Der Bitcoin ist auf den tiefsten Stand seit knapp anderthalb Jahren gerutscht. Die Kryptowährung sackt zeitweise deutlich unter die Marke von 27.000 US-Dollar ab. Im Vergleich zum Vorwochenschluss hat sie damit rund ein Drittel ihres Wertes verloren. Zuletzt verkleinert der Bitcoin seine Verluste ein wenig.

Noch deutlichere Verluste verzeichnen andere Digitalwährungen: Ethereum verliert im 24-Stunden-Vergleich gut 18 Prozent und kostet zeitweilig weniger als 1.900 Dollar. Ripple XRP, Cardano, Solana und Dogecoin sacken gar um fast ein Viertel ab.

"Die Furcht vor raschen Zinserhöhungen insbesondere durch die US-Notenbank entzieht Bitcoin und Co einen der wichtigsten Nährböden aus den vergangenen Monaten", sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. "Es herrscht die absolute Ausverkaufsstimmung am Markt."

Fachleute führen die schlechte Stimmung der Marktteilnehmer auf zwei Gründe zurück: Zum einen sorgt die Aussicht auf vielerorts steigende Leitzinsen für Skepsis am Kryptomarkt. Digitalanlagen werfen keine laufenden Erträge ab, weshalb steigende Zinsen an ihrer Attraktivität rütteln. Zinstragende Anlagen wie festverzinsliche Wertpapiere werden dagegen beliebter.

Als zweiter Grund gelten Turbulenzen bei einer bekannten Kryptowährung namens TerraUSD oder UST. Dabei handelt es sich um einen sogenannten "Stable Coin", der sich in Abgrenzung zu anderen Digitalwerten durch besondere Wertstabilität auszeichnen soll. TerraUSD will dies durch einen speziellen Algorithmus erreichen, der die Kryptowährung in einem stabilen Verhältnis zum US-Dollar halten soll.

In den vergangenen Tagen hat sich der UST-Kurs aber von seiner Anbindung an den Dollar gelöst und ist erheblich unter Druck geraten. Der Vorfall, dessen Gründe noch unklar sind, wirft ein schlechtes Licht auf den ohnehin angekratzten Ruf vieler Digitalwährungen. Sie gelten als energieintensiv und anfällig für kriminellen Missbrauch. Außerdem schwanken sie oft stark im Wert, was sie als Anlage für Kleinanleger eher ungeeignet erscheinen lässt.

Allgemein wachsen die Zweifel, dass die Fed dem derzeitigen Spannungsfeld, bestehend aus einer hartnäckigen Inflation und Rezessionssorgen, nicht gewachsen ist. Zahlreiche institutionelle Anleger behandeln Krypto Assets wie Technologie-Aktien und werfen diese folgerichtig in turbulenten Marktphasen aus ihren Depots. Zusätzlich leiden die als besonders riskant geltenden Digitalwährungen unter dem ungewissen Fortgang des Ukraine-Kriegs.

Es läuft eine Marktbereinigung, die auch von charttechnischen Faktoren beeinflusst wird. Im Bereich um 30.000 Dollar hatte etwa der Bitcoin mehrmals nach oben gedreht. Nachdem diese Unterstützung nun offenbar unterschritten wurde, drohen weitere Verluste.



mmr mit rtr und dpa