In New York lagen Dow Jones & Co vorbörslich erneut auf Rekordkurs. "Mit dem US-Pharmakonzern Johnson & Johnson wächst gleichzeitig die Zuversicht auf einen weiteren Impfstoff", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Das Unternehmen hatte erklärt, früher als erwartet Daten zu seinem Corona-Impfstoff vorlegen zu können. Der US-Konkurrent Pfizer und sein deutscher Partner BioNTech hatten ebenfalls eine wichtige Hürde zur Zulassung ihres Medikaments genommen.

"Es sind noch bestimmte Fragen zur Logistik der Impfstoffe zu beantworten, und Impfstoffe verändern auch nicht das Winterbild für das Virus, aber wir erwarten für das nächste Jahr positive Ergebnisse", sagte Seema Shah, Chef-Strategin bei Principal Global Investors. Die zunehmende Risikofreude der Anleger setzte Gold unter Druck. Eine Feinunze (31 Gramm) der "Krisenwährung" verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 1860,30 Dollar.

BREXIT-DINNER IM BLICK


Mit Spannung warteten Anleger zudem auf ein Treffen des britischen Premierministers Boris Johnson mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel. Bei einem Abendessen wollten beide über die festgefahrenen Brexit-Verhandlungen reden und nach einer Lösung suchen. Die britische Seite schürte im Vorfeld die Hoffnung, dass das persönliche Treffen einen Fortschritt vor dem EU-Gipfel ab Donnerstag bringen könnte. Die Hoffnung auf eine Einigung trieb das Pfund an. Die britische Devise stieg um bis zu 0,9 Prozent auf 1,3477 Dollar.

"Es wird ein Münzwurf sein, es gibt viel Symbolik", sagte Teeuwe Mevissen, Experte bei der Rabobank. "Aber unser Basisszenario ist immer noch, dass wir vor Jahresende einen sehr rudimentären Deal sehen werden." Sollte es in den nächsten Tagen nicht zu einer Einigung zwischen der EU und Großbritannien samt Freihandelsabkommen kommen, droht Anfang 2021 ein harter Bruch mit größeren Verwerfungen für die Wirtschaft.

Positive Impulse erhofften sich die Börsianer auch von der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. "Die Anleger erwarten eine vorweihnachtliche Bescherung im Sinne einer großzügigen Notenbanker-Schützenhilfe", betonte Emden. Auch ein erneuter Vorstoß in den USA für ein weiteres Konjunkturpaket sorgte für Kauflaune.

Die größten Kursgewinner in Europa waren Aktien der Auto-, Banken- und Öl-Branche mit Zuwächsen von jeweils mehr als einem Prozent. Dagegen gab der Technologiesektor leicht nach. Aktien von STMicroelectronics brachen 9,5 Prozent ein, nachdem der Chiphersteller sein Jahresumsatzziel von zwölf Milliarden Dollar um ein Jahr auf 2023 verschoben hatte.

An die Spitze der Dax-Gewinner setzte sich Covestro mit einem Kursplus von mehr als fünf Prozent. Der Kunststoffhersteller hatte erneut seine Prognose erhöht. Damit habe der Konzern die Erwartungen übertroffen, sagte ein Händler. Aktien von KlöCo gaben rund fünf Prozent nach. Großaktionär Friedhelm Loh und der US-Finanzinvestor Apollo wollen den Duisburger Stahlhändler nun doch nicht übernehmen.

rtr