Die am Donnerstag anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank hat die Anleger auch am Dienstag vorsichtiger gestimmt. Größere Engagements blieben daher aus. Grund dafür ist der erwartete Zinsentscheid der EZB. "Viele haben Angst, jetzt neue Positionen einzugehen und dann auf dem falschen Fuß erwischt zu werden", führte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners aus. Anleger rechnen mehrheitlich damit, dass im Zuge der Sitzung der Zins für Einlagen bei der Notenbank gesenkt wird. Wie groß der Schritt ausfallen und ob EZB-Chef Mario Draghi zusätzlich eine Wiederaufnahme der Wertpapierkäufe ankündigen wird, ist weiterhin ungewiss.

Vor rund sechs Wochen hat der Bund erstmals Anleihen mit einer Rendite unter null Prozent verkauft. Die durchschnittlich Rendite bei der 824 Millionen Euro schweren Auktion betrug minus 0,11 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur damals mit. Demnach bezahlten Investoren dafür, dem Bund Geld leihen zu dürfen. Am Anleihemarkt sorgten nun Spekulationen auf neue Schulden des Bundes für Verkäufe. Dies hievte die Rendite der 30-jährigen Titel erstmals seither wieder über die Marke von null Prozent auf plus 0,009 Prozent. Die zehnjährigen Papiere rentierten bei minus 0,573 Prozent.

Zum Auftakt der Zwangspause für das britische Parlament notierte das Pfund Sterling kaum verändert bei 1,2348 Dollar. Premierminister Boris Johnson war mit seinem Wunsch nach Neuwahlen nun bereits zum zweiten Mal von den Abgeordneten abgewiesen worden. Diese haben Johnson dazu verpflichtet, den Brexit aufzuschieben, sollte bis Mitte Oktober kein Brexit-Deal vorliegen. Anleger sollten auf jegliche Bemühungen der Regierung achten, das neue Gesetz zu umgehen und keinen erneuten Aufschub zu beantragen, warnte Markets.com-Experte Wilson.

Am Dienstag rückte außerdem die Commerzbank ins Rampenlicht. Laut "Handelsblatt" durchsuchte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Beteiligung an sogenannten "Cum-Ex"-Geschäften Frankfurter Räume des Geldhauses. Beamte der Staatsanwaltschaft Köln seien dort seit dem Morgen zugange, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte lediglich, dass am Dienstag wegen Cum-Ex-Geschäften Ermittlungsmaßnahmen stattfanden. Die Commerzbank äußerte sich nicht zu laufenden Ermittlungen. Ihre Aktien belastete die Nachricht aber nur kurz. Am Mittag notierten sie wie zuvor 2,4 Prozent im Plus bei 5,82 Euro.

Zum Xetra-Handelsschluss stand Continental an der Spitze des DAX, gefolgt von Lufthansa und dem DAX-Absteiger Thyssenkrupp. Die Schlusslichter bildeten Adidas und Wirecard.

Conti-Chef: Kündigungen 'als letztes Mittel nicht ausgeschlossen'
Continental wird wegen der schwachen Autokonjunktur und nachlassenden Nachfrage nach Verbrenner-Technologie mittelfristig wohl nicht um betriebsbedingte Kündigungen herumkommen. Einen solchen Schritt könne man "als letztes Mittel nicht ausschließen", sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Dienstag am Rande der Automesse IAA in Frankfurt. Eine genaue "Zielzahl" zu möglicherweise betroffenen Werken oder Mitarbeitern lasse sich derzeit aber noch nicht nennen.

Neue Durchsuchungen wegen 'Cum-Ex'-Geschäften
Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ihre Untersuchungen rund um "Cum-Ex"-Aktiendeals ausgeweitet. Im Rahmen des Verfahrenskomplexes um Cum-Ex-Geschäfte seien Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt worden, teilte die Behörde am Dienstag mit. Detailangaben zur Art und Ort machte sie nicht. Nach Informationen des "Handelsblatt" wurden Geschäftsräume der Commerzbank in Frankfurt durchsucht. Demnach lautet der Verdacht, dass die Commerzbank am Handel mit großen Aktienpaketen rund um den Ausschüttungstermin mit (cum) und ex (ohne) Dividendenanspruch zu Lasten der Steuerzahler beteiligt war.

VW-Chef Diess fehlt beim Dieselprozess - Streit um Talkshow-Äußerung
Ohne VW-Chef Herbert Diess, dessen persönliches Erscheinen angeordnet worden war, hat das Duisburger Landgericht am Dienstag über Schadenersatzklagen gegen den Autokonzern verhandelt. In den Verfahren geht es um die vom Bundesgerichtshof als Sachmangel eingestufte Abschaltautomatik für Dieselfahrzeuge. Die Verhandlung brachte ein heftiges Scharmützel zwischen dem Vorsitzenden der 13. Zivilkammer und dem Anwalt von VW, der schließlich einen Befangenheitsantrag gegen den Richter stellte.

IAA: BMW bleibt wegen Brexit und Zöllen vorsichtig - 'Setzen nicht nur auf SUV'
Der Autobauer BMW bleibt angesichts der Zollstreitigkeiten und des drohenden ungeregelten Brexit weiter vorsichtig bei den Geschäftsaussichten. Es sei weiter zu früh, jetzt schon eine Prognose auf das kommende Jahr zu wagen, sagte Finanzchef Nicolas Peter am Dienstag auf der Automesse IAA in Frankfurt. Die weiteren Gewinnaussichten hingen auch davon ab, ob Mitte Dezember die angekündigten zusätzlichen Zölle zwischen den USA und China zur Geltung kämen.

