Die Aktie von Siemens Energy legt am Donnerstag stark zu. Grund ist ein Medienbericht über vertrauliche Pläne für ein „Project Voyager“ – das dem Energiekonzern ein ganz neues Gesicht verpassen würde.

Die Aktionäre von Siemens Energy schöpfen gerade wieder Hoffnung: Nachdem die Aktie erst vergangene Woche ein Drei-Monats-Tief bei 138,68 Euro markiert hatte, legte sie seitdem binnen weniger Tage um 17 Prozent zu. Schließlich gilt das Unternehenm als einer der großen Profiteure der KI-Welle, weil tausende neue Rechenzentren stabil mit Energie versorgt werden müssen und Kunden Herstellern von Kraftwerkstechnik wie GE Vernova und Siemens Energy zum Beispiel Gasturbinen geraezu aus den Händen reißen. Der Preis spielt dabei fast keine Rolle. Die zuletzt Hyperscaler wie Oracle erneut eine Ausweitung ihrer Investitionspläne verkündet haben, profitiert Siemens Energy davon direkt.

Vertrauliches Dokument skizziert den Plan

Der Kurs-Aufschwung könnte weitergehen, wenn sich ein Bericht des „Manager Magazins“ vom Donnerstag bewahrheitet. Dort ist von einem vertraulichen „Projekt Voyager“ die Rede. Dazu gebe es ein 51-seitiges Dokument mit dem Vermerk „Strictly Confidential“, das dem Manager Magazin vorliege. Darin skizziert: die Abspaltung einer kompletten Sparte. 

Der Plan: Die Einheit „Transformation of Industry“ soll als unabhängige Gesellschaft abgespalten und an die Börse gebracht werden. Dem Bericht zufolge würde Siemens Energy in diesem Fall als Minderheitsaktionär nur noch 40 Prozent an dem Spin-off behalten. Eine andere Variante wäre, die Sparte mit einem Konkurrenten zu verschmelzen.

Da sich die Sparte nach einem Spin-off freier bewegen könnte und bis 2031 die Gewinnspanne auf 16 Prozent steigern könnte, taxiert das Papier ihren Wert in diesem Fall auf etwa elf Milliarden Euro. Bliebe sie dagegen zu hundert Prozent bei Siemens Energy, kalkulieren die Finanzer des Konzerns mit niedrigeren Gewinnerwartungen und einem „enterprise value“ von 9,5 Milliarden Euro.

Siemens Energy (WKN: ENER6Y)

Hebt Siemens Energy damit versteckte Werte?

Die Meldung fachte sofort die Fantasie der Börsianer an: Ein Spin-off wäre eine ideale Möglichkeit, um versteckte Bewertungsreserven innerhalb des ohnehin schon hoch bewerteten Konzerns zu heben. Deshalb zog der Kurs prompt an und setzte sich mit einem Plus von knapp fünf Prozent an die DAX-Spitze. Damit nähert sich die Aktie nun einer charttechnisch interessanten Marke: der 50-Tage-Linie. Diese hatte der Kurs Ende Mai nach unten durchbrochen. 

Einziges Problem: Die Sparte „Transformation of Industry“, um die sich die Gerüchte ranken, ist „ein Gemischtwarenladen“, wie es das „Manager Magazin“ ausdrückt. Dort entwickeln, bauen und verkaufen 17.000 Mitarbeiter Kompressoren und Dampfturbinen, Wellengeneratoren, Elektrolyseure und Energiespeichersysteme. Der Umsatz belief sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 auf 5,723 Milliarden Euro. Die wichtigsten deutschen Fertigungs-Standorte sind Duisburg und Görlitz.

Weiterführende Links

Ein Dementi klingt anders

Siemens Energy will den Plan nicht bestätigen, dementiert ihn aber auch nicht wirklich. Man begutachte regelmäßig sein Portfolio und prüfe „im Rahmen dieses laufenden Prozesses“ regelmäßig „die optimale langfristige Aufstellung, um den Wachstumskurs unseres Geschäftsbereichs Transformation of Industry zu beschleunigen“, zitiert das „Manager Magazin“ aus einer Stellungnahme.

Wer immer ein Interesse daran hatte, den Plan bekannt zu machen: Jetzt ist die Idee auf dem Tisch – und die Börse signalisiert klar, dass sie sie gut findet.

Siemens Energy ist als Lieferant für Kraftwerke und Stromnetze ein indirekter Gewinner des KI-Booms. Wenn Sie pure KI-Gewinner im Portfolio haben möchten, könnte der "Künstliche Intelligenz Index" von BÖRSE ONLINE das Richtige für Sie sein.

Häufige Fragen zum Thema

Was macht SIemens Energy?

Siemens Energy ist ein weltweit führender Energietechnikkonzern, der die gesamte Energiewertschöpfungskette abdeckt: von der Stromerzeugung (konventionell und erneuerbar) bis zur Übertragung und Speicherung. Das Unternehmen baut Gasturbinen, Windkraftanlagen, Transformatoren und bietet Lösungen für Wasserstoff sowie Netztechnik an, um nach eigeen Angaben die Dekarbonisierung der Industrie zu unterstützen.

Was verbindet Siemens Energy mit dem Siemens-Konzern?

Die Siemens AG hat ihre Kraftwerkstechnik im Jahr 2020 unter dem Namen Siemens Energy abgespalten. Die Aktien werden seit September 2020 an der Börse gehandelt. Im April 2026 hielt Siemens noch 5,44 Prozent der Anteile.

Wann endet das Geschäftsjahr bei Siemens Energy?

Das Geschäftsjahr aller Siemens-Gesellschaften weicht vom Kalenderjahr ab und endet jeweils am 30. September. Das ist auch bei früheren Töchtern der Siemens AG wie Infineon, Siemens Energy oder Siemens Healthineers so.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.