von Index Radar




Chart 1 - Fünf-Minuten-Chart des DAX Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.





Zugegeben, es fällt derzeit besonders schwer, den DAX bei seiner beispiellosen Rally nur von der Seitenlinie aus zu verfolgen. Auch wer nur mit geringen Einsätzen investiert ist, dürfte sich ärgern, die Aufwärtsbewegung nicht mit mehr Engagement zu nutzen. Selten zuvor kletterten die Kurse ohne Korrektur so dynamisch aufwärts. So mancher dürfte sich an die Jahrtausendwende erinnern, als ebenfalls nahezu alle Aktien stiegen und der DAX von Rekord zu Rekord eilte. Im Unterschied zu damals kann derzeit aber nicht von einer euphorischen Stimmung gesprochen werden.

Der gestrige Handelstag passt da perfekt in die jüngste Historie. Wie bereits in der Ausgabe vom Mittwoch beschrieben, war die Marke von 11.600 eine Schlüsselstelle. Bereits kurz nach Handelsbeginn wurde der Bereich zügig überwunden, damit war wie erwartet der Weg bis an die nächste Hunderterschwelle frei. Selbst die obere Kanalgrenze wurde am Nachmittag pulverisiert, ein klarer Beweis für die Dynamik der Rally. Wer mutig war und die Chance mit dem vorgestellten Hebel-Bull mit Faktor 40 nutzte, erzielte einen Gewinn von mindestens 45 Prozent innerhalb weniger Stunden. Auch wenn die Märkte derzeit auf nahezu allen Zeitebenen eine Überhitzung anzeigen, sind aggressive Short-Spekulationen nur etwas für Zocker. Erfahrene Trader setzen hingegen auf die einfache Regel: The trend is your friend.

Dabei geht es letztlich nur um Wahrscheinlichkeiten. Der Fünf-Minuten-Chart liefert uns ein passendes Beispiel wie aus dem Lehrbuch. Es gab es in den vergangenen vier Wochen nur sehr selten eine gute Gelegenheit, von fallenden Kursen zu profitieren - und wenn dann nur für wenige Stunden oder Tage. Lediglich bei einem Test der Oberseite des Trendkanals lag ein akzeptables Chance-Risiko-Verhältnis vor. Hingegen spielte es fast keine Rolle, wann der Einstieg in eine Long-Position erfolgte. Spätestens nach vier Tagen leuchteten Buchgewinne auf - wer etwas cleverer agierte, musste zu keinem Zeitpunkt Verluste hinnehmen. Stellen Sie sich daher als kurzfristig agierender Trader immer hinter den Markt und somit in Richtung der übergeordneten Trendbewegung. Es macht keinen Sinn, gegen eine Rally zu wetten, vor allem nicht, wenn es sich um einen so dynamischen Impuls wie derzeit handelt. Erst wenn im Chart klare Verkaufssignale zu sehen sind und zugleich eine überhitzte Situation vorliegt, bieten sich Spekulationen auf fallende Kurse an. Bisher erfüllt der DAX mit den weiten Differenzen zu wichtigen Durchschnitten nur eine Voraussetzung.

Eher mittelfristig ausgerichtete Anleger mit einem Zeithorizont von einigen Tagen bis wenigen Wochen stellt die laufende Rally hingegen auf eine harte Bewährungsprobe. Spätestens Mitte Februar, als sich der DAX um mehr als 14 Prozent von seiner 200-Tage-Linie entfernte, leuchteten aus markttechnischer Sicht einige Warnlampen auf. Inzwischen steht die Börsenampel auf Rot, mit einer Differenz von 19,5 Prozent hat sich der DAX so weit von seinem langfristigen Durchschnitt entfernt wie seit Herbst 2009 nicht mehr.

Seit 1990 zeigte der Aktienmarkt bisher nur sieben Mal eine ähnlich kräftige Übertreibung auf der Oberseite. Natürlich kann niemand vorhersagen, wie stark die Extremphase bis zu ihrem Höhepunkt ausfallen wird. Zumindest aus statistischer Sicht steht der DAX nun vor einer Hürde. Bereits mehrfach in den vergangenen Jahrzehnten war ab einer Differenz von 20/21 Prozent Schluss. Übertragen auf die aktuelle Ausgangslage entspricht dies einem Potenzial bis maximal 11.900 - die 12.000 wären somit noch außer Reichweite.

Ein bis zwei Prozent sind auf der Oberseite noch drin, sofern die Kaufpanik weiter anhält. Unsere Empfehlung lautet daher unverändert: Anleger, die mit Long-Positionen dabei sind, können weiter investiert bleiben oder Teilgewinne realisieren. Zugleich sollten gestaffelte Stoppkurse platziert werden, um nicht unglücklich bei einer jederzeit möglichen Korrektur mit der gesamten Position aus dem Markt geworfen zu werden. Als Orientierungspunkte bieten sich schwache Unterstützungen an. Eine erste Nachfragezone liegt um 11.670/11.680, noch nicht bestätig ist hingegen der Bereich um 11.590 / 11.600. Als zuverlässiger schätzen wir das in den vergangenen Tagen mehrfach bewährte Gebiet um 11.410 bis 11.465 ein. Erst wenn auch hier keine Gegenbewegung erfolgt und der DAX somit die steile, seit Anfang Februar bestehende, Aufwärtstrendlinie durchbricht, liegen hinreichend deutliche Signale für weiter fallende Kurse vor.




Chart 2 - Tageschart mit Abstand zur 21-Tage-Linie in %



Gemessen am Abstand zur 21-Tage-Linie verbleibt aktuell ebenfalls nicht mehr viel Potenzial nach oben. Von den Extremwerten zwischen 8 und 9 Prozent ist der DAX zwar noch etwas entfernt. Doch die meisten Wendepunkte erfolgten bereits, wenn der Index zwischen 3,6 und 3,8 Prozent über seinem Monatsdurchschnittskurs kletterte - dieser Schwellenwert wurde inzwischen deutlich überschritten. Eine Konsolidierung ist daher nur eine Frage der Zeit.





Chart 3 - Wochenchart mit Abstand zur 200-Tage-Linie



Wie weit kann es langfristig nach den neuen Allzeithochs nun noch gehen? Die Statistik hilft, diese Frage zu beantworten: Unter dem Kursverlauf des DAX haben wir im Wochenchart den Abstand der Kurse zur 200-Tage-Linie (entspricht etwa dem 40-Wochen-Durchschnitt) abgebildet. Mit dieser Methode lässt sich ein Kursziel auf der Oberseite bei maximal rund 11.900 Zählern errechnen - dieser Wert entspricht den in der Vergangenheit im Idealfall gemessenen 20/21 Prozent Abstand des Index zu seinem langfristigen Durchschnittspreis.

Zu Beginn des Jahrtausends waren es auch mal 33 Prozent und mehr - doch das sollten sich Anleger lieber nicht wünschen, auch wenn der DAX dadurch noch rechnerisches Potenzial bis an die 13.000er-Marke hätte. Denn anschließend startete damals der dreijährige Abwärtstrend, im Zuge dessen sich der Indexstand fast viertelte.



Chart 4 - Kerzenchart auf Tagesbasis





Unterstützungen und Widerstände





















































Franz-Georg Wenner ist Chefredakteur des börsentäglichen Anlegermagazins "Index-Radar".

www.index-radar.de