Wegen der trüben Konjunkturaussichten müssen sich Anleger Experten zufolge auf einen ungemütlichen Herbst einrichten. Deutschland rutsche in eine Rezession, warnt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

"Sollten Strom- und Gaspreise weiter steigen, drohen Unternehmensschließungen und eventuell ein schmerzhafter Anstieg der Arbeitslosigkeit." Vor diesem Hintergrund büßte der Dax in den vergangenen Tagen insgesamt fast drei Prozent ein.

Weiteres Ungemach drohe von den erwarteten Zinserhöhungen der US-Notenbank, da diese sich bislang nicht angemessen in den Kursen widerspiegelten, geben Experten des Vermögensverwalters Amundi zu bedenken. An der Börse gilt als wahrscheinlich, dass die Fed bei ihrer Sitzung am Mittwoch den Leitzins das dritte Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte anhebt. Wegen der hartnäckig hohen Inflation halten allerdings immer mehr Investoren einen Schritt um einen vollen Prozentpunkt für möglich. Außerdem werde darüber spekuliert, ob der aktuelle Zyklus wie bislang erwartet bei einem Wert von 3,5 bis vier Prozent oder eher bei 4,5 Prozent ende, sagt Anlagestratege Brian Jacobsen vom Vermögensverwalter Allspring.

WAS MACHEN DIE NOTENBANKEN VON ENGLAND UND DER SCHWEIZ?

Am Tag nach der Fed berät die Bank von England (BoE) mit einer Woche Verspätung über ihre Geldpolitik. Die britischen Notenbanker hatten ihre Sitzung wegen der Trauerfeiern für Queen Elizabeth II. verschoben. Wie ihre Kollegen jenseits des Atlantik werden sie den Leitzins voraussichtlich um 0,75 Prozentpunkte anheben. Es wäre das erste Mal seit 1989, dass die britische Zentralbank so stark an der Zinsschraube dreht - abgesehen von einem Versuch im Jahr 1992, dem Pfund Auftrieb zu geben. Diese Entscheidung wurde damals in weniger als einem Tag revidiert. "Es gibt Argumente für eine anhaltende aggressive Straffung der Geldpolitik", sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Schließlich deute der überraschend hohe Anstieg der Löhne auf einen unverändert starken Preisdruck hin.

Ebenfalls am Donnerstag gibt die Schweizer Nationalbank (SNB) ihren Zinsentscheid bekannt. Ähnlich wie bei der Fed schwanken Börsianer, ob sie den Schlüsselsatz um einen Dreiviertel- oder einen ganzen Prozentpunkt anhebt. Parallel dazu berät zwar auch die Bank von Japan (BoJ) über ihre Geldpolitik. Hier werden allerdings keine Änderungen erwartet.

DÜNNER KONJUNKTURDATEN-KALENDER - ITALIEN-WAHL IM BLICK

Die drei Notenbank-Sitzungen drängen die wenigen anstehenden Konjunkturdaten in den Hintergrund. Am Donnerstag wird das Barometer für das Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone veröffentlicht. Experten rechnen mit einem Rückgang auf minus 26 Punkte. Am Freitag folgt der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. "Das verlässlichste Konjunkturbarometer für die Euro-Wirtschaft dürfte im September mit 49,0 Punkten auf ein Niveau gefallen sein, das in der Vergangenheit in der Regel mit einer Rezession einherging", sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Unabhängig davon wirft die Parlamentswahl in Italien ihre Schatten voraus. Umfragen zufolge hat eine rechtsgerichtete Koalition um die postfaschistische Partei Fratelli d'Italia am 25. September die besten Chancen. Deren Chefin Giorgia Meloni könnte die erste Ministerpräsidentin Italiens werten. Sie hat bereits angekündigt, EU-Haushaltsregeln einhalten zu wollen.

Von Reuters