauft. Ihre Hauptattraktion war ein Brief mit einer "Baden-Fehldruck 9 Kreuzer" (bei Herstellung der Marke im Jahr 1851 wurde versehentlich zu grünem statt rosafarbenem Papier gegriffen). Er erzielte vor zwei Jahren 1,26 Millionen Euro. Damals wurden Hoffnungen auf einen höheren Preis enttäuscht - immerhin hatte Haub im Jahr 1985 selbst schon fast soviel bezahlt.

Nun hat sich das möglicherweise geändert. Das Auflösen von Haubs Beständen habe Dynamik in die Branche gebracht, meint Dieter Michelson, geschäftsführender Gesellschafter des Auktionshaus Heinrich Köhler. "Investoren und eingefleischte Sammler möchten die Lücken in ihren Kollektionen schließen und beteiligen sich an intensiven Bieterkämpfen. Wir erleben eine Revitalisierung der Philatelie."

Nächste Gelegenheit, die These zu überprüfen, ist am 27. November in Zürich. Dann kommen beim Auktionshaus Corinphila (corinphila.ch) schweizerische Stücke Haubs zum Verkauf. Glanzstück ist ein Brief aus dem Jahr 1847 mit zwei gleichen Marken des Kantons Zürich. Der Ausruf beträgt 200.000 Franken (umgerechnet 188.000 Euro).