Thanos Bardas, leitender Portfolio-Manager beim Vermögensverwalter Neuberger Berman, bezeichnete die Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte durch die Notenbank Fed als "unbeschwerte Erhöhung". "Sie spiegelt den Beginn des Aufschwungs in den USA wider." Für 2017 signalisierte die Fed drei weitere Schritte - einen mehr als bislang erwartet. Börsianer ließen sich davon aber nicht beirren. "Ich bezweifle, dass die Fed die Zinsen nächstes Jahr wirklich drei Mal anheben kann", sagte Daisuke Karakama, Chef-Marktanalyst der Mizuho Bank. Im laufenden Jahr habe sie schließlich statt der geplanten vier Mal nur ein Mal gehandelt.

EURO NIMMT KURS AUF PARITÄT



Der Euro verbilligte sich auf bei zu 1,0406 Dollar und lag damit etwa zweieinhalb US-Cent unter dem Niveau unmittelbar vor der US-Zinsentscheidung vom Mittwochabend. Wenn die Gemeinschaftswährung auf diesem Niveau aus dem Handel gehe, sei das nächste Ziel die Parität, prognostizierte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Der Euro hat zuletzt 2002 weniger als einen US-Dollar gekostet.

Wegen der Aussicht auf steigende Zinsen warfen Investoren bereits gehandelte, niedrig verzinste US-Bonds aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 2,641 Prozent. Dieser Entwicklung konnten sich die vergleichbaren Bundesanleihen nicht entziehen. Sie rentierten bei 0,365 Prozent nach 0,306 Prozent am Mittwoch.

DRUCK AUF SCHWELLENLÄNDER NIMMT ZU



Dies seien keine guten Nachrichten für Schwellenländer, betonte Anthony Doyle, Anleihe-Experte beim Vermögensverwalter M&G. "Sobald Anlagen in den USA wieder attraktiver werden, könnten Anleger weltweit ihr dortiges Engagement überdenken. Allerdings haben die Regierungen vieler Schwellenländer große Anstrengungen unternommen, um ihre Märkte von Kapitalabflüssen unabhängiger zu machen."

In Mexiko erwarteten Börsianer als Reaktion auf die Fed ebenfalls eine Zinserhöhung. Die dortige Währung war in den vergangenen Monaten unter die Räder geraten, weil der künftige US-Präsident Donald Trump wiederholt Front gegen Billig-Importe aus dem Nachbarland gemacht hatte. Am Donnerstag blieb der Dollar mit 20,583 Peso auf Tuchfühlung mit seinem Rekordhoch.

FINANZWERTE GEFRAGT - IMMOBILIENWERTE IM MINUS

Am Aktienmarkt deckten sich Investoren vor allem mit Finanzwerten ein, die zu den Profiteuren steigender Zinsen zählen. Deutsche Bank und Commerzbank legten bis zu 4,4 Prozent zu. Der europäische Banken-Index gewann 1,6 Prozent. Sein italienische Pendant stieg sogar um 2,2 Prozent. Investoren seien erleichtert, dass die neue Regierung ihre Arbeit aufnehmen könne. Außerdem will der Staat Insidern zufolge seinen kriselnden Geldhäusern mit bis zu 15 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Vonovia und Deutsche Wohnen büßten dagegen bis zu drei Prozent ein. Die Immobilienwerte litten unter Spekulationen auf steigende Hypothekenzinsen.

In Paris brachen die Titel von EdF sogar um knapp 13 Prozent ein - so viel wie noch nie. Der französische Versorger warnte wegen Überkapazitäten vor einem Gewinnrückgang 2017 auf 13,7 bis 14,3 Milliarden Euro. Analysten hatten bislang mit einem Ergebnis nahe den für 2016 angepeilten rund 16 Milliarden Euro gerechnet.

rtr