Eine aktuelle Umfrage der Trading- und Investmentplattform eToro zeigt einen möglichen Wachwechsel unter den KI-Favoriten deutscher Investoren an. Auch in einem wichtigen anderen Aspekt fallen die USA offenbar zurück. Was bedeutet das für Ihr Depot?

Die Vereinigten Staaten von Amerika galten lange als klare Gewinner des KI-Booms. Doch die Konzentration deutscher Anleger auf den US-Markt scheint nachzulassen. Einer Umfrage der Handelsplattform eToro zufolge, glauben nur noch 39 Prozent der insgesamt 1.000 befragten deutschen Privatanleger, dass die USA die Führungsrolle im KI-Sektor übernehmen wird. Schon 52 Prozent nennen stattdessen China - und damit sind sie nicht alleine.

Neuer KI-Spitzenreiter gekürt

Steigende Preise für KI-Modelle, Milliarden-Investitionen in Rechenzentren, Folgen der US-Zollpolitik und eine weniger offene Haltung gegenüber KI im Westen begünstigen ein rasantes Wachstum der chinesischen KI-Industrie. Hinzu kommt ein rasanter Anstieg in der praktischen Nutzung von KI-Modellen in der Robotik, wie das Stanford University Institute for Human-Centered Artificial Intelligence (HAI) im aktuellen AI Index Report beschreibt. Dort heißt es: "China machte (zuletzt) 54 Prozent der weltweit installierten Industrieroboter aus, nach 51,1 Prozent im Jahr 2023. Das globale Wachstum gegenüber dem Vorjahr blieb unverändert, und mehrere wichtige Märkte, darunter die Vereinigten Staaten, Deutschland und Italien, verzeichneten Rückgänge. Taiwan war eine Ausnahme und meldete mit 33 Prozent das höchste Wachstum gegenüber dem Vorjahr."

Die New York Times schreibt, China schließe "die KI-Lücke schneller als erwartet:" So würden globale Unternehmen vermehrt auf Open-Source-Modelle aus dem Reich der Mitte zugreifen, statt auf teure Pendants aus den USA zu setzen. Genau diese Aspekte honorieren auch die befragten Anleger. eToro befragte auch Investoren aus anderen Ländern. Das Ergebnis: In neun von 13 Ländern sehen die Anleger China bei KI vorn. Lediglich in Frankreich, Singapur, Rumänien und natürlich den USA sehen das die Investoren anders.

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Nicht nur KI überzeugt

Während die globale Presse das Internet mit Berichten zum Voranschreiten der chinesischen KI-Industrie überhäuft, zeigt die Umfrage noch einen weiteren spannenden Aspekt. Die Privatanleger sehen China langfristig auch bei den Renditechancen vorn. "Bemerkenswert ist nicht nur die Entwicklung beim Thema KI. Privatanleger betrachten China zunehmend als langfristige Marktchance. Nach Jahren der Zurückhaltung scheinen viele Investoren chinesische Aktien neu zu bewerten", kommentiert Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro, in einer Pressemitteilung die Umfrage. "Während in den USA hohe Erwartungen vielerorts bereits eingepreist sind, sehen Anleger in China wieder größeres Aufholpotenzial." Die Umfrage deute darauf hin, dass China für viele Investoren von einer Risikoposition wieder zu einer echten Anlagealternative geworden sei, so Wienke.

In Zahlen ausgedrückt: Seit dem vierten Quartal 2024 ist der Anteil deutscher Investoren, die in China das höchste Renditepotenzial vermuten, in den regelmäßigen eToro-Umfragen von 33 auf 36 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die den USA den attraktivsten Markt sehen, von 48 auf 33 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren stieg außerdem der Anteil von Investoren, die in chinesische Aktien investieren, von 10 auf 15 Prozent. Allerdings zeigt die Umfrage auch, dass nur 41 Prozent der Befragten überhaupt noch mit steigenden Kursen bei KI-Aktien rechnen - im Vorjahr waren es noch 56 Prozent.

Was bedeutet die Umfrage für Anleger?

Eine solche Umfrage stellt nur eine Stichprobe der tatsächlichen Marktsituation dar. Sie zeigt zwar ein Stimmungsbild, bieten aber keine weiteren Informationen. Für Anleger ist die eToro-Umfrage dennoch spannend. China holt im KI-Rennen offenbar in großem Tempo auf. Vor allem der Bereich Industrierobotik gerät dabei zunehmend in den Fokus.

Anleger, die in KI-Werte aus den USA investiert haben, sollten ihre Anteile natürlich nicht panisch verkaufen. Dennoch haben chinesische Wettbewerber durchaus das Potenzial, die US-Platzhirsche weiter unter Druck zu setzen. Somit könnte sich ein erster Blick auf chinesische Aktien oder Schwellenland-ETFs mit entsprechenden Anteilen lohnen.

Vorher sollten Sie vielleicht den neuen Aktienreport "Smart Money greift zu" lesen. Hier analysiert BÖRSE ONLINE-Redakteur Johann Werther drei Aktien, die bis zu 371 Prozent Kurspotenzial bieten.

Hier den Report lesen

MSCI Emerging M (ISIN: CH0007292201)

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Häufig gestellte Fragen

Welche KI-Branchen könnten von Chinas Aufholjagd besonders profitieren?

Vor allem Bereiche wie Robotik, Automatisierung, Halbleiter und Cloud-Infrastruktur könnten profitieren. Dort entscheidet nicht nur die Forschung, sondern auch die schnelle industrielle Umsetzung über den Erfolg.

Welche Risiken sollten Anleger bei chinesischen KI-Aktien beachten?

Regulierung, geopolitische Spannungen, Exportbeschränkungen und mögliche staatliche Eingriffe machen ein Investment in chinesische Aktrien riskanter als bei Titeln aus westlichen Industriestaaten. Außerdem sind nicht alle Unternehmen im gleichen Maß profitabel oder technologisch führend.

Sind Schwellenländer-ETFs eine gute Alternative zu Einzelaktien?

Schwellenländer-ETFs können eine breitere Streuung bieten und das Risiko einzelner Titel abfedern. Wer nicht nur auf ein Land setzen will, findet darin oft einen pragmatischeren Einstieg in den Markt.

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