Einige Investoren nahmen Kurs auf "sichere Häfen" und kauften Bundesanleihen. Deren Rendite fiel dadurch auf bis zu minus 0,108 Prozent, den tiefsten Stand seit zweieinhalb Wochen.

"Ein gutes Abschneiden Trumps bei der TV-Debatte könnte zu Schwankungen an den Börsen führen, vor allem wenn Anleger glauben, dass er tatsächlich gewinnen kann", sagte Chefanalyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Der für die Republikaner antretende Milliardär sollte in der Nacht zum Dienstag (03.00 Uhr MESZ) gegen seine demokratische Rivalin Clinton antreten, die ehemalige US-Außenministerin. Trump sei eine große Unbekannte, betonten die Experten des Vermögensverwalters Amundi in einem Kommentar. Es sei völlig unklar, wie er seine geplanten Reformen umsetzen oder finanzieren wolle. "Ganz anders Clinton, deren Positionen klar und vertraut sind, da sie sie seit Jahren praktiziert."

Die Verunsicherung der Investoren spiegelte sich auch am Devisenmarkt wider: Die US-Währung geriet unter Druck und verlor zu der als sichere Anlage geltenden Schweizer Valuta 0,3 Prozent auf 0,9674 Franken. Der Euro verteuerte sich gleichzeitig um einen knappen halben US-Cent auf 1,1265 Dollar.

HOFFNUNG AUF FÖRDERBREMSE TREIBT ÖLPREIS



Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die richtungweisende Erdöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 1,5 Prozent auf 46,60 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger wetteten darauf, dass sich die großen Exportländer bei ihrem bevorstehender Treffen auf eine Begrenzung der Fördermengen einigen. Die Chancen hierfür schätzte Anlagestratege Bjarne Schieldrop von der SEB Bank aber gering ein. Schließlich steigerten Libyen und Nigeria nach Produktionsausfällen gerade erst wieder ihre Ausfuhren. Wegen des weltweiten Überangebots ist der Ölpreis in den vergangenen beiden Jahren um mehr als die Hälfte gefallen.

DEUTSCHE BANK UNTER DRUCK - LANXESS AUF HÖHENFLUG



Auf Unternehmensseite sorgte die Deutsche Bank erneut für Diskussionsstoff. Die Aktien des Geldhauses fielen um bis zu 6,9 Prozent auf ein Rekordtief von 10,63 Euro. "Eine Kapitalerhöhung erscheint unausweichlich", urteilte Mediobanca-Analyst Adam Terelak. Auch ohne die drohenden milliardenschweren US-Strafzahlungen könne sie ihre Ziele für den Ausbau des Kapitalpuffers nur schwer erreichen. Die Ausgabe neuer Aktien ist für die Deutsche Bank nach Aussagen eines Sprechers derzeit aber kein Thema. Ein weiterer Belastungsfaktor seien die Medienberichte, dass der Bund dem Institut nicht unter die Arme greifen wolle, betonten Börsianer.

Die Titel von Lanxess steuerten dagegen mit einem Kursplus von bis zu zwölf Prozent auf den größten Tagesgewinn seit siebeneinhalb Jahren zu. Der Chemiekonzern will den US-Konkurrenten Chemtura für 33,50 Dollar je Aktie oder insgesamt 2,4 Milliarden Euro schlucken. "Wir sehen die Übernahme als strategisch sinnvoll an", urteilte LBBW-Analyst Ulle Wörner. Chemtura stiegen im vorbörslichen US-Geschäft um 16,5 Prozent auf 32,82 Dollar.

rtr