Investoren wetteten im Vertrauen auf die aktuellen Umfragen auf ein Ideal-Szenario, bei dem Joe Biden das Weiße Haus erobert und seine Demokraten zusätzlich zum Repräsentantenhaus auch im Senat die Mehrheit stellen, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Dieser Wahlausgang wäre die Grundlage für die erhofften umfangreichen zusätzlichen Konjunkturhilfen zur Abfederung der Coronavirus-Folgen.

Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com, warnte vor überzogenem Optimismus. "Vorsicht mit Nachwahl-Befragungen. Sie haben nicht die beste Erfolgsbilanz." Wegen der enormen Zahl an Briefwahl-Stimmen seien Verzögerungen bei der Auszählung unausweichlich. Ein weiteres Risiko seien Anfechtungsklagen, gab Analyst Timo Emden von Emden Research zu bedenken. "Denn der amtierende Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld mehrfach angekündigt, im Falle eines knappen Wahlsieges Bidens sich nicht kampflos ergeben zu wollen."

ROHÖL UND GOLD GEFRAGT - DOLLAR UNTER DRUCK


Konjunkturoptimismus spiegelte sich auch im Ölpreis wider. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 2,5 Prozent auf 39,95 Dollar je Barrel (159 Liter). Sie profitierte außerdem von den anhaltenden Spekulationen auf eine Verlängerung der aktuellen Förderbremse durch das Exportkartell Opec+, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Industriemetalle waren ebenfalls gefragt. Kupfer legte ein knappes Prozent auf 6814 Dollar je Tonne zu.

Unterdessen legte der Goldpreis 0,5 Prozent auf 1905 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. Auftrieb erhielt er Börsianern zufolge von der Abwertung des Dollar, die das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA attraktiver macht. Der Dollar-Index, der den Kurs zu anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, büßte 0,6 Prozent ein. Eine drohende ausufernde Neuverschuldung zur Finanzierung von Konjunkturhilfen sowie die Festlegung der US-Notenbank auf eine langfristige Nullzins-Politik sehen Experten als Belastungsfaktoren.

ANLEGER FINDEN HUGO BOSS SCHICK - FERRARI AUF ÜBERHOLSPUR


Am deutschen Aktienmarkt gehörte Hugo Boss mit einem Kursplus von 3,4 Prozent zu den Favoriten. Der Quartalsumsatz des Modekonzerns sei zwar hinter den Erwartungen zurückgeblieben, konstatierte Analystin Kathryn Parker von der Investmentbank Jefferies. Dank strikter Kostenkontrolle sei der operative Gewinn aber etwa doppelt so hoch ausgefallen wie vorhergesagt.

Auch bei Ferrari schlugen sich Einsparungen in einem überraschend hohen Betriebsergebnis nieder. Wichtiger sei aber, dass der Sportwagenbauer nun ein Gesamtjahresergebnis am oberen Ende der angepeilten Spanne erwarte, sagte ein Börsianer. Ferrari-Titel stiegen in Mailand um fast vier Prozent.

Unterdessen durchkreuzten die Börsen Shanghai und Hongkong die Börsenpläne von Ant. Weil der chinesische Finanzdienstleister Offenlegungspflichten wohl nicht erfülle, wird der Konzern den Angaben zufolge vorerst nicht an diesen Handelsplätzen gelistet. Mit einem Emissionsvolumen 37 Milliarden Dollar wäre dies der weltweit größte Börsengang geworden. Die in den USA notierten Aktien der Ant-Mutter Alibaba fielen vorbörslich um fünf Prozent.

rtr