In der neuen Börsenwoche dürften die Anleger erst einmal die Füße still halten. Nach dem Ende der Bilanzsaison rücken immer mehr Konjunkturdaten aus den USA in den Fokus. Da der viel beachtete Arbeitsmarktbericht aber erst für Freitag auf dem Zettel steht, wird sich am deutschen Aktienmarkt nach Ansicht von Experten bis dahin kaum etwas tun. "Der Dax wird mehr oder weniger auf der Stelle treten", ist sich Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB sicher. "Der Fokus liegt ganz klar auf der Geldpolitik und den Wirtschaftsdaten in den USA." In der alten Woche legte der deutsche Leitindex angetrieben durch steigende Ölpreise und Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung in den USA um knapp vier Prozent auf 10.280 Punkte zu.

Vom US-Arbeitsmarktbericht erhoffen sich Investoren Hinweise darauf, ob die US-Notenbank Fed die Zinsen bei ihrer Sitzung am 15. Juni anheben wird. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Stellenaufbau von 170.000. "Der Mai-Bericht dürfte trotz des geringeren Stellenzuwachses das positive Bild des Arbeitsmarktes bestätigen", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Einen Vorgeschmack liefern die Daten der privaten Arbeitsagentur ADP. Diese werden diesmal erst am Donnerstag veröffentlicht, da die Wall Street am Montag geschlossen bleibt. Auch die Konsumausgaben (Dienstag) und den Fed-Konjunkturbericht "Beige Book" (Mittwoch) werden Investoren auf mögliche Auswirkungen auf die US-Geldpolitik abklopfen. Immer mehr Börsianer rechnen mit einer weiteren Anhebung der Leitzinsen in den USA im Juni oder Juli. Äußerungen von zahlreichen Fed-Vertretern gaben den Spekulationen in den vergangenen Tagen neue Nahrung. Den deutschen Aktienmarkt dürfte eine Anhebung der US-Zinsen in Schwung bringen. "Eine Normalisierung des Zinsniveaus führt dazu, dass der Euro tendenziell unter Druck gerät, was wiederum den exportorientierten Firmen zu Gute kommt", sagt Analyst Basse.

EZB BERÄT AM DONNERSTAG ÜBER WEITERES VORGEHEN



Keine großen Neuigkeiten erwarten Anleger bei der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Am Leitzins oder dem Volumen des Wertpapier-Ankaufprogramms werden die Währungshüter Experten zufolge kaum rütteln. Sie erhofften sich aber Aussagen über den Start-Zeitpunkt für den Ankauf von Unternehmensanleihen. Interessant seien auch die Wachstums- und Inflationsprognosen. Eine Indikation für Letzteres könnten die europäischen Verbraucherpreise am Dienstag liefern.

Immer mehr in den Fokus rücken die Sorgen vor einem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union. "Die Unsicherheit über den Brexit bleibt ein Prognoserisiko", sagt Anlagestratege Christian Kahler von der DZ Bank. Die Briten stimmen am 23. Juni über den Verbleib ihres Landes in der EU ab. Umfragen zufolge läuft es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen beiden Lagern hinaus.

VOLKSWAGEN LIEFERT QUARTALSERGEBNISSE NACH



Bei den Unternehmen richten sich alle Augen auf Volkswagen. Der skandalerschütterte Autobauer liefert am Dienstag seine Ergebnisse für das erste Quartal. Börsianer werden vor allem auf die Höhe der Rückstellungen im Zusammenhang mit der Affäre um manipulierte Abgastests schauen. Eine offene Frage sei auch, ob die Wolfsburger ihre Fahrzeuge mit hohen Rabatten verkaufen müssen und dadurch die Gewinnmarge leidet. Aktuelle Zahlen zu Neuzulassungen im Mai aus den USA (Mittwoch) und Deutschland (Donnerstag) geben Hinweise darauf, ob VW weitere Marktanteile verloren hat.

Reuters