Wachsende Zweifel an einer Annäherung zwischen den USA und China bei den geplanten Handelsgesprächen bereiten Börsianern Sorgen. Zusätzlich stieg durch einen Insiderbericht die Furcht vor einem chaotischen Brexit.

Demnach bezeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Gespräch mit Premierminister Boris Johnson einen Deal als überaus unwahrscheinlich. Einzige, verbliebene Möglichkeiten wären demnach eine weitere Fristverlängerung oder ein ungeregelter Brexit - je nachdem wie sich die britische Seite entscheidet. Das Pfund Sterling jedenfalls ging sofort auf Talfahrt. Es verbilligte sich um fast 0,7 Prozent auf 1,22 Dollar und markierte mit 1,11 Euro ein Vier-Wochen-Tief.

Im Handelsstreit zwischen den USA und China bereiten sich beide Seiten auf die für Ende Woche geplanten Gespräche vor. "Eine kleine, eng begrenzte Einigung scheint möglich", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Aber selbst das könnte sich als Wunschdenken entpuppen, da die Positionen beider Seiten zu weit auseinander liegen."

Zu den Gewinnern im DAX zählten die Aktien von Bayer und Volkswagen. Zu den Schlusslichtern zählten dagegen die Papiere von Wirecard und Infineon mit Verlusten von knapp vier Prozent.


Was am Dienstag an der Börse ebenfalls wichtig war


Wirecard erhöht Mittelfristziele - Margenbedenken belasten Aktie
Der Zahlungsabwickler Wirecard rechnet sich wie erwartet in den nächsten Jahren mehr Umsatz und Gewinn aus. Das eigene Wachstum soll sich weiter beschleunigen, der Konzern will sich verstärkt auf Großkunden konzentrieren und auch Partnerschaften sollen helfen. Wirecard will 2025 mit über 12 Milliarden Euro rund 2 Milliarden Euro mehr Umsatz machen als bisher geplant, wie das Unternehmen am Dienstag vor einer Kapitalmarktveranstaltung in New York mitteilte. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sattelte Wirecard-Chef Markus Braun rund 500 Millionen Euro drauf, nun sollen es in sechs Jahren 3,8 Milliarden Euro operativer Gewinn werden.

Fortum will Kontrolle über Uniper übernehmen - Aktie verliert klar
Der finnische Großaktionär Fortum könnte bei Uniper nun bald am Ziel sein: Fortum kündigte am Dienstag in Espoo an, weitere Anteile am Düsseldorfer Energieunternehmen kaufen zu wollen. Man habe sich mit den beiden Investoren Elliott und Knight Vinke über eine Übernahme von deren Anteilen geeinigt, heißt es in einer Mitteilung. Für rund 20,5 Prozent der Uniper-Anteile will Fortum rund 2,3 Milliarden Euro zahlen. Das entspreche einem Preis von 29,93 Euro pro Aktie. Damit würde der Großaktionär mehr als 70 Prozent an Uniper halten. Die Behörden in Russland und den USA müssen der Übernahme aber noch zustimmen. Eine Stellungnahme von Uniper steht noch aus.

Hongkonger Börse gibt klein bei - Übernahme der Börse London abgeblasen
Aus der Mega-Fusion der größten Börsenplätze Asiens und Europas wird nichts. Die Hongkonger Börse (HKEX) hat den Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (London Stock Exchange (LSE)) (LSE) auch wegen des Widerstands der Briten abgeblasen. Damit ist der Plan von einem weltweit führenden Finanzmarktkonzern geplatzt. Laut einer Mitteilung vom Dienstag sei es nicht gelungen, "mit dem Management der LSE zusammenzuarbeiten, um diese Vision zu verwirklichen". An den Kapitalmärkten wurde die Nachricht unterschiedlich aufgenommen. Während die Aktien der London Stock Exchange am Dienstag über 6 Prozent nachgaben, legten die Papiere der Hongkonger Börse am Nachmittag (Ortszeit) um mehr als 2 Prozent zu.

Unruhige Zeiten bei Qiagen: Chef geht - Aktienkurs bricht ein
Der Gendiagnostik- und Biotechkonzern QIAGEN steht vor unsicheren Zeiten. Das Unternehmen entwickelte sich im dritten Quartal wegen einem schwachen Geschäft in China schlechter als vom Management erwartet. Dazu nahm überraschend Konzernchef Peer Schatz seinen Hut. Qiagen kündigte am Montagabend zudem einen Konzernumbau an, der auch zu einem Stellenabbau führen dürfte. An der Börse sorgte dieser Mix an Nachrichten für einen massiven Kurseinbruch: Die Aktie brach am Dienstag um mehr als 20 Prozent ein.

Spanischer Großaktionär Acciona will Nordex übernehmen
Der Windanlagenbauer Nordex steht womöglich vor einer Übernahme seines Großaktionärs Acciona. Das spanische Unternehmen will den restlichen Aktionären ein Kaufangebot unterbreiten, den Preis erwartet Acciona bei 10,32 Euro je Aktie, wie die Spanier am Dienstag in Madrid mitteilten. Zuvor war der Anteil von Acciona durch die Beteiligung an einer Kapitalerhöhung von Nordex auf mehr als 30 Prozent gestiegen. Bei Überschreiten dieser Schwelle ist nach den Regularien ein Übernahmeangebot fällig.

Samsung erwartet starken Gewinnrückgang - übertrifft aber die Erwartungen
Wegen fallender Chip-Preise erwartet der Technologieriese Samsung das vierte Quartal in Folge einen Rückgang des operativen Gewinns. Der Marktführer bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern aus Südkorea teilte am Dienstag in seinem Ergebnisausblick für das dritte Quartal 2019 mit, der Gewinn aus den Kerngeschäften werde im Jahresvergleich um 56 Prozent auf 7,7 Billionen Won (etwa 5,9 Milliarden Euro) sinken. Dennoch lagen die Zahlen über den Markterwartungen. Die Aktien gewannen zuletzt etwas mehr als ein Prozent hinzu.

Deutsche Bank verhandelt weiter über geplanten Stellenabbau
Die Deutsche Bank verhandelt dem Vernehmen nach weiter mit Arbeitnehmervertretern über Modalitäten des geplanten Stellenabbaus in Deutschland. Einen Agenturbericht, wonach von den 18 000 weltweit auf der Kippe stehenden Jobs, etwa die Hälfte in Deutschland gestrichen werden könnte, wollte das Kreditinstitut am Dienstag nicht kommentieren. "Dort, wo es zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen wird, werden wir direkt mit unseren Mitarbeitern über ihre Arbeitsplätze und die ihnen zur Verfügung stehenden Alternativen sprechen", teilte die Bank auf Anfrage mit. Man werde alles tun, um bei der Umsetzung der Veränderungen so verantwortungsbewusst und sensibel wie möglich zu sein.

rtr/dpa-AFX/fp