Pilotenstreik bei British Airways lässt fast alle Flieger am Boden
Ein Pilotenstreik bei der britischen Fluggesellschaft British Airways hat auch am Dienstag zu einem massiven Flugausfall geführt. Bereits am Montag waren wegen des Arbeitskampfes der Kapitäne für höhere Gehälter fast alle Flüge von und nach London Heathrow sowie Gatwick ausgefallen. Für beide Tage hatte BA im voraus insgesamt mehr als 1700 Flüge abgesagt. Fast 200 000 Reisende seien betroffen, meldete die Nachrichtenagentur PA. Für den 27. September hat die Gewerkschaft Balpa zu einem weiteren Streik aufgerufen.

Opel-Chef: Segment der kleinen SUV wird weiter wachsen
Das Segment kleinerer Stadtgeländewagen wird nach Einschätzung des Opel-Chefs Michael Lohscheller weiter wachsen. "Die Kunden fragen insbesondere diese kleinen SUVs stark nach", sagte der Manager am Dienstag auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Die zum französischen PSA-Konzern gehörende Marke werde ihren SUV-Anteil von jetzt 30 Prozent weiter deutlich steigern. Die kompakten Autos könnten unter anderem mit Hilfe elektrischer Antriebe mit sehr niedrigen Verbrauchswerten gefahren werden.

Daimler will Zulieferer zu Klimaneutralität bewegen
Der Autobauer Daimler will seine Zulieferer zu einer klimaneutralen Produktion bewegen. "Das wird zu einem Vergabe-Kriterium", sagte Daimler-Chef Ola Källenius am Dienstag auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Er habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass viele Partner das Thema bereits erkannt hätten und gut unterwegs sein. Daimler selbst will seine eigenen Fabriken bis 2022 klimaneutral machen, wobei ein Teil der CO2-Emissionen auch mit Ausgleichszahlungen kompensiert werden soll.

Bahn kündigt niedrigere Ticketpreise bei Steuersenkung an
Von einer Mehrwertsteuersenkung bei Bahntickets im Fernverkehr würden die Kunden nach Unternehmensangaben direkt profitieren. "Den finanziellen Vorteil würden wir mit günstigeren Fahrpreisen eins zu eins an unsere Kunden weitergeben", kündigte Konzernchef Richard Lutz am Dienstag in Berlin an. Das könne einen wertvollen Beitrag dazu leisten, mehr Menschen in die Züge zu bewegen. Zudem würden dann weitere neue Züge gekauft, damit die zusätzliche Nachfrage auch bewältigt werden kann.

Gescheiterte Tarifgespräche: Verdi droht mit Streiks bei der Postbank
In der Tarifauseinandersetzung bei der Postbank müssen Kunden nach den Warnstreiks in den vergangenen Wochen mit noch größeren Einschränkungen rechnen. Die Verhandlungen mit der Konzernmutter Deutsche Bank über einen neuen Tarifvertrag seien gescheitert, erklärte die Gewerkschaft Verdi am Dienstag. Verdi werde daher eine Urabstimmung über Streiks einleiten.

55. Geburtstag: Jack Ma zieht sich als Alibaba-Chef zurück
Jack Ma, der Gründer des chinesischen Online-Riesen Alibaba, ist als Vorsitzender seiner Firma abgetreten. Zu seinem 55. Geburtstag trat Ma am Dienstag wie bereits vor einem Jahr angekündigt seinen Rückzug an. Die Nachfolge von Ma soll Daniel Zhang antreten, den Ma selbst ausgewählt hatte.

IAA: BMW-Chef Zipse bleibt bei flexibler Antriebsstrategie
Der neue BMW-Chef Oliver Zipse bleibt bei der abwartenden Haltung bei den Antriebsarten des Konzerns. "Wir werden in der Lage sein, unseren Kunden alle relevanten Antriebsarten anzubieten: konventionelle Motoren, die Maßstäbe bei Effizienz setzen, batterieelektrische Antriebe sowie Plug-in-Hybride und in Zukunft auch die Wasserstoff-Brennstoffzelle", sagte Zipse am Dienstag auf der Automesse IAA in Frankfurt. Der seit Mitte August amtierende Vorstandschef will damit die Strategie seines Vorgängers Harald Krüger wie erwartet weiterführen. Krüger war unter anderem Zaghaftigkeit bei der Umsetzung der Elektrooffensive der Münchener vorgeworfen worden. VW startet mit ID.3 Elektroserie - Greenpeace will Verbrenner-Aus
Mit seinem neuen E-Mittelklassewagen ID.3 will Volkswagen den Aufbruch in die massentaugliche Elektromobilität markieren. Doch Klimaschützer verlangen von den Autokonzernen zum Start der IAA deutlich mehr Anstrengungen als nur frische Modelle.

US-Bundesstaaten nehmen Google mit Kartellermittlungen ins Visier
Die Staatsanwälte fast aller US-Bundesstaaten haben sich für Kartellermittlungen gegen Google zusammengetan. Der Internet-Konzern steht damit vor seiner bisher größten wettbewerbsrechtlichen Herausforderung in den USA.

rtr/dpa-AFX/iw