Zum Jahresende sind die 10.000 Punkte im Dax wieder in greifbare Nähe gerückt. Angetrieben von der Hoffnung auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) legte der deutsche Leitindex am Dienstag in der Spitze um 1,4 Prozent auf 9921 Punkte zu und notierte damit so hoch wie zuletzt Anfang Juli. Von seinem im Juni aufgestellten Rekordhoch von 10.050 Punkten ist er nur noch 1,2 Prozent entfernt. Fünfstellige Kurse seien wohl nur noch eine Frage der Zeit, vermuten daher Börsianer. Auch in Paris, Madrid und Mailand griffen die Anleger zu, so dass der EuroStoxx50 1,1 Prozent auf 3248 Zähler zulegte. In London und Zürich kamen die Indizes dagegen etwas langsamer vom Fleck.

Börsianer verwiesen auch auf die relativ guten Umsätze. Die Optimisten hätten derzeit das Sagen, erklärte IG Markets-Analyst Gregor Kuhn. Allerdings sei angesichts der Dynamik und des Ausmaßes des jüngsten Aufwärtsschubes durchaus eine Konsolidierungsphase möglich. Danach sah es zumindest am Dienstag nicht aus. Vielmehr rechneten einige Experten damit, dass auch im kommenden Jahr die Rally an den Aktienmärkten weitergeht. 2015 könnte der Dax die 11.000-Punkte-Marke anpeilen, prognostizierte LBBW-Analyst Berndt Fernow in einer Kurzstudie. "Mit der Geldpolitik bleibt den Börsen ein stützender Faktor erhalten: Solange die EZB mehr Mittel in den Kreislauf pumpt, als die Realwirtschaft benötigt, steigen die Aktienkurse meistens."

Für zusätzlichen Optimismus sorgte auch die Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft. In den USA läuft die Konjunktur inzwischen so gut, dass die Fed ihr nicht mehr zusätzlich unter die Arme greifen muss. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA stieg im dritten Quartal einer zweiten amtlichen Schätzung zufolge um 3,9 Prozent und damit etwas stärker als bisher gedacht. Mit Spannung schauten die Anleger auch auf die Daten zum Verbrauchervertrauen, das Aufschluss darüber geben könnte, wie gut das Weihnachtsgeschäft in den USA laufen wird. Für die Wall Street signalisierten die US-Futures zum Handelsstart steigende Kurse.

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INFINEON IM VORFELD VON ZAHLEN UNTER DRUCK

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Versorger: E.ON und RWE legten je fast vier Prozent zu. Am Vortag hatte die Diskussion um die Zukunft alter Kohlekraftwerke die Aktien belastet. Unterstützt wurden die Kurse auch von der Hoffnung auf Käufer für die Italien-Sparte von E.ON. Nach Informationen von Reuters haben sowohl Energiefirmen als auch Finanzinvestoren ihr Interesse an der Sparte bekundet, die mehr als zwei Milliarden Euro wert sein könnte. Eine hohe Zahl von Interessenten sei erst einmal eine gute Nachricht, sagte ein Börsianer.

Ebenfalls weiter gesucht waren die Aktien der Banken: Deutsche Bank und Commerzbank legten um 3,2 und 2,3 Prozent zu. Vor allem die Deutsche Bank habe Nachholbedarf, sagte ein Händler. Schließlich notierten die Titel rund 20 Prozent niedriger als zum Jahreswechsel. Auch die meisten europäischen Banken legten kräftig zu. Der EuroStoxx-Banken-Index stieg um zwei Prozent und damit um mehr als jeder andere Sektor. Dabei zählten Credit Agricole und Societe Generale zu den größten Gewinnern.

Auf der Dax-Verliererseite standen dagegen Infineon mit einem Abschlag von 0,4 Prozent. Der Chiphersteller wird am Donnerstag seine Geschäftszahlen vorlegen. Die Analysten der Deutschen Bank bezeichneten die Schätzungen für den operativen Gewinn für 2015 als "scheinbar zu optimistisch".

Ebenfalls unter Druck waren in London die Aktien von Kingfisher, die über fünf Prozent einbüßten und damit im "Footsie" die rote Laterne trugen. Europas größte Baumarktkette wies einen fast zwölfprozentigen Gewinnrückgang im dritten Quartal aus und warnte im stockenden Frankreich-Geschäft keine zu schnelle Erholung zu erwarten.

Reuters